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+++ Liveticker zum Konflikt in Libyen +++: Nato soll das Kommando übernehmen

Die USA wollen nicht, Frankreich allein soll nicht - nun soll die Nato das Kommano für den internationalen Libyen-Einsatz übernehmen. Die Ereignisse auf stern.de.

+++22.21 Uhr: Internationaler Strafgerichtshof ermittelt gegen Gaddafi +++

Der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs hat die baldige Beantragung mehrerer Haftbefehle wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Libyen angekündigt. Louis Moreno-Ocampo sagte der Nachrichtenagentur AFP in Kairo, sein Team ermittle in sieben Fällen wegen der Tötung unbewaffneter Zivilisten durch libysche Sicherheitskräfte zu Beginn der Proteste gegen Machthaber Muammar al Gaddafi zwischen Mitte und Ende Februar.

Die Ermittler versuchten nun herauszufinden, wer für die Taten verantwortlich sei, sagte der Staatsanwalt, der sich in Kairo zu Gesprächen mit Vertretern der ägyptischen Behörden und der Arabischen Liga aufhielt.

+++ 22.20 Uhr: USA könnten Kommando am Wochenende abgeben +++

Die USA könnten das Kommando im Waffengang gegen Libyen schon in den nächsten Tagen abgeben. Das machte US-Vizeadmiral William Gortney in Washington deutlich. Die USA könnten "die Führung frühestens am Wochenende übergeben", sagte er im Pentagon vor den Toren Washington. Danach werde sich das US-Militär stufenweise zurückziehen, fügte er hinzu. Danach soll die Nato die Führung übernehmen. Die 28 Nato-Staaten stehen bei Beratungen in Brüssel kurz vor einer Einigung.

+++ 21.47 Uhr: UN-Generalsekretär Ban rügt Gaddafi +++

Libyens Machthaber Muammar al Gaddafi setzt nach Worten von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon die von den Vereinten Nationen verlangte Waffenruhe nicht um. Die Führung in Tripolis komme ihren "Verpflichtungen" nicht nach, sagte Ban vor dem UN-Sicherheitsrat in New York. Es gebe weiter "heftige Kämpfe". Die UNO sei weiter "ernsthaft besorgt" über den Schutz der Zivilbevölkerung in dem nordafrikanischen Land. Gaddafis Truppe würden weiter gegen die Menschenrechte und internationales humanitäres Völkerrecht verstoßen.

+++ 21.38 Uhr: Venezuela hält Gaddafi-Regierung für legitim +++

Venezuela hält an den engen diplomatischen Beziehungen zum Regime des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi fest. "Die legitime Regierung Libyens ist die, die Gaddafi führt", sagte Venezuelas Vizeaußenminister für Afrika, Reinaldo Bolívar, im staatlichen Fernsehen VTV. Es gebe "keinen einzigen Grund, die Beziehung zu Libyen abzubrechen, ..., die Nation (Libyen) ist Ziel einer Aggression, das ist der Moment der Solidarität", betonte der Diplomat.

Venezuelas linker Staatschef Hugo Chávez zählt zu den Verbündeten Gaddafis und hat die Militäraktion von Beginn an scharf verurteilt. Das südamerikanische Land wird nach Worten Bolívars die in Libyen operierenden Rebellen in "keinster Weise" anerkennen. Zugleich bezeichnete er den UN-Sicherheitsrat, der die Libyen-Resolution verabschiedet hatte, als "Anachronismus".

+++ 20.13 Uhr: Über 100 Tote und 1300 Verletzte in Misurata +++

Bei den tagelangen Kämpfen um die libysche Hafenstadt Misurata sind nach einem Bericht des US-Senders CNN mehr als 100 Menschen getötet worden. 1300 weitere Menschen seien verletzt worden, berichtete CNN. Der Sender berief sich dabei auf einen Arzt. Am Donnerstag hatte es wieder schwere Kämpfe in Misurata gegeben. Einheiten des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi feuerten aus Panzern auf das Viertel um das Zentralkrankenhaus. Die internationalen Luftschläge der vergangenen Tage hätten die Panzer-Einheiten Gaddafis nicht ausreichend geschwächt, hieß es. Auch aus der Hauptstadt Tripolis wurden weitere Kämpfe gemeldet.

+++ 19.59 Uhr: Nato übernimmt Kommando +++

Die NATO übernimmt nach Angaben der Türkei das Kommando über den internationalen Libyen-Einsatz. Das teilte der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu nach einem Telefonat mit seinen Kollegen aus den USA, Frankreich und Großbritannien mit. Die Luftangriffe des Bündnisses dieser drei Länder wurden bisher von den USA koordiniert.

