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+++ Ukraine-Newsticker +++: Lage in Donezk eskaliert

Der Westen hält in der Krim-Krise den diplomatischen Druck auf Russland hoch. Am Abend eskaliert die Lage im ostukrainischen Donezk. Ein Rückblick auf den Tag im Newsticker.

+++ 22.45 Uhr: Bilder der Gewalt auf Twitter +++

Jetzt ist es offiziell: Bei den Zusammenstößen zwischen prorussischen und proukrainischen Demonstranten in Donezk wurde ein 22-Jähriger erstochen, 17 Menschen erlitten demnach Verletzungen. Einige Twitterer melden sogar zwei oder drei Todesopfer und 50 Verletzte. Zudem werden über den Kurznachrichtendienst zahlreiche blutige Bilder verbreitet, die die Gewalteskalation auf dem Lenin-Platz zeigen sollen. Überprüfen lässt sich das nicht.

+++ 21.04 Uhr: Todesopfer in Donezk +++

Bei Zusammenstößen zwischen prorussischen und prowestlichen Demonstranten im ostukrainischen Donezk wird ein Mensch getötet. Mehrere weitere müssen den örtlichen Gesundheitsbehörden zufolge wegen diverser Verletzungen in einem Krankenhaus behandelt werden. Insgesamt seien mehrere Hundert Demonstranten aufeinander losgegangen, heißt es. Die Polizei versuchte offenbar vergeblich, die Gruppen auseinanderzuhalten. Es ist das erste Mal, dass im Zuge der jüngsten Unruhen ein Todesopfer außerhalb der Hauptstadt Kiew gemeldet wird. Dem New-York-Times-Reporter Andrew Roth zufolge handelt es sich um einen 22-Jährigen. Todesursache sollen Messerstiche sein.

+++ 20.36 Uhr: Moskau akzeptiert OSZE-Beobachter +++

Russland akzeptiert nach Angaben der OSZE erstmals offiziell eine Entsendung von Beobachtern der internationalen Sicherheitsorganisation. Moskau habe zugestimmt, dass rasch ein Team in die Ukraine und auch auf die Krim geschickt werde, teilt der Schweizer Botschafter bei der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, Thomas Greminger, nach einem OSZE-Treffen in Wien mit. Dies sei eindeutig eine neue, positive Entwicklung, die es zu nutzen gelte. Die Schweiz hält derzeit den OSZE-Vorsitz und hatte die Entsendung eines rund 100-köpfigen Beobachter-Teams in die Ukraine vorgeschlagen. Ein solcher Einsatz bedarf der Zustimmung aller 57 OSZE-Mitgliedsstaaten - also auch Russlands.

+++ 20.23 Uhr: Ukrainischer Kommandeur will Anweisungen +++

Der Kommandeur des Militärflughafens Belbek auf der Krim fordert von Kiew dringend Handlungsanweisungen. Er müsse wissen, was er tun solle, wenn seine Soldaten oder ihre Familien von den russischen Belagerern "bedroht" würden, sagt Julij Mamtschur in einem Video, das im ukrainischen Fernsehen gesendet wird. Falls von der Zentralregierung keine Anweisungen kämen, sehe er sich gezwungen, dem Status der ukrainischen Streitkräfte entsprechend zu handeln und also auch "zu schießen, falls erforderlich". Die ukrainischen Krim-Stützpunkte werden seit mehr als einer Woche von russischen Einheiten belagert. Nach Aussage von Mamtschur könnten seine Einheiten den zahlenmäßig und waffentechnisch überlegenen Russen "nicht lange widerstehen". Dennoch seien sie "bereit, ihre Aufgabe bis zum Ende zu erfüllen". Kiew zufolge hat das Verteidigungsministerium Mamtschur versichert, dass "Dringlichkeitsmaßnahmen" getroffen worden seien, um die Ukrainer auf der Krim zu unterstützen.

+++ 19.27 Uhr: Russland soll Flugzeug beschossen haben +++

Kiew wirft Moskau den Beschuss eines Aufklärungsflugzeug über der Krim vor. Das Feuer sei von einem Panzerwagen aus eröffnet worden, heißt es in einer Erklärung. Der Vorfall habe sich in der Nähe der Meeresenge ereignet, die das ukrainische Festland von der Halbinsel trennt. Es sei der zweite derartige Beschuss innerhalb von fünf Tagen gewesen. Ob es Schäden an der Maschine gibt, erklärt die Regierung nicht.

