Die Bayern haben sich etwas schwer getan, Wolfsburg zum Titel zu gratulieren. In München richtet man die Blicke lieber schon in die Zukunft: Mit Trainer Louis van Gaal soll der Erfolg zurückkehren. Ds wichtigste Objekt der Begierde heißt Mario Gomez.

Bald Teamkollegen? Mario Gomez hält nach dem letzten Sasionspiel in München einen Plausch mit Miro Klose
Gönnerhaft gratulierte der entthronte FC Bayern den Wolfsburgern zum Titel - mit Neu-Trainer Louis van Gaal und Toren des heiß umworbenen Mario Gomez soll die Meisterschale aber 2010 wieder in München sein. Platz zwei war ausnahmsweise okay für die "ewige" Nummer 1, aber mit den durch das 2:1 (1:0) im Endspiel gegen den VfB Stuttgart gesicherten Champions-League-Millionen will der deutsche Rekord-Champion auf große Shopping-Tour gehen. Für Wunschspieler Gomez stellte Uli Hoeneß dabei am Sonntag sogar die Rekordsumme von 30 Millionen Euro plus x in Aussicht. "Wir werden uns um ihn bemühen", sagte der Manager im Deutschen Sportfernsehen und fügte mit breitem Grinsen vielsagend hinzu: "Wir werden nächste Woche Gespräche führen. Ich bin da relativ optimistisch."
Noch eine Saison ohne Trophäe wie im Jahr des gescheiterten Klinsmann-Experimentes wollen die Bosse sich und den Fans nicht antun. "Nächstes Jahr wollen wir wieder Titel feiern", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. "Wir müssen nicht jedes Jahr deutscher Meister werden. Wir waren es 21 Mal, der VfL Wolfsburg ist es zum ersten Mal geworden. Das ist kein Beinbruch für uns."
Die unterlegenen Stuttgarter waren auch ohne Happy End auf dem Platz in allerbester Partylaune. "Für uns ist diese Niederlage sehr schön, denn wir haben die Qualifikation zur Champions League erreicht. Das ist mehr als wir wollten", schwärmte Nationalspieler Gomez, der im Ribéry-Trikot den Rasen verließ, nach seinem wohl letzten Spiel und Tor für den VfB. "Ich werde mir ganz genau überlegen, was jetzt passiert", sagte der 23-Jährige. Es sei klar, "dass Vereine um Mario buhlen werden", meinte VfB-Manager Horst Heldt unaufgeregt zum Werben um den besten Mann der Schwaben, der bis 2012 unter Vertrag steht, aber zumindest eine Ausstiegsklausel für einen ausländischen Club besitzt.
Während die Stuttgarter bis August um die Champions-League- Millionen zittern müssen, wollen die Münchner mit voller Kasse und dem Holländer van Gaal die Machtverhältnisse im deutschen Fußball wiederherstellen. "Wenn der FC Bayern an 34 Spieltagen nicht einmal Erster ist, dann stimmt etwas nicht", klagte Hoeneß.
Zwei Tore von Khalid Boulahrouz (16./Eigentor) und Mark van Bommel (60.), der "Buhmann" Jens Lehmann zur Freude der Münchner Anhänger beim 2:0 tunnelte, durfte der Manager bei seinem letzten Spiel auf der Bayern-Bank bejubeln. Lukas Podolski wurde im Abschiedsspiel ein reguläres Tor geklaut (63.). Der 24. Saisontreffer von Gomez (63.) änderte nichts mehr. "Wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen", bilanzierte Hoeneß nach einer turbulenten Saison.
Auch ohne das erhoffte Titelwunder am letzten Spieltag durften sich die Trainer Jupp Heynckes und Markus Babbel als große Gewinner feiern lassen. "Ich habe meine Mission erfüllt", stellte Trainer- Veteran Heynckes nach seinem Vier-Wochen-Einsatz als Nachfolger von Jürgen Klinsmann stolz fest. 13 von 15 möglichen Punkten sammelte der 64-Jährige in fünf Spielen. "Wenn man das hochrechnet auf die gesamte Saison...", ereiferte sich Hoeneß - über 80 Punkte hätten die Bayern geholt. "Unendlich dankbar" sei er seinem "Freund Jupp", betonte der Manager: "Er hat einen tollen Job gemacht."
Jedenfalls einen erfolgreicheren als Klinsmann. "Die letzten fünf Spiele haben gezeigt, dass in der Mannschaft viel mehr drinsteckt, als sie über die gesamte Saison gezeigt hat", resümierte Heynckes, der seine Trainerlaufbahn nun endgültig beenden möchte. Am Anfang einer womöglich großen Karriere steht dagegen der 36 Jahre junge Babbel, der als Nachfolger von Armin Veh die Schwaben auch ohne Trainerlizenz in sechs Monaten von Platz elf nach oben führte: "Als Dritter Feierabend zu machen, ist sensationell", jubelte Babbel.
Bei den Bayern kam der Trainerwechsel nur noch rechtzeitig, um dem Alptraum Europa League zu entgehen. Nun wird die Kaderplanung mit Hochdruck vorangetrieben. "Da wird einiges passieren", versprach Hoeneß. Um Franck Ribéry soll eine Top-Elf gebaut werden, denn das "Ja" zu einem Wechsel werde der Franzose "von uns nicht bekommen", wie Rummenigge versicherte. Es sei "nicht so schwer", Ribéry zu halten, behauptete Hoeneß: "Er hat noch zwei Jahre Vertrag ohne jegliche Ausstiegsklausel." Im Tor und auf der Außenverteidiger-Position besteht bei den Bayern ebenfalls Handlungsbedarf.