+++ 19.20 Uhr: USA wollen nur unterstützen+++

Die USA wollen sich nach der geplanten Abgabe ihrer Führung bei der Libyen-Militäroperation nicht mehr direkt an der Durchsetzung der Flugverbotszone beteiligen. Sie wollten nur noch "Unterstützung und Hilfe" leisten, etwa in Form von Aktionen zur Störung des libyschen Radars, beschrieb der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney, die künftige Rolle beim Libyen-Einsatz.

Carney bekräftigte, dass die USA die Führung im Laufe von "Tagen" abgeben wollten. Er äußerte sich optimistisch, dass dies "relativ schnell" geschehen werde. Der Libyen-Einsatz sei "zeitbegrenzt", das heißt, es gebe kein "offenes Ende", betonte der Sprecher weiter. Er wies darauf hin, dass durch die Mission eine "enorme Zahl von Menschenleben gerettet" worden sei. Es sei gelungen, in der von den libyschen Gaddafi-Truppen attackierten Rebellenhochburg Bengasi "ein Massaker zu verhindern".

Vorwürfe der Republikaner, dass Präsident Barack Obama den Kongress nicht ausreichend informiert habe, wies Carney zurück. Obama habe das getan, und zwar "substanziell".

+++ 19.17 Uhr: Medwedew telefoniert mit Obama +++

Kremlchef Dmitri Medwedew hat in einem Telefonat mit US-Präsident Barack Obama eine strikte Einhaltung der Resolution des Weltsicherheitsrats gefordert. Medwedew habe betont, dass der Schutz der Zivilbevölkerung in dem nordafrikanischen Land Priorität genießen müsse. Das teilte der Kreml auf seiner Internetseite mit. Die Veto-Macht Russland hatte sich im UN-Sicherheitsrat enthalten. Der Libyen-Konflikt hatte in Moskau zu einer scharfen Kontroverse zwischen Medwedew und Regierungschef Wladimir Putin über die Bewertung der internationalen Militäraktion geführt.

+++ 18.37 Uhr: Rebellen töten Heckenschützen +++

Die Rebellen haben nach eigenen Angaben in der umkämpften Stadt Misrata 30 Heckenschützen der Regierung getötet. Ein Sprecher sagt, die Aufständischen hätten inzwischen das Stadtzentrum erreicht.

+++ 18.36 Uhr: Afrikanische Union lädt Gaddafi-Vertreter und Opposition ein +++

Die Afrikanische Union will mit Vertretern der libyschen Regierung und der Opposition über die Krise in Libyen sprechen. Libyens Machthaber Muammar Gaddafi könnte zu dem für Freitag geplanten Zusammenkommen seinen Ministerpräsidenten schicken, sagte der Präsident der Union, Jean Ping. Zudem seien neben Oppositionellen aus dem von Aufständen erschütterten nordafrikanischen Land auch Vertreter der Europäischen Union, des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen und benachbarter Staaten eingeladen worden. Das Treffen soll im äthiopischen Addis Abeba stattfinden.

+++ 15.25 Uhr: Deutsche gegen Krieg in Libyen +++

Die Bundesregierung hat bei ihrer Entscheidung gegen eine Teilnahme am Krieg gegen Libyen eine klare Mehrheit der Bundesbürger hinter sich. 66 Prozent lehnen eine deutsche Beteiligung an der internationalen Militäraktion ab. Das geht nach Informationen der Saarbrücker Zeitung aus einer aktuellen Umfrage des Emnid-Instituts im Auftrag der Bundesregierung hervor.

+++ 14.25 Uhr: Libyscher Kampfjet abgeschossen +++

Ein französisches Kampfflugzeug hat nach einem Bericht des US-Senders ABC News einen libyschen Jet abgeschossen, als dieser die Flugverbotszone verletzt habe.

+++ 13.23 Uhr: Treibstoff wird knapp +++

In Libyen wird nach Angaben eines Vertreters des Landes der Treibstoff knapp. Importe seien nötig, um die Engpässe zu überbrücken. Ein Tanker sei auf dem Weg nach Libyen, werde aber womöglich wegen der Seeblockade der westlichen Militärallianz sein Ziel nicht erreichen.

+++ 12.24 Uhr: Merkel will libyschen Flüchtlingen helfen +++

Deutschland ist nach Angaben von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zur Hilfe für Flüchtlinge aus Libyen bereit. "Bürgerkriegsflüchtlinge, wie wir sie eventuell aus Libyen zu erwarten haben, sind Flüchtlinge, die unserer Solidarität bedürfen", sagte Merkel am Donnerstag vor dem Bundestag in einer Regierungserklärung zum EU-Gipfel. Der Bundesregierung sei es "wichtig, humanitäre Hilfe für Flüchtlinge aus Libyen zu leisten".