+++ 19.24 Uhr: Altkanzler Kohl fordert Mittelweg +++

Helmut Kohl ruft zu mehr Besonnenheit in der Krim-Krise auf. "Es wird Zeit, dass wir an den Verhandlungstisch zurückkehren und dass wir die Realitäten anerkennen", sagt der Altkanzler nach Angaben seines Berliner Büros bei einem Treffen mit dem stellvertretenden serbischen Regierungschef Aleksandar Vucic. Es gehe um gegenseitiges Verständnis für die Sorgen und Nöte der jeweils anderen Seite.

"Die Zukunft der Ukraine wird nicht über Nacht entschieden werden können, und das ukrainische Volk muss seinen Weg mit und nicht gegen Russland finden", so der 83-Jährige nach Mitteilung seines Büros. "Der Westen kann dabei Hilfe zur Selbsthilfe leisten und muss aber zugleich anerkennen, dass die Ukraine ein Sonderfall auf der Grenze zwischen Ost und West ist. Am Ende wird es für die Ukraine einen Mittelweg geben müssen. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Ukraine - mittelfristig - Mitglied der EU sein wird, ohne Mitglied in der Nato zu sein."

+++ 17.52 Uhr: Steinmeiers Hoffnung schwindet +++

Außenminister Frank-Walter Steinmeier sieht vor dem Krim-Referendum kaum noch Hoffnung auf eine diplomatische Lösung des Konflikts mit Moskau. Das Treffen der Außenminister der USA und Russlands morgen in London nennt er den "vermutlich letzten Versuch". "Aber mit dem, was sich jetzt am Boden tut, darf man im Augenblick keine großen Hoffnungen haben, dass sich noch vor dem Sonntag Entscheidendes bewegt."

Steinmeier bekräftigt nach einem Treffen mit seinen Kollegen aus Ungarn, Polen, Tschechien und der Slowakei in Budapest, dass die EU bereits an Wirtschaftssanktionen gegen Russland arbeitet. "Wenn die Situation sich so weiterentwickelt, dass erkennbar wird, dass Russlands Interesse über die Krim hinaus geht, wird unvereinbar noch eine dritte Stufe von Maßnahmen erforderlich sein."

+++ 17.20 Uhr: Kerry droht "ernste Schritte" an +++

US-Außenminister Kerry droht Russland im Falle einer Annektierung der Krim mit schweren Konsequenzen. Es würde am Montag "eine sehr ernsthafte Reihe von Schritten" seitens der USA und der EU folgen, sollte Moskau ein Referendum zum Beitritt der Krim zu Russland akzeptieren, warnt Kerry bei einer Anhörung im Kongress in Washington. Er hoffe, dass "die Vernunft obsiegen wird". Die USA hätten "eine sehr klare Liste" der Leute, die beim Scheitern der Diplomatie mit Sanktionen belegt werden könnten.

+++ 16.32 Uhr: 20.000 russische Soldaten auf der Krim? +++

Russland hat nach den Worten von US-Außenminister John Kerry 20.000 Soldaten auf der ukranischen Halbinsel Krim stationiert. Es habe aber seine Kräfte nicht an den Orten, wo sie gebraucht würden, um die gesamte Ukraine zu einzunehmen.

+++ 15.44 Uhr: Gabriel droht mit harten Sanktionen +++

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hält bei einer weiteren Eskalation der Ukraine-Krise harte Wirtschaftssanktionen gegen Russland für unausweichlich. "Es muss eine klare Antwort des Westens geben", sagt der SPD-Vorsitzende. Deutschland habe zwar kein Interesse daran haben, dass es zu einer Sanktionsspirale mit Russland komme. "Auf der anderen Seite kann der Westen nicht tatenlos zusehen." Im Falle von Wirtschaftssanktionen könnte der Öl- und Gasbereich aber ausgeklammert werden, fügt Gabriel hinzu. Deutschland bezieht rund ein Drittel seiner Gaseinfuhren aus Russland.

