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Serie Teil 1: Einleitung: Faszination Europa

Nach zwei Weltkriegen schien ein vereintes Europa unvorstellbar. Doch die Utopie wurde Wirklichkeit. 15 Jahre nach dem Mauerfall folgen nun die Länder des Ostens. Es könnte der Beginn eines modernen Märchens werden.

Es wird ein Tag sein, wie ihn der alte Kontinent noch nicht erlebt hat. Ein historischer Tag, an dem weder Mauern einstürzen noch Kriege zu Ende gehen, ein Tag vielmehr, an dem gegen 17 Uhr eine Schar von Kindern aufmarschiert. Sie kommen aus 25 Nationen, tragen jeweils ihre Landestracht und singen gemeinsam Ludwig van Beethovens "Ode an die Freude" - die Europa-Hymne.

Zu der Zeremonie am 1. Mai in der Dubliner Residenz der irischen Präsidentin werden sich Staatsoberhäupter aus 25 Ländern versammeln - unter einer Flagge, dem blau-goldenen Sternenbanner Europas. Sobald es an diesem Samstag im Wind flattert, ist offiziell ein Ziel erreicht, an das über weite Strecken des vorigen Jahrhunderts kaum jemand mehr zu glauben wagte: die Vereinigung Europas.

Bereits in der Nacht zum 1. Mai steigt im Berliner Konzerthaus und im Warschauer Kulturpalast die Simultan-Gala "Welcome Europe" - mit Musikgrößen aus den 15 alten und den zehn neuen EU-Staaten. Höhepunkt wird die Live-Schaltung nach Malta; das kleinste Beitrittsland veranstaltet das größte Feuerwerk, untermalt von einem Soundtrack des ehemaligen Pink-Floyd-Musikers Roger Waters.

Von Rom bis Riga, von den Kanaren bis zu den Karpaten

Von Malta nach Dublin sind es gut 2500 Kilometer. Geografisch wächst Europa gewaltig, reicht nun von Rom bis Riga und von den Kanaren bis zu den Karpaten. Die Entfernung von Gibraltar an der Südspitze Spaniens bis zum finnischen Utsjoki ganz im Norden entspricht in etwa der Strecke von Boston nach San Diego quer durch die USA. Nie zuvor hat die EU einen derartigen Quantensprung gemacht, so viele Länder aufgenommen, so viele unterschiedliche Kulturen integriert und sich hinsichtlich ihrer Fläche und Bevölkerungszahl dermaßen ausgedehnt. Noch nie in der Geschichte gab es ein vereintes Europa, das so groß war, so vielfältig und so frei.

Die Dimensionen sind faszinierend: 25 Länder, 450 Millionen Einwohner (mit Bulgarien und Rumänien im Jahr 2007 sogar 27 Länder, 480 Millionen Einwohner). 21 Sprachen, mehr als 500 Minoritäten, 40 000 Kilometer Küste. Ein Kontinent der Vielfalt, von Spaniens Wüsten bis zu Skandinaviens Gletschern, von Griechenlands Olymp bis zu Irlands heiligem Berg Croagh Patrick. Von den Sanddünen der Kurischen Nehrung (Litauen) bis zum Felsen der Aphrodite (Zypern). Zwar sind die USA flächenmäßig mehr als doppelt so groß, aber in der EU leben 170 Millionen mehr Menschen. Und: Das dicht besiedelte Europa verfügt über den größten Binnenmarkt der Welt, ist Amerika schon jetzt wirtschaftlich ebenbürtig, an Exportkraft sogar deutlich voraus.

Ob Porsche oder Prada, Nokia oder Nivea - immer mehr europäische Markenprodukte sind weltweite Absatzrenner. Airbus verkauft inzwischen mehr Flugzeuge als Boeing. Touristen aus aller Welt bestaunen Europas einzigartige Altstädte. Früher gingen sie nach Amsterdam oder Venedig, inzwischen hat sich herumgesprochen, dass es in Budapest genauso schön sein kann wie in Barcelona und dass es nicht nur in Frankreich oder Deutschland wunderbare gotische Kathedralen gibt, sondern auch in Rumänien.