+++ 12.12 Uhr: Nato einigt sich auf Kommandostruktur +++

Die Nato hat sich nach Angaben eines Diplomaten im Wesentlichen auf einen Plan für die Kommandostruktur für einen möglichen Militäreinsatz in Libyen geeinigt. Die Kommandos für die täglichen Einsätze sollen sich auf dem Nato-Stützpunkt in Neapel und auf dem Stützpunkt im norditalienischen Poggio Renatico befinden. Der Gesamteinsatz solle im militärischen Nato-Hauptquartier im belgischen Mons überwacht werden.

+++ 11.07 Uhr: Gaddafi-Truppen sollen Hafen von Misrata eingenommen haben +++

Einwohner Misratas berichten, dass Gaddafi-Truppen den Hafen der Stadt eingenommen hätten. Tausende Gastarbeiter, die darauf warteten, außer Landes gebracht zu werden, säßen fest.

+++ 10.55 Uhr: Tunesien friert Vermögen von Gaddafi-Familie ein +++

Tunesien hat Regierungskreisen zufolge Vermögen der Familie von Gaddafi eingefroren. Betroffen seien Gaddafi selbst sowie fünf Mitglieder seiner Familie, hieß es am Donnerstag in tunesischen Regierungskreisen. Westliche Länder, die Vereinten Nationen sowie die Europäische Union haben im Rahmen von Sanktionen bereits Vermögen der libyschen Regierung sowie der Gaddafi-Familie eingefroren. Dass sich nun Tunesien beteiligt, könnte große Signalwirkung haben, weil Libyen in dem Nachbarland große Investitionen, etwa in Hotels oder Tankstellen, getätigt hat.

+++ 10.34 Uhr: Libysche Medien melden zivile Opfer, Oppositionelle bestreiten das +++

Die libysche Internet-Zeitung "Al-Watan" meldet, über Gaddafis Heimatstadt Sirte sei am Mittwochabend ein französisches Kampfflugzeug abgeschossen worden. Der Pilot habe sich retten können. Er sei nun ein Gefangener der libyschen Armee. Ein Sprecher der französischen Streitkräfte bestritt diese Darstellung. "Kein französisches Flugzeug wurde in Sirte abgeschossen", sagte Oberst Thierry Burkhard. Die Staatsmedien meldeten, bei den Angriffen der Allianz in Tadschura seien auch zivile Ziele bombardiert worden. Das Fernsehen zeigte Bilder von Leichen, die zum Teil verkohlt waren. Oppositionelle bestritten, dass es sich dabei um die Leichen von Zivilisten handelt, die bei den Luftangriffen ums Leben gekommen seien.

+++ 10.34 Uhr: Bombardierungen im Süden +++

Die internationale Militärallianz hat ihre Luftangriffe auf den Süden des Landes ausgeweitet. Zudem wurden in der Nacht zum Donnerstag mehrere Ziele östlich der Hauptstadt Tripolis bombardiert. Augenzeugen sahen Flammen auf einem Militärstützpunkt in dem Vorort Tadschura. Nach Angaben aus libyschen Sicherheitskreisen bombardierte die Allianz unter anderem mehrere Ziele in der Stadt Sebha, rund 1000 Kilometer südlich von Tripolis. Auch ein Militärflughafen in Al-Dschufra, 800 Kilometer südlich der Hauptstadt, geriet unter Beschuss.

+++ 9.24 Uhr: Merkel pocht auf Öl-Embargo +++

Bundeskanzlerin Angela Merkel will sich beim EU-Gipfel in Brüssel für ein Ölembargo gegen den libyschen Machthaber Muammar Gaddafi einsetzen. Kein europäisches Land dürfe mehr Öl aus Libyen importieren, forderte Merkel am Donnerstag in einer Regierungserklärung im Bundestag kurz vor Beginn des zweitägigen EU-Gipfels.

+++ 8.59 Uhr: Frankreich kündigt weitere Luftschläge an +++

Die internationale Militärkoalition wird nach Angaben des französischen Außenministers Alain Juppé in Libyen weiterhin militärische Ziele aus der Luft angreifen. "Wir zielen auf militärische Mittel und nichts anderes", sagte Juppé am Donnerstag dem Radiosender RTL. Die Angriffe gingen "so lange wie notwendig" weiter. Den seit Samstag andauernden Militäreinsatz wertete Juppé als Erfolg.

Nach Einschätzung der französischen Regierung ist es eine Frage von Tagen oder Wochen, aber nicht von Monaten, bis die militärische Schlagkraft von Gaddafi zerstört ist.

+++ 07:23 Uhr: Ölpreise sinken leicht +++

Die Ölpreise sind leicht gesunken. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im Mai kostete am Morgen 115,35 US-Dollar und damit 20 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) ging um 33 Cent auf 105,42 Dollar zurück.

+++ 06:47 Uhr: Stuttgart koordiniert Libyen-Einsatz +++

Das in der Nähe von Stuttgart ansässige Regionalkommando AFRICOM ist für die Beziehungen der US-Armee mit 53 afrikanischen Staaten zuständig, im Alltag eine eher diplomatische denn kriegerische Aufgabe. Nun ist AFRICOM eine führende Rolle beim Kampfeinsatz in Libyen zugefallen.

05:54 Uhr: Heftige Kämpfe auch in der Nacht

Korrespondenten der Nachrichtenagentur AFP berichteten über ein Großaufgebot von Rettungswagen in Tripolis und Tadschura. Nach Angaben von Zeugen hatten sich in der Militärbasis heftige Explosion ereignet. Es seien zudem Flammen zu sehen gewesen. Im Zentrum von Tripolis waren unterdessen auch am Morgen wieder Explosionen und Flugabwehrgeschütze zu hören. Das Regime von Machthaber Muammar al Gaddafi warf der internationalen Koalition erneut vor, bei den Angriffen auch viele Zivilisten getötet zu haben. Von westlichen Korrespondenten in Tripolis konnten diese Behauptungen nicht bestätigt werden.

+++ 02:35 Uhr: Ziele in Dschafar angegriffen +++

Dem staatlichen libyschen Fernsehen zufolge griff die westliche Allianz in der Nacht Ziele in Dschafar südwestlich der Hauptstadt an. Dabei seien auch zivile Einrichtungen ins Visier genommen worden, berichtete der Sender und Berufung auf Armeekreise. Es nannte keine Einzelheiten.

+++ 23.39 Uhr: Bomben auf Wohnviertel? +++

Bei Angriffen der internationalen Truppen auf einen Militärstützpunkt östlich der libyschen Hauptstadt Tripolis ist am Mittwochabend nach offiziellen Angaben ein Wohnviertel getroffen worden. Es gebe "eine beträchtliche Zahl von getöteten Zivilisten", berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Dschana unter Berufung auf das libysche Heer. Nach Berichten von Zeugen und des Staatsfernsehens hatte der Beschuss einer Armeebasis im Gebiet von Tadschura etwa 30 Kilometer östlich von Tripolis gegolten.

Laut Dschana flog das von den USA, Frankreich und Großbritannien angeführte Kriegsbündnis drei Angriffe auf den Stützpunkt. Der dritte Beschuss sei erfolgt, als in dem Wohnviertel bereits Rettungsarbeiten angelaufen gewesen seien. Korrespondenten der Nachrichtenagentur AFP berichteten über ein Großaufgebot von Rettungswagen in Tripolis und Tadschura. Nach Angaben von Zeugen hatten sich in der Militärbasis heftige Explosionen ereignet. Es seien zudem Flammen zu sehen gewesen.

+++ 22.51 Uhr: Militärstützpunkt bei Tripolis in Flammen +++

Auf einem Stützpunkt des libyschen Heeres östlich von Tripolis hat es am Mittwochabend nach Zeugenangaben eine heftige Explosion gegeben. Nach der Explosion sagten Zeugen der Nachrichtenagentur AFP, auf der 30 Kilometer von der Hauptstadt entfernten Militärbasis im Gebiet von Tajura seien Flammen zu sehen. Im Staatsfernsehen hieß es unter Berufung auf Armeeangaben, das von den USA, Frankreich und Großbritannien geführte Kriegsbündnis habe zivile und militärische Ziele in Tajura angegriffen.

Wenig später meldete die amtliche libysche Nachrichtenagentur Jana, die Region Tajura, wo sich die größten Militärstützpunkte rund um Tripolis befinden, sei zum zweiten Mal hintereinander aus der Luft bombardiert worden. Im Zentrum von Tripolis waren unterdessen am fünften Tag des Angriffs der "Koalition der Willigen" gegen Libyen der Lärm von Jagdbombern und die Schüsse von Flugabwehrgeschützen zu hören, wie AFP-Reporter berichteten.

swd/zen/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters