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Presseschau: "Keine Politik kann vor Fanatikern schützen"

In der britischen Hauptstadt wurden nahezu gleichzeitig vier Terroranschläge verübt. Wie die Tagespresse die Ereignisse in London kommentiert.

"The Times"(London)

"Das Ausbleiben terroristischer Zwischenfälle in Großbritannien seit 2001 hat verständlicherweise dazu geführt, dass eine neue Balance zwischen dem Kampf gegen den Terrorismus auf der einen Seite und den Rechten der Bürger auf der anderen Seite gefordert wird. Es ist wichtig, dass die Zivilrechte nicht in einem Sturmlauf drakonischer Gesetzgebung niedergetrampelt werden. Es muss aber auch eingeräumt werden, dass neue rechtliche Befugnisse notwendig werden können, um den Terrorismus zu bekämpfen und dass sie nicht nur jene treffen, die terroristischer Sympathien verdächtigt werden, sondern die Öffentlichkeit im allgemeinen. Minister sollten nicht mit ungebührlicher Hast nach dem Gesetzbuch greifen, aber die Bürger müssen auch begreifen, dass die Sicherheitslage heute alles andere als normal ist."

"Het Laatste Nieuws" (Brüssel)

"Das Schlimmste ist vorbei, sagte der Mann von der Börse. Das war mitten am Nachmittag. Rund sechs Stunden zuvor hatten Bomben Metrozüge und Busse im Herzen der Londoner City, dem finanziellen Zentrum Europas, aufgerissen. Menschen waren gestorben, verwundet. Die Börse erlebte eine kleine Havarie, aber die dauerte nicht lange und von den Verlusten blieb kaum etwas übrig. Das ist die Sättigung der Angst, sagte der Börsenmann. Man gewöhnt sich also an alles, selbst an Bomben. Aber an den Terror darf man sich nie gewöhnen, an das Leid von Menschen darf man sich nie gewöhnen, nicht in einer zivilisierten Gesellschaft."

"Nepszabadsag" (Budapast)

"Nach Madrid haben sie (die Terroristen) uns erneut in Bewusstsein gerufen, dass der Kampf gegen den globalen Terrorismus noch weit entfernt ist vom Sieg. ... Wenn er aber jetzt tatsächlich "wirksamer" werden sollte, müssen wir dann nicht noch mehr als bisher um unsere Freiheitsrechte fürchten? Werden wir wirklich gezwungen sein, immer mehr Geld, menschliche Kraft, vielleicht aber auch Rechte und Bewegungsfreiheit auf dem Altar der Sicherheit (das heißt: der Angst) zu opfern?"

"Il Messaggero" (Rom)

"Mit feuchten Augen, die Stimme voller Schmerz und Wut: Die Rede, die gestern live und nur wenige Stunden nach den Anschlägen von London aus Schottland im Fernsehen übertragen wurde, war vielleicht die schwerste und am wenigsten verführerische in der langen politischen Karriere des britischen Premierministers. Indem er ohne jede Form der Rhetorik auskam, hat Blair es geschafft, die richtigen Sätze für ein Land zu finden, das nach den Explosionen in seiner Hauptstadt tief erschüttert war. Eine kurze Rede, die von einem authentischen Staatsmann gehalten wurde und an die Botschaften erinnerte, die große Führer in den wichtigsten Momenten der britischen Vergangenheit an die Nation gerichtet hatten. So wählte Winston Churchill im Mai 1940 ähnliche Worte, als er erläuterte, was im Kampf gegen den Nationalsozialismus auf dem Spiel stand und welche Opfer erbracht werden müssten, um die Hoffnung auf einen Sieg am Leben zu erhalten."

"La Croix" (Paris)

"Keine Politik, auch wenn sie noch so sehr die Sicherheit betont, kann vor Fanatikern schützen, die zu allem bereit sind und auch ihr Leben geben. Es bleibt den bedrohten Ländern nichts anderes übrig, als gemeinsam dagegen Front zu machen. Auf dem G8-Gipfel haben sie schon Geschlossenheit und Eingigkeit demonstriert. Sie müssen alles ablehnen, was die Terroristen mit einer Religion oder Kultur in einen Topf wirft. Vor allem aber gilt es, Ungleichheit und Ungerechtigkeit - Nährböden jedes Extremismus - abzubauen. Zählen können müssen sie auch auf den Mut der Völker, die der Bedrohung gelassen die Stirn bieten."