Noch vor 20 Jahren war es kaum möglich, von London aus in Prag anzurufen, heute sind selbst die hintersten Winkel des Baltikums erreichbar. Europa ist weltweit führend im Gebrauch und in der Herstellung von Handys. Mobilität in allen Bereichen - junge Deutsche leisten Zivildienst in der Slowakei oder studieren in Litauen; estnische Models zieren die Cover italienischer Magazine; "Wizz Air", eine neue Billiglinie aus Ungarn, fliegt demnächst westwärts zu zehn Destinationen. Und seit Jahren schon ist die Schöne Neue Welt der Hennes & Mauritz-Kette oder der Obi-Baumärkte auch tief im Osten Europas zu bestaunen.

Euroland soll Weltmacht werden

Der 1. Mai 2004 ist ein historisches Datum, doch so richtig vorwärts geht es erst danach. Das große weite Euroland soll Weltmacht werden, geopolitisch, wirtschaftlich, kulturell und womöglich auch militärisch - ein Global Player, der Schritt halten kann mit den USA und den Tiger-Ökonomien Asiens. Nicht innerhalb von Jahren, aber binnen Jahrzehnten erscheint dies machbar - eine Aufgabe für die nächsten Generationen.

In Brüssel, wo das Heer der EU-Bediensteten durch die Beitritte auf 40 000 Personen anschwillt, reichen die Pläne bereits bis 2013. Schon zuvor soll die EU nach dem Willen ihrer Grundlagenkommission zur "weltweit wettbewerbsfähigsten Wissensgesellschaft" ausgebaut werden; bereits jetzt läuft das mit Amerikas Fulbright-Stipendien vergleichbare Programm Erasmus Mundus an, das 5000 außereuropäische und 4000 europäische Elite-Studenten fördert.

Die vereinte Großmacht setzt auch nach außen ihre politischen Vorstellungen durch. Wegen Monopol-Missbrauchs geht Wettbewerbskommissar Mario Monti derzeit gegen Microsoft vor - Amerikas IT-Gigant muss in der EU wohl zwei Versionen seines Windows-Programms anbieten oder Hunderte Millionen Euro Bußgeld zahlen. Noch mehr müssen US-Firmen bluten im Zuge der aktuellen EU-Sanktionen gegen amerikanische Exportvergünstigungen, die die Welthandelsorganisation WTO für illegal erklärte.

"Riese, Zwerg und Wurm"

"Wirtschaftlich ein Riese, politisch ein Zwerg, militärisch ein Wurm" - spottete ein belgischer Minister vor 25 Jahren über Europa, doch auch auf dem alten Kontinent sind Politiker dabei, neue Strategien zu entwickeln, vor allem in Paris. "Die immerhin 60 000 Mann starke Eingreiftruppe der EU", rechnet Frankreichs Verteidigungsministerin Michele Alliot-Marie vor, "ist mit 400 Flugzeugen und 100 Schiffen binnen 60 Tagen mobilisierbar." Zusätzlich will sie 1500 Elitesoldaten aufstellen, die innerhalb von 48 Stunden am Krisenort sind. "Das", so die Ministerin, "ist einmalig auf der Welt."

Auf allzu viel Militär ist in Europa indes niemand erpicht. Nun, da der Kalte Krieg überwunden ist, beginnt im vereinten Kontinent eine neue Ära. "Eine aggressive Politik, wie die USA sie betreiben, haben wir nicht nötig", erklärt der Pariser Politologe Emmanuel Todd, Vordenker eines emanzipierten Europas. Nicht in der Hochrüstung, sondern im Warenexport liege die Zukunft, so der Autor, der mit seinem Nachruf auf die Weltmacht USA in Frankreich und Deutschland einen Bestseller landete. "Amerika hat ein Handelsdefizit von 500 Milliarden Dollar, steckt all sein Geld in einen rasend teuren Militärapparat und sucht überall Streit", sagt Todd, "Europa braucht das genaue Gegenteil, nämlich Frieden."

