Bundespräsident Horst Köhler hat 60 Jahre Bundesrepublik Deutschland als Erfolgsgeschichte gewürdigt: Die Verfassung sei ein "Leuchtfeuer der Freiheit". Dennoch feiere das Land in einer schwierigen Zeit Geburtstag. Um die Krise zu bewältigen, müssten die Menschen wie bei der Gründung des Landes enger zusammenrücken, sagte Köhler beim Staatsakt zum 60-jährigen Bestehen der Bundesrepublik.

Unterwegs zum großen Staatsakt: Bundespräsident Horst Köhler und Ehefrau Eva Luise© Fabrizio Bensch/Reuters
Bundespräsident Horst Köhler hat die Deutschen zu neuem Zusammenhalt aufgefordert. Die Bürger müssten sich wie bei der Gründung der Republik vor 60 Jahren Solidarität, Menschenwürde und Freiheit versprechen, sagte Köhler am Freitag beim Staatsakt zum 60-jährigen Bestehen der Bundesrepublik in Berlin. Er beklagte, dass die Bildungschancen von Kindern immer noch zu stark vom Geldbeutel der Eltern abhingen und die Arbeitslosigkeit im Osten immer noch höher sei als im Westen: "Wir dürfen nicht hinnehmen, dass die Teilung unseres Landes in der Arbeitslosenstatistik fortbesteht."
Köhler sagte: "Mit der Einheit ist es wie mit der Demokratie: Sie ist nie fertig." Sie müsse gelebt und erprobt werden. "Wie wäre es, wenn wir das Versprechen von vor 60 Jahren heute erneuern würden?" Es müsse an der Einheit zwischen Alt und Jung, Menschen mit und ohne Behinderung, Einheimischen und Zugewanderten, Arm und Reich gearbeitet werden: "Wir wollen eine Gesellschaft sein, die nicht wegschaut, wenn Menschen in Not sind, und die keinen zurücklässt."
Deutschland feiere Geburtstag in einer schwierigen Zeit. Die Arbeitslosigkeit werde steigen, ehe die Lage wieder besser werde. Köhler betonte: "Unsere Verfassungsordnung ist ein Leuchtfeuer der Freiheit geworden." Sie lebe aber auch von der Verantwortung. Es komme auf jeden Einzelnen an. Den Menschen müsse die Gewissheit gegeben werden, dass sie gebraucht werden.
Köhler betonte, dass er zwei große Chancen in der Krise sehe. "Wir brauchen eine neue, ökologische industrielle Revolution - überall auf der Welt", sagte er. Deutschland habe mit seinen Wissenschaftlern, Ingenieuren und Facharbeiten die besten Voraussetzungen "an einem weltweiten Wirtschaftswunder der Nachhaltigkeit" mitzuarbeiten. Zudem sollte die Krise auch die Augen für die Leistungen der Menschen öffnen, die sich um Kinder und Alte kümmerten. "Lassen Sie uns Erfüllung und Zufriedenheit auch daran messen, wie viel Mitmenschlichkeit, wie viel Zuwendung, wie viel Zusammenhalt es in unserer Gesellschaft gibt", sagte er. "Ein rein materielles 'Immer mehr' reicht nicht."
Köhler sprach vor 1400 prominenten Gästen im Berliner Konzerthaus am Gendarmenmarkt. Unter ihnen waren Bundeskanzlerin Angela Merkel, zahlreiche weitere Kabinettsmitglieder sowie die Altbundespräsidenten Walter Scheel, Richard von Weizsäcker und Roman Herzog.
Der Staatsakt fand einen Tag vor dem eigentlichen Jubiläum statt, um nicht mit der Bundespräsidentenwahl am Samstag im Reichstagsgebäude zu kollidieren. Köhler stellt sich dabei zur Wiederwahl. Neben Köhler, der von Union und FDP unterstützt wird, und Schwan stellen sich für die Linke der Schauspieler und Kabarettist Peter Sodann und für die rechtsextremen Parteien der Liedermacher Frank Rennicke zur Wahl.
Am 23. Mai 1949 war das Grundgesetz vom Parlamentarischen Rat nach neunmonatigen Beratungen feierlich verkündet werden. Damit war die Bundesrepublik gegründet.