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US-Vorwahlen: "Comeback-Kerry" gewinnt auch in New Hampshire

Ein einst schon totgesagter Bewerber etabliert sich als Spitzenreiter, ein Partei-Rebell schmälert seine Chancen durch einen Schrei, und ein General verliert seine erste politische Schlacht.

Ein einst schon totgesagter Bewerber etabliert sich als Spitzenreiter, ein Partei-Rebell schmälert seine Chancen durch einen Schrei, und ein General verliert seine erste politische Schlacht: Niemand könnte behaupten, dass die diesjährigen US-Vorwahlen zur Nominierung des demokratischen Präsidentschaftskandidaten langweilig wären.

Seit 19 Jahren Senator

Der einst Totgesagte ist John Kerry, schon seit 19 Jahren US- Senator. Nachdem ihm noch vor wenigen Wochen nur geringe Chancen im Rennen um die Nominierung als Herausforderer von Präsident George W. Bush vorausgesagt worden waren, gelang dem 60-Jährigen nach seinem Überraschungssieg in Iowa ein zweiter Coup. Er wurde zum klaren Sieger der ersten Vorwahl der Nation in der diesjährigen demokratischen Kandidatenkür in New Hampshire und hat seitdem seinen Spitznamen weg: "Comeback-Kerry".

Howard Dean, der linksliberale Ex-Gouverneur von Vermont und Freund der offenen Aussprache, brachte es nach seinem Fall in Iowa nicht zum erhofften großen Comeback und landete - reichlich abgeschlagen - auf dem zweiten Rang. General a. d. Wesley Clark, als ehemaliger NATO-Oberbefehlshaber auch in Europa ein Name, schnitt in einem engen Zweikampf mit Senator John Edwards aus North Carolina um den dritten Platz eindeutig schlechter ab als er erhofft hatte.

"Alle anderen hatten eine lausige Nacht"

Wie oft bei solchen Ereignissen, gewannen fast alle Bewerber ihrem Abschneiden am Wahlabend eine gute Seite ab. Aber nur John Kerry hatte wirklich guten Grund dazu. "Alle anderen hatten eine lausige Nacht", brachte es ein Analytiker des Senders CNN auf einen Nenner.

"Ich liebe New Hampshire"

Kerry dagegen konnte schon kurz nach Schließung der Wahllokale seinen Anhängern zujubeln. "Ich liebe New Hampshire", rief er aus. Noch im November vergangenen Jahres hatte er in Umfragen USA-weit klar hinter Dean, dem einstigen Arzt, gelegen. Der temperamentvolle, ja bisweilen jähzornige Ex-Gouverneur mit seinem ausgeprägten Anti-Irakkriegskurs und seiner bisher einmaligen Nutzung des Internets bei der Wahlkampfmobilisierung beherrschte die Schlagzeilen und Titelseiten so stark, dass sich auch das Weiße Haus in seiner Strategie-Planung auf diesen Mann eingestellt hatte.

Erfahrungen im politischen Establishment

In New Hampshire verfestigte sich nun ein anderes Bild. Die Demokraten bauen anscheinend mehr auf einen Kandidaten, dessen Programm sich auf langjährige Erfahrungen innerhalb des politischen Establishments stützt als auf einen Mann, dessen bisheriger Wahlkampf zum großen Teil aus Rhetorik gegen den amtierierenden Präsidenten George W. Bush bestand. Kerry, Vietnamkriegsveteran, Diplomatensohn und Multimillionär, vermittele "Stabilität und eine Art Sicherheit", erklärten politische Analytiker am Wahlabend im US-Fernsehen.

Deans "präsidentenunwürdige" Rede

Dean, der einstige Wahlkampf-Star am demokratischen Himmel, hatte nach seiner Niederlage in Iowa noch zusätzlich in der öffentlichen Gunst verloren, als er eine als wenig "präsidentenwürdig" geltende Rede hielt. Darin hatte er seine Anhänger mit hoch gekrempelten Hemdsärmeln und lauter, dann zunehmend heiserer Stimme angefeuert und schließlich einen Schlachtruf ausgestoßen. Fernsehsender hatten diesen "Urschrei" immer wieder ausgestrahlt, und Kritiker sahen sich in ihrem Urteil bestätigt, dass dieser Mann nicht ausgeglichen, reif genug sei, um Präsident zu werden. Hinzu kam eine Umfrage des Magazins "Newsweek", nach der Kerry und nicht Dean die größte Chance habe, Bush zu besiegen.

Wichtig, aber nicht entscheidend

Aber noch ist nichts entschieden. Schon am Wahlabend flogen viele der demokratischen Bewerber in jene sieben Bundesstaaten, die in der nächsten Woche über ihren Wunschkandidaten abstimmen werden. New Hampshire und Iowa gelten zwar als wichtig, aber nicht unbedingt als vorentscheidend für die endgültige Nominierung: Längst nicht immer stimmte das Votum der dortigen Wähler mit dem Endergebnis überein. Aber Experten waren sich darin einig: Kerry hat nunmehr eine gute Ausgangsbasis, und Dean muss sich gewaltig anstrengen, wenn er über den Februar hinaus im Rennen bleiben möchte. Edwards wurden nur noch Chancen im Fall eines Sieges in der kommenden Woche in South Carolina eingeräumt und den anderen Kandidaten lediglich Aussichten im Fall eines wirklich guten Abschneidens in mehreren der Staaten.

Gabriele Chwallek/DPA / DPA