Ähnliche Töne am Brüsseler Boulevard Charlemagne, wo Günter Verheugen die EU-Erweiterung dirigiert. "Ab dem 1. Mai gibt es zum ersten Mal seit über 100 Jahren keine deutsche Frage mehr", sagt er sichtlich erleichtert, "vorbei die Zeit, als wir Deutschen wegen unserer Größe und der zentralen Lage entweder für uns selbst oder für unsere Nachbarn ein Problem waren." Deutsche Wiedervereinigung und europäische Integration haben sich gegenseitig begünstigt. Ohne die Einbindung in die EU hätten die Siegermächte des Zweiten Weltkriegs nicht wohlwollend zusehen können, wie der "deutsche Riese" wieder auf die Beine kam.

Und gleichzeitig beeilten sich alle Beteiligten, das Europa drumherum größer und stärker zu machen. Nun gebe es nur noch "unionsweite" Probleme, zum Beispiel die Verabschiedung einer gemeinsamen europäischen Verfassung. "Die bringen wir noch dieses Jahr durch", sagt Verheugen. Auf die Frage, worin der wichtigste Vorteil der neuen 25er-EU liege, antwortet er, ohne zu zögern: "Dass nun eine lange Zeit des Friedens vor uns liegt."

Kriege haben den Kontinent immer nur zurückgeworfen; vor 90 Jahren schlitterte er in die größte Katastrophe seiner Geschichte. "In ganz Europa gehen die Lichter aus", sagte am 3. August 1914, kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs, der britische Außenminister Edward Grey, "und wir werden nicht erleben, dass sie wieder angezündet werden." Der Hass war so groß, dass die Kriegführenden im zivilisierten Europa nicht einmal vor dem Einsatz von Giftgas zurückschreckten.

Um 1520 entstand die erste Wegkarte Europas

Bis 1914 war die Welt von London, Paris, Berlin, Budapest, Prag, Sankt Petersburg, Wien oder Madrid aus regiert worden. Jahrhundertelang hatte in diesem Kulturkreis trotz allen Zwists ein Gefühl der Zusammengehörigkeit geherrscht. Im 19. Jahrhundert konnte man ohne Pass von England bis an die russische Grenze reisen. Bereits um 1520 entstand die "Carta Itineraria Europae", die erste Wegkarte Europas. Die Idee eines politischen Verbunds erwähnt erstmals 732 eine Chronik, die die Völker nördlich der Pyrenäen und der Alpen als "europenses" bezeichnet. Und noch viel früher, lange vor Christi Geburt, gab die schöne phönizische Königstochter Europa, von Zeus in Gestalt eines Stiers nach Kreta entführt, dem Erdteil seinen Namen.

Spätestens seit der Zeit der Aufklärung denken die Gelehrten intensiv über die Einheit nach. "Mit großem Vergnügen" beobachtet Voltaire 1767, "wie sich in Europa eine große Republik der kultivierten Geister bildet"; wenig später wird Immanuel Kant zum Kronzeugen für ein friedliches "Europäisches Haus". Begeistert spricht Victor Hugo 1849 über "Die Vereinigten Staaten von Europa" - ein Slogan, den wortgleich Winston Churchill 1943 in einer Rede benützt; darin fordert der britische Premier als erster Politiker die Schaffung eines europäischen Rats, um den in Ruinen versinkenden Kontinent endlich zu befrieden.