+++ 15.27 Uhr: Kiew schätzt Bankenvermögen auf der Krim auf 1,5 Milliarden Euro +++

Die ukrainische Regierung schätzt das Bankenvermögen auf der Halbinsel Krim auf umgerechnet gut 1,5 Milliarden Euro. Im Falle einer Annexion der ukrainischen Halbinsel durch Russland könne ein Betrag von 20 bis 22 Milliarden Hryvnia (1,5 bis 1,7 Milliarden Euro) "verloren gehen", sagte der Gouverneur der ukrainischen Zentralbank, Stepan Kubiw, vor Journalisten in Kiew. Dies entspreche den Guthaben und offenen Zahlungsverpflichtungen bei den gut tausend Bankfilialen auf der Krim.

+++ 15.07 Uhr: Ukraine will Nationalgarde mit 60.000 Mann aufbauen +++

Vor dem Hintergrund des Konfliktes mit Russland hat die Ukraine den Aufbau einer Nationalgarde mit bis zu 60.000 Mann beschlossen. Einstimmig billigte das Parlament in Kiew den Aufbau der Garde. Die Garde soll sich vor allem aus Freiwilligen der so genannten Selbstverteidigungsgruppen vom Maidan, dem zentralen Platz der Proteste in Kiew, zusammensetzen. Sie solle "die Sicherheit des Staates garantieren, die Grenzen verteidigen und Terrorgruppen ausschalten", sagte der Chef des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrats, Andrij Parubij.

+++ 15.05 Uhr: Russland verlegt Kampfflugzeuge nach Weißrussland +++

Mitten in der Krim-Krise hat Russland sechs Kampfflugzeuge vom Typ Suchoi Su-27 und drei Militärtransporter in das autoritär regierte Weißrussland verlegt. Die Maschinen seien auf dem Stützpunkt Mogiljow östlich der Hauptstadt Minsk gelandet, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Die Kampfjets sollen Aufgaben der Aufklärung und Verteidigung erfüllen. Der weißrussische Staatschef Alexander Lukaschenko hatte Russland die Stationierung angeboten. Die "Bruderstaaten" sollten im Ukraine-Konflikt mit dem Westen "angemessen" auf die Verlegung von US-Jets nach Polen und ins Baltikum reagieren, sagte er. Weißrussland grenzt sowohl an Russland als auch an die Ukraine.

+++ 13.54 Uhr: EU-Parlament fordert Rückzug russischer Truppen aus Ukraine +++

Das EU-Parlament hat den sofortigen Rückzug aller russischer Streitkräfte aus der Ukraine gefordert. Die Volksvertretung verurteilte mit scharfen Worten die "Aggression Russlands in Form der Invasion der Krim". Das am Sonntag geplante Referendum auf der Krim über den Beitritt zu Russland sei "illegitim und rechtswidrig" und stehe "im Widerspruch zur Verfassung der Ukraine und zum Völkerrecht", hieß es in einer fraktionsübergreifenden Entschließung, die das Parlament in Straßburg verabschiedete. Die Parlamentarier befürworteten einhellig die Beschlüsse der EU-Regierungen, bei einer Eskalation weitere Sanktionen gegen Russland zu verhängen.

+++ 13.45 Uhr: Putin weist Verantwortung für Krim-Krise zurück +++

Kremlchef Wladimir Putin hat jede Verantwortung Russlands für die Krise im Nachbarland Ukraine erneut zurückgewiesen. "Ich möchte versichern, dass Russland jene Umstände nicht initiiert hat, mit denen wir heute konfrontiert sind", sagte er am Rande der Paralympics in Sotschi. Bei einem Empfang dankte Putin den Sportfunktionären mehrerer Länder, dass ihre Mannschaften an den Wettkämpfen teilnehmen. Er sei froh, dass Politik und Boykott bei den Paralympics keine Rolle gespielt hätten, sagte der Staatschef der Agentur Interfax zufolge. Der Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS), Friedhelm Julius Beucher, hatte als einer von fünf Verbandschefs das Treffen mit Putin abgelehnt. Beucher begründete sein Fernbleiben mit "Herrn Putins Säbelrasseln auf der Krim".