"Svenska Dagbladet" (Stockholm)

"Wie viele Tote es gegeben hat, ist eine lebenswichtige Frage für alle, die sich in London befinden oder Freunde und Angehörige vor Ort haben. In anderer Weise aber spielt es keine so große Rolle, wie viele Menschen betroffen sind. Wenn sich Angriffe gegen den Massentransport richten, ist das Ziel Massenmord an Unschuldigen. In welchem Ausmaß es von den Terroristen erreicht wird, ändert nichts an der Natur ihres Handelns. Sie ist genauso grauenhaft wie am 11. September. ... In gewisser Weise sind die Spekulationen über denkbare Täter sinnlos. Operativ spielt es natürlich eine große Rolle, welche Organisation hinter dem Terror steht. In moralischer Hinsicht aber macht das keinen Unterschied. Terrorismus darf sich niemals lohnen."

"Iswestija" (Moskau)

"Der Terrorismus greift die Zivilisation und deren Symbole, Kultur, Werte und Institutionen an. In Momenten wie diesen fühlt sich Russland so stark wie nie zuvor als Teil der westlichen Zivilisation. Der globale Terrorismus bleibt anonym, selbst wenn sich jemand zu einem Terrorakt bekennt. Wer es letztlich getan hat, ist gar nicht so wichtig. Denn es geht um einen weltweiten Krieg der Barbarei gegen die Zivilisation. Dieser Krieg setzt sich jeden Tag, jede Minute und jede Sekunde fort. Die Apokalypse ist nebenan."

"Tribune de Genève" (Genf)

"Die Attentate bestätigen auch das Scheitern im Irak. Als sie sich in Bagdad einrichteten, gaben die Amerikaner und die Briten vor, zur Sicherheit der Welt beizutragen. Die Welt ist nicht sicherer. Sie ist es weniger als jemals zuvor."

"La Repubblica" (Rom)

"Im selben Land, wo die Großen der Welt den G8 eröffneten, im selben London, das das "Zentrum der Welt" 2005 geworden war, hat der Terrorismus gestern seinen Krieg geführt - indem er die Metros angriff, die Züge in den Tunneln verbrannte, Dutzende Menschen durch Bomben tötete, bis die ganze Stadt im Terror zum Erliegen kam und sich der Alarm auf ganz Europa ausbreitete. Einerseits waren da die Führer der großen Länder, die sich um einen plötzlich um Jahre gealterten (britischen Premierminister Tony) Blair vereinten ... - und die die symbolische und politische Zielscheibe der Bomben waren. Auf der anderen Seite Kriegsszenen im friedlichen Umfeld unserer alten europäischen Städte, die seit 60 Jahren daran gewöhnt sind, ohne Konflikte im eigenen Land zu leben: Krankenwagen, Sirenen, Polizisten und Soldaten, Blut. Wieder erinnert uns der Tod - wie bereits in Madrid ... - daran, dass wir mitten an der Front stehen, während wir noch glauben, im Frieden zu leben.

"Le Soir" (Brüssel)

"Ohne in einem apokalyptischen Szenario des Kriegs der Zivilisationen oder der Dogmen zu versinken, muss man der Entschlossenheit (der Terroristen) weiterhin mit Entschlossenheit entgegentreten. Diese Haltung ist notwendigerweise mit einer Mobilisierung über nationale Grenzen hinweg verbunden, die über unsere Kirchturm-Querelen und unsere regelmäßigen Wortergüsse hinausragt."

"Le Figaro" (Paris)

"Vielleicht finden die auf dem G8-Gipfel versammelten Großen dieser Welt jetzt den Weg zu dem, was vorrangig ist. Zunächst einmal ist es wichtig, die oftmals fruchtlosen Querelen einzustellen und den Solidaritätsbekundungen einen greifbaren Inhalt zu geben. Mit ihren Bemühungen, die Armut in Afrika zu verringern und das Überleben des Planeten zu sichern, sind sie auf einem guten Weg. Auch der Kampf gegen den Terrorismus und seine tief liegenden Wurzeln erfordert es, jenseits aller Divergenzen zu einem wirklichen Dialog unter Partnern zu kommen. Denn sonst werden wir angesichts der blinden Gewalt gegen unsere Hauptstädte lange nur Wut und Ohnmacht empfinden können."