Nach 1945 kommt es im Westen zu ehrgeizigen Vereinigungsprojekten, angefangen vom Europarat (1949). Staaten wie die Tschechoslowakei - vor dem Zweiten Weltkrieg eine der führenden Industrienationen der Welt - oder Estland, das zuvor einen höheren Lebensstandard besaß als Finnland, bleiben hinter dem Eisernen Vorhang zurück. Wohlstand erreicht am schnellsten, wer zur Wirtschaftsgemeinschaft EWG (der späteren EG und heutigen EU) gehört. Von Beginn an wird das Finanzgebaren des zunächst auf sechs Mitglieder beschränkten Klubs kritisch beäugt. Eine "Simplicissimus"-Karikatur zeigt 1962 "eine Dame namens Europa" mit üppigem Dekollete, die statt eines Hundes einen Stier an der Leine führt - im Hintergrund hecheln Männer: "Enormes Weib - aber teuer, sündhaft teuer."

Viel Platz und Bewegungsfreiheit im Europäischen Haus

Das Europäische Haus, auf ein solides Fundament und die Idee eines möglichst weitgehenden Friedens gebaut, hat seinen Preis. Es ist von vorneherein für eine große Familie ausgelegt, mit viel Platz und Bewegungsfreiheit für dazukommende Verwandte. In einem Akt der Versöhnung wird die Bundesrepublik Deutschland bereits 1951 in den Europarat aufgenommen - wenige Jahre nachdem das Nazi-Regime entsetzliches Leid über den gesamten Kontinent gebracht hatte; der Bonner Rumpfstaat zählt 1957 auch zu den sechs EWG-Gründern (mit Frankreich, Italien und den drei Benelux-Staaten). Erst 1973 treten England, Dänemark und Irland bei, 1981 Griechenland, 1986 Spanien und Portugal, 1995 Österreich, Finnland und Schweden.

Moralisches Profil gewinnt die Gemeinschaft mit der Einbeziehung schwächerer Randstaaten, etwa des armen Irland. "Das Elend", schrieb Heinrich Böll über Dublin, "hockt in den Slums um St. Patrick in manchen Winkeln noch so, wie Jonathan Swift es 1743 gesehen haben mag." Doch dem Beitritt folgte der Boom, die Arbeitslosenrate sinkt innerhalb einer Dekade von 20 auf 3,7 Prozent, die Insel exportiert plötzlich Laptops und Viagra. Heute ist das Pro-Kopf-Einkommen der Iren höher als das der Franzosen, auch ein Verdienst der EU, die dem "Keltentiger" mit 2,6 Milliarden Euro pro Jahr auf die Sprünge half.

Einen für das Prestige des neuen Europas noch bedeutsameren Aufschwung erlebt Spanien. Der stockkonservative Polizeistaat stand auch nach dem Tod des Diktators Franco im Jahr 1975 noch lange im politischen Abseits, erst im Konzert mit den nördlichen Nachbarn blühte die iberische Halbinsel zügig auf, wirtschaftlich und kulturell. "Wo immer man hinschaut", so kürzlich das US-Magazin "Time", "sei es Film, Musik, Business, Architektur, Küche oder Sport - überall gestikuliert ein Spanier."

Polen brauchen langen Atem

Vergleichbare Erfolge dürften sich in den zehn neuen EU-Ländern nicht so rasch einstellen. 56 Jahre, so das britische Fachblatt "Economist", werde es im Schnitt dauern, bis die Neulinge den Wohlstand der Altmitglieder erreichen; am schnellsten - in 21 Jahren - wird es der Prognose zufolge Zypern schaffen, Estland in 31 Jahren, am längsten - 59 Jahre - braucht voraussichtlich Polen.

Die 75 Millionen Einwohner Mitteleuropas - Osteuropa beginnt für sie erst weiter in Richtung Ural - verfügen nur über ein Viertel des Pro-Kopf-Einkommens der alten EU. In Lettland, der ärmsten Nation, haben die Menschen im Schnitt nur ein Drittel des slowenischen Einkommens. Auf dem Land herrscht überall noch viel Armut, während in den besseren Vierteln der Großstädte mit ihren niedrigen Mieten sich der Lebensstandard langsam auf das Niveau von Linz oder Leipzig einpendelt. Schon keimt so manche Hoffnung.