+++ 12.19 Uhr: Prorussischer Ex-Krim-Präsident will Amt zurück +++

Gut zweieinhalb Jahre nach seiner Verbannung ist der prorussische Ex-Präsident der Krim pünktlich zum Russland-Referendum auf die Halbinsel zurückgekehrt. Er sei bereit, sein früheres Amt wieder zu übernehmen, sagt Juri Meschkow in der Hauptstadt Simferopol. Er hatte im Juli 2011 zu einer Volksbefragung aufgerufen wie sie nun am Sonntag stattfindet. Daraufhin verhängte ein ukrainisches Gericht ein fünfjähriges Einreiseverbot wegen "separatistischer Umtriebe". Meschkow ruft die Bürger auf, für einen Beitritt zu Russland zu stimmen. "Das ist ein Feiertag der Befreiung, ein Feiertag der Rückkehr zu unserem Volk", sagt Meschkow der Agentur Interfax. "Wir sind nur noch einen Schritt von Russland entfernt", so der 68-Jährige.

+++ 11.48 Uhr: OECD stoppt Verhandlungen mit Russland +++

Die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) stoppt die Verhandlungen mit Russland über einen Beitritt. Die Mitglieder hätten sich darauf verständigt, stattdessen die Zusammenarbeit mit der Ukraine zu verstärken, teilt die Organisation in Paris mit. Ziel sei es, dem Land bei der Bewältigung der politischen Herausforderungen zu helfen. Die Aufnahmegespräche mit Russland waren 2007 beschlossen worden.

+++ 11.44 Uhr: Russland droht mit Sanktionen +++

Russland reagiert auf Sanktionsankündigungen und droht dem Westen ebenfalls mit Sanktionen. Sollten die USA und die Europäische Union Strafmaßnahmen verhängen, wird die Regierung in Moskau nach Angaben des Wirtschaftsministeriums mit ähnlichen Schritten reagieren. Man hoffe aber, dass es nur zu politischen Strafmaßnahmen komme und wirtschaftliche Sanktionen vermieden werden könnten.

+++ 11.00 Uhr: Russland hält Manöver nahe ukrainischer Grenze ab +++

Kurz vor dem umstrittenen Referendum auf der ukrainischen Halbinsel Krim verstärkt Russland nach eigenen Angaben die Militärübungen an der Grenze zur Ukraine. Panzer-, Artillerie- und Infanterieeinheiten in den an die Ukraine angrenzenden Regionen Rostow, Belgorod und Kursk verstärkten ihre Geländeübungen, erklärte das Verteidigungsministerium in Moskau. Ziel sei eine "Überprüfung des Zusammenhalts der Truppen" sowie eine Simulation "von Einsätzen in unbekanntem Gebiet und auf noch nicht getesteten Schießplätzen". Die Übungen sollten bis Ende März andauern, erklärte das Ministerium, es machte aber keine Angaben zur Zahl der beteiligten Soldaten. Derweil starteten 4000 Fallschirmjäger in der Region Rostow ein groß angelegtes Manöver. Das russische Staatsfernsehen zeigte hunderte landende Fallschirmjäger.

+++ 10.28 Uhr: Gazprom soll Ölförderung übernehmen +++

Russische Energiekonzerne wie Gazprom sollen nach den Worten des Präsidenten des Regional-Parlaments der Krim die Öl- und Gasförderung auf der Halbinsel übernehmen. "Das sind unsere Ölfelder, und wir werden für sie kämpfen", zitiert die russische Nachrichtenagentur RIA Parlamentspräsident Wladimir Konstantinow.

+++ 09.47 Uhr: Gysi bezeichnet Regierung als "Völkerrechtsverletzer" +++

Oppositionsführer Gregor Gysi (Die Linke) hat die Regierung im Bundestag für ihr Vorgehen in der Ukraine-Krise stark kritisiert. "Völkerrechtsverletzer werfen jetzt Völkerrechtsverletzern vor, das Völkerrecht zu verletzen", sagte Gysi in Richtung der EU. Sicherheit in Europa könne es nicht gegen Russland, sondern nur mit Russland geben.

Gysi kritisierte besonders den Umgang mit rechten Kräften in der ukrainischen Regierung scharf. Dort seien zahlreiche "Faschisten" vertreten, erklärte er. Die USA, die EU und die Bundesregierung hätten die Übergangsregierung trotzdem sofort anerkannt. "Zumindest die Bundesregierung hätte hier eine Grenze ziehen müssen - schon aufgrund unserer Geschichte", mahnte er. Es gebe Übergriffe auf Juden und Linke in der Ukraine. "Gegen all das sagen Sie nichts. Mit diesen Swoboda-Leuten reden Sie. Ich finde das einen Skandal."

Die rechtspopulistische Partei Swoboda (Freiheit) ist in der ukrainischen Regierung vertreten. Die ultranationalistische Gruppe Rechter Sektor (Prawy Sektor) gilt als militanter Kern der Proteste gegen den entmachteten Präsidenten Viktor Janukowitsch.

+++ 09.30 Uhr: Merkel bezeichnet Vergleich mit Kosovo als "beschämend" +++

Einen Vergleich zwischen der Krim und der abgefallenen früheren serbischen Provinz Kosovo, wie er in der aktuellen Diskussion auftauche, wies Merkel als "beschämend" zurück. Die Situation damals im Kosovo sei in keiner Weise mit der heutigen Lage in der Ukraine vergleichbar.

+++ 09.26 Uhr: Merkel kündigt weitere Sanktionen gegen Russland an +++

Merkel kündigt an, es werde in Kürze weitere Sanktionen gegen Russland geben, wenn "Russland unverändert nicht bereit ist, auf den rechten Weg zurückzukehren". Es müsse in den kommenden Tagen zu Verhandlungen kommen, die auch zu Ergebnissen führen, forderte die Bundeskanzlerin. Werde dies nicht erfüllt, werde die EU am nächsten Montag Maßnahmen beschließen. Dazu gehörten Einreise- und Kontensperrungen. Für die Ukraine solle rasch wirtschaftliche Unterstützung in Kooperation mit dem Internationalen Währungsfonds in die Wege geleitet werden.

Das Vorgehen der EU in der Ukraine-Krise sei ein Dreiklang aus Gesprächen, Hilfen und Sanktionen. Eine Kontaktgruppe zwischen Moskau und Kiew soll für einen politisch-diplomatischen Weg aus der Krise sorgen. Man müsse mit "Prinzipien und Mitteln unserer Zeit, des 21. Jahrhunderts", für eine Lösung sorgen, sagte Merkel.

+++ 09.16 Uhr: Merkel: "Militärisches Vorgehen ist keine Option für uns"

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat in einer Regierungserklärung im Bundestag in Berlin militärisches Eingreifen in der Ukraine ausgeschlossen. "Militärisches Vorgehen ist keine Option für uns", sagte sie, betonte aber auch, dass das Vorgehen Russlands auf der Krim ein "Bruch des Völkerrechts mitten in Europa" sei, "nach dem wir nicht zur Tagesordnung übergehen dürfen". Merkel warf der russischen Regierung von Präsident Wladimir Putin vor, man nutze die schwäche der Ukraine aus. "Das ist Handeln nach den Mustern des 19. und 20. Jahrhunderts, im 21. Jahrhundert. Niemand kann sich im 21. Jahrhundert darauf beschränken, nur seine eigenen Belange im Blick zu haben." Die territoriale Integrität der Ukraine stehe nicht zur Disposition, sagte Merkel. "Das Recht des Stärkeren wird gegen die Stärke des Rechts gestellt, einseitige geopolitische Interessen über Verständigung und Kooperation."

+++ 08.39 Uhr: Mehrheit der Deutschen lehnt Wirtschaftssanktionen gegen Russland ab +++

Die Mehrheit der Deutschen lehnt einem Bericht zufolge Wirtschaftssanktionen gegen Russland ab. Wie das "Handelsblatt" unter Berufung auf eine Umfrage des Instituts Forsa berichtete, sind 69 Prozent der Befragten der Meinung, dass Sanktionen nichts an der derzeitigen Lage ändern würden. 24 Prozent der Deutschen glaubten dagegen, Sanktionen könnten helfen, die Krise beizulegen. Wie die Umfrage weiter ergab, befürchten 64 Prozent der Befragten, dass der Konflikt zwischen Moskau und Kiew negative Auswirkungen auf Deutschland haben könnte. Demnach ist außerdem mehr als die Hälfte der Deutschen (57 Prozent) der Meinung, dass die entmachtete Führung von Präsident Viktor Janukowitsch die Verantwortung für die blutige Eskalation der Krise trägt.

+++ 6.40 Uhr: Gibt es einen "hässlichen Deal"? +++

Der Ukraine-Experte Alander Motyl von der Rutgers University in Newark bei New York kann sich vorstellen, dass die Krim-Krise letztlich durch "hässlichen Deal" gelöst wird. Danach würde die Krim an Russland gehen, Putin würde im Gegenzug die Regierung in Kiew und die Ukraine in den dann bestehenden Grenzen anerkennen. Laut Motyl würde der Westen dies öffentlich niemal anerkennen, zähneknirschend jedoch letztlich hinnehmen - gegen unbedingte Auflagen. Zwar ist ein derartiger "Appeasement-Ansatz" nicht in der scharfen Rhetorik von Kanzlerin Merkel und US-Präsident Obama zu erkennen. Genauso wenig ist aber in irgendeinem maßgeblichen Land ein Wille auszumachen, einen Krim-Krieg gegen die russische Atommacht zu führen.

+++ 5.00 Uhr: "Ukraine muss frei ihren Weg wählen können" +++

Die Ukraine muss frei und selbstbestimmt ihren Weg aus der aktuellen Krise wählen können, betont Kanzlerin Merkel. "Die territoriale Unversehrtheit eines Landes ist zu achten. Grenzen dürfen nicht einseitig verändert werden", so die Regierungschefin gegenüber der "Passauer Neuen Presse". Merkel setzt trotz der anhaltenden Differenzen weiter auf eine diplomatische Lösung. Sollte sich Russland nicht bewegen, werde die EU aber einen vereibarten Stufen-Plan mit Sanktionen umsetzen.

+++ 6.48 Uhr: Merkel gibt Regierungserklärung ab +++

Bundeskanzlerin Merkel wird sich in einer Regierungserklärung im Bundestag ausführlich zur Ukraine-Krise äußern, die sie als "sehr ernst" einschätzt. Das Vorgehen Russlands auf der Krim hält sie für einen Verstoß gegen das Völkerrecht.

+++ 4.04 Uhr: Obama sagt Ukraine Unterstützung zu +++

US-Präsident Obama sichert dem ukrainischen Regierungschef Jazenjuk bei einem Empfang im Weißen Haus seine Unterstützung zu. Der russische Militäreinsatz auf der ukrainischen Halbinsel verletze internationales Recht und werde seinen "Preis" haben, so Obama. Zugleich drückt er die Hoffnung aus, dass die diplomatischen Bemühungen Moskau dazu bewegen, das geplante Referendum auf der Krim zu "überdenken". Jazenjuk erklärt, die Ukraine werde sich beim Kampf um die Einheit ihres Staatsgebiets "niemals ergeben".

+++ 2.00 Uhr: Merkel glaubt nicht an Gas-Engpass +++

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) befürchtet keine Probleme bei der Gasversorgung in Deutschland. "Wir beziehen 35 Prozent unseres Gases aus Russland, das ist keine Abhängigkeit", wird sie in der "Passauer Neuen Presse" zitiert. Trotz der gegenwärtigen Krise erwartet die Kanzlerin keine Liefer-Einschränkungen vonseiten Russlands. "Es wurden Verträge abgeschlossen, teilweise sehr langfristig - und bisher hat Russland immer geliefert." Selbst in Zeiten des Kalten Krieges sei Russland stets "ein stabiler Lieferant" gewesen. Der Staat habe da schließlich ein "eigenes wirtschaftliches Interesse".

0.13 Uhr: Westen will UN-Resolution zur Krim +++

Die Westmächte planen nach Angaben von Diplomaten, eine Resolution zu dem für Sonntag geplanten Referendum auf der Krim in den UN-Sicherheitsrat einzubringen. Darin soll unter anderem die Illegalität der Volksabstimmung festgestellt werden. Es gilt zwar als sicher, dass Russland sein Veto einlegt. Ziel ist aber, China zu einer Enthaltung zu bewegen und Moskau damit weiter zu isolieren. Eine Dringlichkeitssitzung des Sicherheitsrats könnte demnach am Sonntag oder Montag stattfinden.

mad/dho/nck/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters