Eine staatliche Aufsicht über das Verfahren zur Verteilung von Spenderorganen lehnt Ärztekammerpräsident Frank Ulrich Montgomery ab. Stattdessen fordert er mehr Geld für zusätzliche Prüfer.
Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, hat als Konsequenz aus dem Organspendeskandal schärfere Kontrollen der Transplantationen und mehr Geld für zusätzliche Prüfer gefordert. Außerdem müsse es scharfe berufsrechtliche Konsequenzen geben. "Was die Selbstverwaltung braucht, sind weitere Kompetenzen", sagte der Ärztepräsident der Tageszeitung "Die Welt". Es solle nach amerikanischem Vorbild spezielle Prüfer geben, die flächendeckend kontrollieren, aber auch ganze Verläufe von Transplantationen begutachten könnten. "Dafür ist mehr Personal und mehr Geld nötig, darüber müssen wir sprechen", sagte Montgomery der Zeitung. Bisher könnten Prüfer nur Einzelfällen nachgehen.
Der oberste Ärztefunktionär fügte hinzu: "Ich halte überhaupt nichts von einer staatlichen Aufsicht oder von staatlichen Gremien." Als Beleg führte er an, dass "weder das bayerische Wissenschaftsministerium noch die Strafverfolgungsbehörden ein Interesse gezeigt haben", die Unregelmäßigkeiten an der Uniklinik Regensburg vor rund sieben Jahren aufzuklären.
Montgomery rief potenzielle Spender auf, sie sollten sich nicht von ihrem Willen zur Organspende abbringen lassen. Es gebe viele Patienten, die "dringend auf eine Spende angewiesen" seien, sagte er. "Die bekannt gewordenen Manipulationen haben nichts mit der Notwendigkeit zur Organspende zu tun."
Laut "Süddeutscher Zeitung" war der im Transplantationsskandal von Regensburg beschuldigte Oberarzt wahrscheinlich kein Einzeltäter an der dortigen Uniklinik. Bayerns Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) hatte am Donnerstag gesagt, die Manipulationen der Daten von mehr als 20 Patienten, die in Regensburg in den Jahren 2004 bis 2006 vorgenommen wurden, "scheinen von dem Arzt veranlasst worden zu sein, der 2008 nach Göttingen wechselte". Doch auch nach dem Weggang des Oberarztes, der von 2003 bis 2008 in Regensburg gearbeitet hat, sei die Zahl der Lebertransplantationen in Regensburg noch einmal drastisch gestiegen, berichtete die Zeitung.
Die Zahl habe sich binnen Jahresfrist um mehr als 40 Prozent von 48 Transplantationen im Jahr 2008 auf 69 im Jahr 2009 erhöht. Eine solche Steigerung gelte als ungewöhnlich, zumal selbst die größten deutschen Transplantationszentren nur rund 100 Lebern pro Jahr transplantierten, schreibt das Blatt. Noch dazu sei in Regensburg gerade erst die Zahl der Lebertransplantationen von 10 im Jahr 2003 auf knapp 50 gesteigert worden. Dies werde zum Teil auf die unlauteren Methoden des verdächtigen Oberarztes zurückgeführt.