Wenn 2006 in der Stadt Zilina koreanische Hyundais vom Band laufen, werden die Slowaken - pro Kopf - die größten Autobauer der Welt sein. Seit Jahren schon sind die Wachstumsraten in allen Beitrittsstaaten wesentlich höher als in der übrigen EU - Spitzenreiter ist derzeit Litauen mit 6,7 Prozent.

Junge Generation voller Elan

Die aufstrebenden Nationen zwischen Ostsee und Adria haben etwas zu bieten - Musikfestivals und Modenschauen, traumhafte Sommerhauptstädte und Wintersportorte, einsame Landschaften und brodelnde Metropolen, starke Tradition und schrille Modernität, eine junge Generation voller Elan, die lieber Englisch spricht als Russisch und dem alten Kontinent frischen Wind einhauchen will.

Doch es gibt auch Probleme. Die einst von Moskauer Diktatoren unterdrückten Völker haben Angst, nun von Brüsseler Bürokraten regiert zu werden. Und umgekehrt befürchtet man zwischen Berlin und Birmingham, die zuletzt wenig rosige Wirtschaftslage werde sich durch die Konkurrenz billiger Arbeitskräfte aus dem Osten weiter verschlechtern.

Deshalb werden die Neumitglieder nur schrittweise aufgenommen. Am 1. Mai fallen die Zollschranken, Passkontrollen aber bleiben. Polen behält den Zloty, Estland die Krone. Der Euro kommt erst, wenn die alten Währungen über zwei Jahre hinweg ihren Kurs halten - das kann, schätzen Experten, bis 2011 dauern; so lange wohl müssen östlich der Oder auch Jobsucher warten, bis sie in Deutschland legal arbeiten dürfen. Frühestens 2007 sind die neuen EU-Länder voll in das Schengen-System integriert, das die Innengrenzen durchlässig macht, aber illegale Einwanderer von außen abhalten soll.

4000 Banden operieren in der EU

Die Kriminalität kann wohl kaum noch wachsen: Laut jüngstem Europol-Report über Organisiertes Verbrechen operieren in der EU bereits 4000 Banden mit insgesamt 40 000 Mitgliedern. Ihre Stunde war bereits gekommen, als der Eiserne Vorhang fiel. Da die Grenzkontrollen noch zwei Jahre bestehen bleiben, birgt die EU-Erweiterung fast mehr Chancen als Risiken, denn Europol kann in den neuen Ländern verstärkt aktiv werden.

Mitteleuropa wird eine Großbaustelle sein. Überall fehlt es an modernen Straßen und Zugverbindungen; 220 Milliarden Euro veranschlagt Brüssel für den optimalen Ausbau, darunter eine Autobahn von Danzig nach Wien. 40 Milliarden Euro verschlingt allein die EU-konforme Instandsetzung der Abwassersysteme. Viele fragen, ob das alles gut gehen kann, wo sogar in reicheren EU-Regionen große Verkehrsprojekte vor dem Bankrott stehen - so der schnelle "Eurostar", der Europas stolzeste Metropolen London und Paris verbindet.

Die schärfste Kritik an der ehrgeizigen Expansion kommt aus den USA. Im Osten, schreibt die "New York Times", stürze sich die EU in "eine Rettungsmission". Furchtbar aufwendig ist die seit 1990 zu Buche schlagende Erweiterung jedoch nicht: Insgesamt 70 Milliarden Euro kostet sie bis 2006 - jährlich nur 0,05 Prozent des EU-Sozialprodukts. Und viel Geld fließt mit den Profiten beteiligter Firmen zurück. Polen bekommt von 2004 bis 2006 im Jahr 67 Euro pro Kopf, hat die Warschauer Batory-Stiftung errechnet, Irland dagegen erhielt 2000 umgerechnet 418 Euro. Grund für den Unterschied: Die Subventionen dürfen maximal vier Prozent des Sozialprodukts betragen - für wirtschaftsschwache Länder ein echter Nachteil. "Noch im Jahr 2013", sagt Kommissar Verheugen, "werden wir für Spanier mehr pro Kopf ausgeben als für Polen."

Zeitweise 50 000 Atomwaffen aufeinander gerichtet

Wer die teure Ost-Erweiterung beklage, so Verheugen, müsse auch die regionale Stabilität bedenken, die sie mit sich bringe. Am 1. Mai werde zudem der einst so kostspielige Kalte Krieg endgültig vorbei sein. Heute unvorstellbar, dass auf dem Höhepunkt der Ost-West-Konfrontation die verfeindeten Lager zeitweise 50 000 Atomwaffen aufeinander gerichtet hatten. Schon ab dem 2. April werden im Osten auch Rumänien und Bulgarien der Nato angehören. Europa ist dann nicht nur größer, sondern auch sicherer geworden. Der Albtraum von Generationen, Krieg zwischen Nationalstaaten, scheint vorerst überwunden. Auch wenn die EU noch keine gemeinsame Außenpolitik hat. Nach wie vor wachen Soldaten aus anderen Kontinenten über den Frieden auf dem Balkan. Der aktuellen Bedrohung durch Terrorismus wollen die Staaten der Union mit verstärkter Zusammenarbeit und der Gründung einer europäischen Geheimdienstzentrale begegnen.

Die wirtschaftlichen Perspektiven sind nicht so schlecht. Der Euro, prophezeien Experten, könnte den Dollar als Leitwährung ablösen. Politologe Todd weiß auch schon, wann das passiert: "Sobald England mit seinem kapitalen Finanzplatz London zur Euro-Zone stößt."

Noch vor einer Generation war Europas Comeback undenkbar. 1988 erschien Hans Magnus Enzensbergers damals viel beachtetes Buch "Ach, Europa" mit einem Epilog aus dem Jahre 2006. Larmoyant wird da vom zukünftigen Niedergang der europäischen Zivilisation erzählt: In Prag spielen "grämliche Pianisten" in "altmodischen" Lokalen auf; in Bordeaux gibt es keinen Wein mehr, weil ein Atom-Unfall die Rebstöcke verseuchte; in Berlin haben Umweltschützer an der Mauer ein Biotop eingerichtet ("Hier gibt es Wildkaninchen"), und beim "Endspiel DDR-Bundesrepublik kommt es ohne massiven Polizeischutz jedes Mal zu Mord und Totschlag".

"Der Wagen wird rollen"

Ganz so wie der deutsche Star-Denker sich das vorgestellt hatte, ist es zum Glück nicht gekommen. Europa-Verdrossenheit, gepaart mit bissiger Satire über "das absurde Milliarden-Bridge" (Enzensberger) ist unter Intellektuellen dennoch verbreitet. Nicht bei allen freilich. "Eine herrschende Nation oder Person wird es in Europa nicht geben, trotzdem wird der Wagen rollen", prophezeit ein prominenter Literat, der bis vor kurzem Präsident der Berliner Akademie der Künste war, "denn das Erlebnis der Zusammengehörigkeit ist ansteckend." Der das sagt - und der das vorlebt - ist György Konrad, ein Ungar.

Tilman Müller / print
Wie lange ist die frist bei einer Kündigung?
Hallo Ich möchte gerne kündigen, da das Arbeitsverhältnis nicht mehr gegeben ist. Leider verstehe ich den Arbeitsvertrag nicht ganz. Auszug aus dem Vertrag: Paragraf 13 Kündigungsfristen: (1) das Arbeitsverhältnis kann beiderseitig unter Einhaltung einer frist von 6 Werktagen gekündigt werden. Nach sechsmonatiger Dauer des Arbeitsverhältnisses oder nach Übernahme aus einem Berufsausbildungsverhältnis kann beiderseitig mit einer frist von zwölf Werktagen gekündigt werde. (2) Die Kündigungsfrist für den Arbeitgeber erhöht sich, wenn das Arbeitsverhältnis in demselben Betrieb oder unternehmen 3jahre bestanden hat, auf 1 monat zum Monatsende 5jahre bestanden hat, auf 2 monate zum Monatsende 8jahre bestanden hat, auf 3 monate zum Monatsende..... (3) Kündigt der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis mit dem Arbeitnehmer, ist er bei bestehenden Schutzwürdiger Interessen befugt, den Arbeitnehmer unter fortzahlung seiner bezüge und unter Anrechnung noch bestehender Urlaubsansprüche freizustellen. Als Schutzwürdige interessen gelten zb. Der begründete Verdacht des Verstoßes gegen die Verschwiegenheitspflicht des Arbeitnehmers, ansteckende Krankheiten und der begründete verdacht einer strafbaren handlung. Ich arbeite in einem Kleinbetrieb (2mann plus chef) seid 2 jahren und 3-4Monaten. (Bau) Seid ende November bin ich krank geschrieben. Was meinem chef überhaupt nicht passt und er mich mehrfach versucht hat zu überreden arbeiten zu kommen. Da mein zeh gebrochen ist und angeschwollen sowie schmerzhaft und ich keine geschlossenen schuhe tragen kann ist arbeiten nicht möglich. Das Arbeitsverhältnis ist seid längerem angespannt vorallem mit dem Arbeitskollegen. Möchte nur noch da weg! Wie lange ist nun die frist und wie weitere vorgehen? Ich hoffe es kann mir jemand helfen.
Füllhorn Rente 63 ?
Wer 2018 NEU in den Ruhestand ging a) und die „abschlagsfreie Rente 63“ mit mindestens 45 Versicherungsjahren kassierte, erhielt im Schnitt 1265 Euro monatlich, 1429 Euro (als Mann) bzw. 1096 Euro (als Frau) RENTE. b) und wer die „normale“ Altersrente kassierte, erhielt monatlich im Schnitt 950 Euro, 1080 € (als Mann) bzw. 742 Euro (als Frau) RENTE. Nach Adam Riese bedeutet das, das erst Zeiten ab dem 18. LJ für die Rentenversicherung gewertet werden, dass männliche Nicht-Akademiker über 45 Arbeitsjahre hinweg mehr als 25 Euro monatlich pro Stunde verdient haben müssten. sprich: ab 1973 ! (zu DM-Zeiten 50 DM Stundenverdienst ! ... als Nicht-Akademiker ??) Meine Erfahrung ist, dass man mit 18 zur Armee musste und das anschließende Studium frühestens im 25 LJ beenden konnte -- also in 1981 ! (25 + 45 = 70. LJ mit Altersrente ohne Abzüge). Ergebnis: erst in 2026 könnten vergleichbare Akamdemiker (nach 45 Vers.Jahren) in VOLLE Rente gehen. PS: Nach Rechnung der „Die Linke“ bräuchte man über 37 Jahre hinweg einen Stundenverdienst von mind. 14,50 Euro (29 DM), um NICHT auf die „Grundsicherung für Altersrentner“ angewiesen zu sein; also den statistischen Wert von 800 Euro mtl. Rentenbezug zu überschreiten. Wer erkennt den Zaubertrick der „abschlagsfreien Rente 63“ ? Wer kennt den Zaubertrick, in weniger Zeit, mit weniger Ausbildung, maximale Top-Renten-Ergebnisse zu erzielen ? (welches nicht einmal die gierigsten Börsenbanker und Versicherungsmakler in einer Demokratie für realisierbar hielten) ?