"Neue Zürcher Zeitung" (Zürich)

"Wenn es stimmt, dass die Serie von blutigen Anschlägen in London von einer Terrororganisation vorbereitet und ausgeführt worden ist, dann steckt dahinter ein ebenso diabolisches wie raffiniertes Timing. ... Dennoch sind verantwortungsbewusste Regierungen verpflichtet, alle im Rahmen eines Rechtsstaates möglichen Anstrengungen zu unternehmen, um das Terrorrisiko zu reduzieren. Zu diesem Kampf gehören auch politische, wirtschaftliche und soziale Konzepte, die darauf abzielen, den Nährboden für terroristische Rattenfänger und Verführer wirkungsvoll auszutrocknen."

"Nesawissimaja Gaseta" (Moskau)

"Die Explosionen in London sind zu einem zweiten 11. September (2001 - Anschläge in New York und Washington) für die Welt geworden. Die G8-Staaten müssen einsehen, dass der Sieg über den Terrorismus noch fern ist. Man muss nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten den globalen Kampf gegen den Terrorismus untereinander abstimmen. Denn London ist nach New York und Moskau die dritte Hauptstadt eines G8-Landes, die von den blutigen Attacken des unsichtbaren Feindes heimgesucht worden ist."

"The Guardian" (London)

"Mit Recht hat Premierminister Tony Blair betont, dass unsere Entschlossenheit zur Verteidigung unserer Werte und unseres Lebensstils felsenfest sein muss. Dies bedeutet Unnachgiebigkeit im Angesicht der direkten Bedrohung durch den teroristischen Feind. Es bedeutet polizeiliche Ermittlungen und langfristige Aufklärungsarbeit. Es beinhaltet auch, dass man versucht zu verstehen, was Menschen zu solch grässlichen und abgrundtief üblen Aktionen treibt und dass man nicht nur die Sicherheit verstärken will, um Wiederholungen zu vermeiden. Zugleich müssen wir absolut an all den Werten festhalten, die eine offene Gesellschaft so lebenswert machen, einschließlich Toleranz und Bürgerrechten."

"Daily Express" (London)

"Man muss kein Labour-Anhänger sein, um das Geschick und die Autorität anzuerkennen, mit denen Blair auf die Anschläge reagierte. ... Jetzt beginnt wohl eine Zeit, in der das britische Volk, das sich nicht so leicht reizen lässt, militanter auftritt, um die Grundsätze seiner Gesellschaft zu verteidigen. Es wird dabei weniger bereit sein, jenen nachzugeben, die diese Werte nicht akzeptieren. Mr. Blair kann gut mit dem Problem umgehen, wie man von einigen ethnischen Minderheiten mehr verlangen kann und ihnen gleichzeitig versichert, dass sie geschätzt und respektiert werden. ... Vor den Terroranschlägen hat wohl so mancher Brite die Tage gezählt, bis Blair abtritt. Er hat viele vor den Kopf gestoßen mit seinen Entscheidungen, vom Irak-Krieg bis zu Steuern und höheren Gebühren. ... Er hat es sicher nicht so gewünscht, aber im Augenblick erlebt Blair seine zweiten Flitterwochen. Und wenn sie andauern, wird er vielleicht seinen Wunsch ändern, nach dieser Legislaturperiode von der politischen Bühne abzutreten."

"De Standaard" (Brüssel)

"Viele bekannte - mutmaßliche - Terroristen in Großbritannien sind Algerier oder Marokkaner. Anfang der 90er Jahre warf die französische Justiz den Briten vor, dass sie Algeriern, die den Franzosen zufolge in Terroranschläge verwickelt waren, allzu leichtfertig Asyl gewährten. ... Wegen der großen Anwesenheit von Algeriern wurde London damals "Londonistan" genannt. Aber die Geheimdienste gehen immer mehr von der Möglichkeit eines Anschlags durch im Land aufgewachsene Terroristen aus: Junge Männer aus der eingewanderten islamischen Gemeinschaft, die in Großbritannien geboren und erzogen worden sind."

"ABC" (Madrid)

"Die von El Kaida geförderten Attentate islamistischer Terroristen in London sind der Beweis dafür, dass die Demokratien von einem geduldigen und unerbittlichen Feind bedroht sind, der entschlossen ist, sein Ziel zu erreichen. Nach New York, Washington und Madrid steht nun London auf der Liste jener Städte, die Opfer eines Fanatismus geworden sind, dessen Absicht es ist, die westlichen Demokratien zu zerstören. Gleichzeitig will er jeden Keim von Freiheit in der muslimischen Welt vernichten."

"Die Presse" (Wien)

"Hysterie und panische Scharfmacherei wären ... die falschen Reaktionen. Europa muss seine Werte schützen, es darf im Kampf gegen den Terrorismus seine Grundrechte nicht aushöhlen. Denn genau das wäre ganz im Sinne der fanatischen Dschihadisten, weil sich der Westen damit schwächen würde. Andererseits muss spätestens seit den Madrider Anschlägen am 11. März 2004 jedem Europäer klar sein, dass die als Toleranz getarnte Gleichgültigkeit gegenüber radikalen Islamisten zwischen Stockholm und Rom nun endgültig der Vergangenheit angehören muss. Zu lange konnten Islamisten, die von undemokratischen Gottesstaaten träumen, auf dem Alten Kontinent völlig ungehindert ihr Unwesen treiben. Gerade auch in London."

"Salzburger Nachrichten" (Salzburg)

"Tatsächlich haben die radikalen Islamisten Europa zu einem Zentrum ihres "Kampfes" gemacht. Zum einen, weil unser Kontinent viel näher an den Ursprungsorten der islamistischen Ideologie liegt als Amerika. Zum anderen, weil die europäischen Länder selbst eine große islamische Gemeinde haben, in der die Extremisten die an den Rand Gedrängten für ihre "Sache" mobilisieren und indoktrinieren können. ... Dieser Terror bleibt eine Bedrohung, auch wenn der Hydra von El Kaida inzwischen der Kopf abgeschlagen worden ist. Die "Dezentralisierung" macht diesen Terror noch unberechenbarer. In aller Schärfe wird Europäern und Amerikanern klar gemacht, wie notwendig eine gemeinsame Strategie gegen den Terror ist. Risse in den Reihen der westlichen Demokratien nützen nur den Feinden der Freiheit."

"Rzeczpospolita" (Warschau)

"Ein professionelles Schutzsystem ist nicht alles. "Wir lassen nicht zu, dass Gewalt unsere Gesellschaft und unsere Werte verändert", schrieben die G8-Führer in einer Sondererklärung. ... Und doch gab Spanien im vergangenen März (mit dem Truppenrückzug aus dem Irak) der terroristischen Erpressung nach. Die Entschlossenheit der europäischen Gesellschaften ist nicht sicher, weil sich Europa in einer Krise der Werte befindet. Sicher ist nur, dass die Europäer um jeden Preis ihren Wohlstand erhalten und ihre Ruhe haben wollen. ... "Unsere Werte" bedeutet oft genug "unser Wohlstand" und "unsere Bequemlichkeit". Mit einer solchen Moral kann es schwer sein, sowohl den Ursachen als auch den Ergebnissen des Terrorismus zu begegnen. Es muss jedoch genügend Kraft und Glauben gefunden werden, um diese Herausforderung anzunehmen."

"Frankfurter Allgemeine Zeitung"

Es ist der Zynismus des Zufalls, dass die Stadt, die am Tag zuvor noch über den Erfolg ihrer Olympia-Bewerbung jubelte, jetzt vom Entsetzlichen getroffen wurde und Trauer tragen muss. Ein Zufall ist es aber keineswegs, dass London zum Ziel eines Terrorangriffes wurde. In der Vielvölkerstadt haben nicht nur internationale Banken und Konzerne ihren Sitz, dort haben auch fast alle radikalen islamischen Gruppierungen der Welt eine Vertretung, zum großen Teil ganz offiziell, obwohl es in vielen Fällen kaum zu übersehende Verbindungen zur Terrorszene im "größeren Mittleren Osten" gibt. Weil Blairs Britannien der engste Verbündete Amerikas im Irak ist, stand London seit langem weit oben auf der Liste der von islamistischem Terror bedrohten Städte.

"Landeszeitung" (Lüneburg)

Die Strategie der gotteslästerlichen Gotteskrieger zielt auf größtmögliche Medienwirkung ab. Die Anschläge von London sollten Bushs treuen Vasallen Tony Blair treffen, den G-8-Mächtigen ihre Ohnmacht demonstrieren und Angst in der künftigen Olympiastadt verbreiten. Fragwürdig ist, ob Kriege gegen Staaten das richtige Mittel sind, um Terror zu bekämpfen. Polizeiliche Mittel scheinen angebrachter zu sein. Die Islamisten wollten die "Kreuzfahrerstaaten" einschüchtern, die sich im Irak und in Afghanistan militärisch engagieren. Damit rückt auch Deutschland ein Jahr vor der Fußball-WM ins Visier der Mörder. Wegducken vor der Gewalt wäre Verrat an den Werten der Demokratie. Der Kampf gegen den Terror ist schwer zu gewinnen, muss aber dennoch geführt werden. Allerdings anders als bisher.

"Nordbayerischer Kurier" (Bayreuth)

Der fragilen Architektur westlicher Industriegesellschaften fügen Terrorschläge wie der in London erheblichen Schaden zu. Da sind vor allem die Opfer und ihre Angehörigen, die von einer Sekunde zur nächsten mit Angst, Schrecken und schlimmstenfalls mit dem Tod konfrontiert werden. Nein, Demokratien sind islamistischen oder anderen Gewalttätern nicht wehrlos ausgeliefert. Doch der Preis, den der Terror immer wieder einfordert, ist erschreckend hoch.

"Ostsee-Zeitung" (Rostock)

Gerade die uns so vertrauten Freiheiten des vereinten Europas sind es, die diesen Verbrechern zu Gute kommen: Reisen über offene Grenzen hinweg und der weitgehende Wegfall des Visazwangs. Den Mördern von London und Madrid geht es nicht nur um Widerstand gegen den US- amerikanischen Einfluss in der Welt. Es geht ihnen nicht allein darum, die islamische Welt und deren Heiligtümer von den "neuen Kreuzrittern" zu befreien. Was sie antreibt, ist Hass - Hass auf die technologische, wirtschaftliche und soziale Überlegenheit sowie die demokratischen Freiheiten des Westens. Die Werte und Ideale unserer Welt sind nicht die ihren, in den Augen der Fundamentalisten sind sie Teufels Werk. Sie zu untergraben, ist das eigentliche Ziel fanatischer Islamisten. Lähmende Angst und Unfreiheit - das wissen sie - gefährden die demokratische Substanz unserer Gesellschaft. Darum muss sie wehrhaft sein, ohne sich selbst im Kampf gegen den Terror zu zerstören.

"Stuttgarter Zeitung"

Wer wie so viele Politiker in Washington und auch in London nur in militärischen Kategorien denkt, der wird jetzt nach noch größeren Militäretats, nach noch mehr Soldaten rufen. Aber diese nutzen nichts. Und es bringt auch nichts, Israel nachzuahmen und Mauern zu bauen, um sich von der Außenwelt abzuschließen. Der Westen lebt von seiner Offenheit und seiner Freiheit. Wenn die Terroristen es erreichten, dass der Westen seine Liberalität aufgäbe und in Ängsten versänke, hätten sie ihren Krieg gewonnen.

"Heilbronner Stimme"

Dies ist kein "Kampf der Kulturen". Es sind Fanatiker, die sich religiös bemänteln und dem westlichen Wertesystem den Krieg erklärt haben. Sie werden leider noch immer von islamischen Hasspredigern gedeckt, denen in Europa nach wie vor mit naiver Toleranz begegnet wird. Die Wurzeln der Gewalt und des Geldes reichen dabei in den Iran und nach Saudi-Arabien, dessen Herrscherhaus inzwischen selbst Ziel der islamistischen Hydra ist. Hier muss der Anti-Terror-Kampf verstärkt ansetzen. Lippenbekenntnisse, dort wie hier, schützen die Menschen nicht.

"Süddeutsche Zeitung" (München)

Die zornigen Islamisten rekrutieren ihre Attentäter, weil sie ihnen ein würdigeres und erfülltes Leben verheißen können. Warum berauschen sich so viele Muslime an den Niederlagen und Schwächen der westlichen, wohlhabenden, vorwiegend christlichen Welt? Weil sie ein tiefes Gefühl der Minderwertigkeit, der Benachteiligung, der Würdelosigkeit empfinden. Umgekehrt verspüren sie keine Empörung über die Selbstmordattentate gegen Glaubensbrüder im Irak. Diese Toten erzeugen keine Emotion, sie taugen nicht als Symbol für neue Würde und Hoffnung. Anders die Attentate gegen die Besatzer in Bagdad, die Pendler in Madrid oder die U-Bahnfahrer in London: Diese Taten wecken billige Hoffnung, sie kanalisieren Wut, sie geben Zusammenhalt, das Gefühl von Stärke. Von dieser Wut kann sich der Islam nur selbst befreien: durch Bildung, durch Aufklärung, durch Modernisierung, durch Ächtung der Gewalt. Der G-8-Club der Globalisierer wurde an diesem Donnerstag daran erinnert, dass er eine gewaltige politische Aufgabe zu erfüllen hat. Bisher sprachen die Acht und ihre Verbündeten in der Anti-Terror-Politik nicht mit einer Stimme. Die Erfahrung von Gleneagles hat sie hoffentlich eines Besseren belehrt.

"Märkische Allgemeine" (Potsdam)

Anders als vor 16 Monaten in Madrid gab es gestern auf den meisten Finanzmärkten nur kurze, wenn auch heftige Reaktionen. Es war die Stunde der Gewinnmitnahmen und der Spekulanten, die schnell alles losschlugen, doch schon am Abend hatte der Deutsche Aktienindex fast die Hälfte seiner Verluste wieder wettgemacht. Auf den Aktienmärkten werden Zukunftserwartungen gehandelt. Und so ist es kein Wunder, dass auch das kühl schlagende Herz des Kapitalismus, die Börse, nervös pumpt, wenn es Terroristen gelingt, in einer europäischen Metropole Bomben zu zünden. Ob Versicherungen, Reiseveranstalter oder Fluggesellschaften - es gibt viele Branchen, deren Geschäftserwartungen durch Terror mehr oder weniger direkt beeinflussbar sind. Unternehmen brauchen Sicherheit und Stabilität, sonst wagen sie nicht zu investieren. Dass die Börsen gestern vergleichsweise moderat reagierten, ist insofern nicht zynisch, sondern ein Zeichen dafür, dass es Terroristen nicht so leicht gelingt, die westliche Welt aus den Angeln zu heben.

"Mindener Tageblatt"

Die Wahrheit ist: im Kampf gegen den Terror wird und kann es absolute, hundertprozentige Sicherheit nicht geben. Vielleicht für ein paar mit gigantischem Aufwand hermetisch abgeschottete Staats- und Regierungschefs auf einem abgelegenen schottischen Schloss. Ganz sicher aber nicht für offene Millionen-Metropolen mit ihren gewaltigen Nahverkehrssystemen, auch nicht für Großereignisse wie den baldigen Weltjugendtag oder die ins Haus stehende Fußball-WM. Das heißt nicht, dass den Kampf gegen den Terror zu führen sinnlos ist. Es heißt auch nicht, sich mit ihm abzufinden. Im Gegenteil. Doch es gilt sich einzugestehen, dass dieser Kampf kompliziert und langwierig sein wird, auch innere Gefährdungen für die bedrohten offenen Gesellschaften birgt. Gestern in London starben einmal mehr Menschen als Opfer einer wahnhaften Ideologie. Der Kampf der Vernunft gegen den Wahn war aber noch immer der schwerste in der Geschichte der Menschheit - und er wird es bleiben.

"Eßlinger Zeitung"

Dass nun allseits Forderungen zur verstärkten internationalen Zusammenarbeit im Anti-Terror-Kampf laut werden, gehört zu den Ritualen und ist auch Ausdruck von Hilflosigkeit. Selbstverständlich muss alles Menschenmögliche unternommen werden, um Gewalttätern entgegenzutreten. Selbstverständlich muss alles getan werden, um die Wurzeln der Gewalt zu beseitigen. Das wird kein vernünftiger Mensch leugnen. Nur Illusionen sollte sich keiner machen. Terrorismus ist so alt wie die Menschheit. Menschen, die das Leben anderer oder ihr eigenes bedenkenlos zur Durchsetzung ihrer wie auch immer nebulös begründeten Ziele einsetzen, sind kaum zu stoppen. Diese Erkenntnis ist bitter, aber realistisch.

"Mannheimer Morgen"

Ohne jede Rücksicht ist erneut Trauer, Wut und Verzweiflung in völlig unbeteiligte Familien getragen worden. Es ist diese Mischung aus Hass und Gefühlskälte, die viele Menschen in tiefer Fassungslosigkeit zurücklässt. Dank moderner Kommunikationstechnik sind die Bilder des Grauens blitzschnell in alle Welt verbreitet worden. Auch deshalb wird die Gefahr, so einmal mehr die bittere Lektion, von vielen Menschen als allgegenwärtig empfunden. Und sie lässt sich niemals mit Sicherheit abwenden, wenn blindwütige, indoktrinierte und zu allem entschlossene Fanatiker, die selbst auf ihr eigenes Leben keinerlei Rücksicht nehmen, Tod und Vernichtung in die Reihen von Unbeteiligten tragen.

"Neues Deutschland" (Berlin)

Gestern hat sich abermals gezeigt, wie extrem verwundbar und hilflos zivile Gemeinschaften sind. Richtig, doch es nützt nichts, das immer und immer wieder festzuhalten. Zumindest so lange nicht, wie die Führer der westlichen Nationen und Russlands daraus immer und immer wieder nur die alten, untauglichen Schlussfolgerungen ziehen. Schlussfolgerungen, die letztlich dem Kalkül der Terroristen entsprechen. Denn sie bergen mehr Restriktionen und damit weniger Bürgerrechte, sie führen zu mehr Bespitzlung und damit zu weniger Offenheit. Sie erzeugen ein globales Klima von Misstrauen, das jede politische und kulturelle Toleranz verdächtig macht. Auf allen Seiten, in der islamischen wie der westlichen Welt. Die, die nicht in dieses grobe Schema passen, werden ohnehin kaum beachtet.

"Abendzeitung" (München)

So unfassbar die Auswirkungen der Anschläge sind, so wenig sind sie Resultat blindwütiger Raserei. Die Barbaren von heute sind präzise, geschult, und sie haben einen feinen Sinn für Symbolismus. Sie wussten, dass sich die Führer der westlichen Welt an diesem Tag in Gleneagles treffen würden. Sie wussten sicher, dass ihre Bomben zeitgleich zum Eröffnungsstatement Tony Blairs zünden würden. Dass der Sprengstoff Menschen zerfetzen würde, die sich tags zuvor noch über die Olympia-Nominierung ihrer Stadt gefreut haben, war für die Täter ein willkommener Nebeneffekt. Und mit dem Anschlag auf einen Doppeldecker-Bus verhöhnten sie auf blutige Weise ein Stück Londoner Identität und Folklore. Es gibt kein Patentrezept, keine einzig richtige Reaktion auf den Terror. Wir dürfen uns nicht von Bomben in eine Ecke treiben lassen, in der Furcht das Leben und das Denken bestimmt. Die westlichen Demokratien haben der Bedrohung nur das entgegenzusetzen: Wachsamkeit, Entschlossenheit und den Glauben an die Macht der Freiheit. Das stimmt nach New York, nach Madrid und auch nach London.

"Wiesbadener Kurier"

Denn die Botschaft der Islamisten an die Londoner und an uns alle, die wir in freien Gesellschaften leben, lautet ja: Freut euch nicht auf die Zukunft, freut euch nicht über Erfolg, Wohlstand und Freiheit, denn wir sind in der Lage, euch immer wieder zu treffen. Indem sich die Mörder auf "weiche Ziele", sprich die Zivilbevölkerung konzentrieren, schüren sie einerseits ein tiefes Angstgefühl in den westlichen Gesellschaften und unterminieren andererseits die Sicherheitskompetenz des Staates, ja führen die Hilflosigkeit im "Krieg gegen den Terror" geradezu vor.

"Kölner Stadt-Anzeiger"

Für den Terrorismus zu spät. Denn der hat sich längst verselbständigt und entwickelt ein weltweites Eigenleben. In der schamlosen Sprache des Bekennerbriefes spiegelt sich die ganze terroristische Verblendung wider: Sie nennen sich Helden, weil sie Bomben auf U-Bahn-Sitzen hinterlassen. Und sie überschätzen sich und die Wirkung ihres billigen Mordens maßlos. Denn London, diese großartige Stadt, hat Bombardements ganz anderen Ausmaßes überstanden. Die Entschlossenheit seiner Bürger hat zur Überwindung des deutschen Nationalsozialismus beigetragen. Der britische Premier Tony Blair wird sich in dieser Tradition sehen. Er fand den richtigen Ton der Entschlossenheit. Zu Recht begreift er die Anschläge als grundlegenden Angriff auf die Werte der demokratischen Gesellschaften.

"Cellesche Zeitung"

In ihrem fürchterlichen Kampf gegen die Mächtigen der Welt geht es den fundamentalistischen Terroristen um die eigene, kleine Macht: Was wären sie, wenn ihre Nachbarn ohne Angst und Schrecken an ihrer gedeihlichen Zukunft arbeiten könnten? Welche Macht hätten Hamas und Hisbollah noch, wenn die Palästinenser den Nahen Osten einträchtig mit den Israelis zur Tourismus-Oase ausbauen würden? Wer dächte noch an die IRA, wenn Protestanten und Katholiken in Nordirland gemeinsame Nachbarschaftshilfe betrieben? Was täten ETA-Aktivisten, wenn es im spanischen Baskenland kein Klima der Verunsicherung mehr gäbe? Nur in angsterfüllter Atmosphäre haben die Führer der Terroristen Macht. Der verquaste politische Theorie-Überbau der Gewalttäter ist nicht mehr als ein Feigenblatt. Und doch muss der Terror - neben allen polizeilichen Methoden, die möglich sind - auch mit politischen Mitteln bekämpft werden. Die Herausforderungen an die reichen Industriestaaten bleiben bestehen. Sie müssen gelöst werden - auch, um dem zerstörerischen Wüten fanatischer Eiferer eine positive Alternative entgegen zu setzen.

"Berliner Zeitung"

Die einzige Chance, die wir haben, ist uns von dem Schrecken, der uns ergreift, nicht bestimmen zu lassen. Innenminister Otto Schily erklärt: In Deutschland gebe es keine verstärkte Gefahrenlage. Das ist die Wahrheit. Der Anschlag in London ändert nichts daran, dass die Bundesrepublik schon lange auch eines der möglichen Ziele des Terrors ist. Die Tatsache, dass die Regierung Schröder-Fischer uns eine Teilnahme am Irak-Krieg erspart hat, ändert daran nichts. Der Terror fragt nicht nach Schuldigen. Es geht ihm nicht um Strafe. Es geht ihm um Angst und Schrecken. Ein Anschlag auf den Frankfurter Flughafen oder auf einem der zentralen Plätze Berlins wäre für den islamistischen Terrorismus ein ebenso lohnendes Ziel wie die Bomben in Madrid. Wir sind bedroht, und wir sind es jetzt nicht mehr und auch nicht weniger als wir es vor dem Londoner Anschlag waren. Wir haben allerdings das unbestimmte Gefühl, dass die Gefahr näher rückt.

"Mittelbayerische Zeitung" (Regensburg)

Die Welt ist gestern wieder ein Stück kälter geworden. Denn der Terror hat ein weiteres Mal gezeigt, dass er scheinbar ungestört zuschlagen kann, wie und wo er will. Die Mörder, eine winzige Gruppe innerhalb einer großen und friedlichen Glaubensgemeinschaft, leben unerkannt in den großen Städten. Sie verfügen allem Anschein nach über eine Logistik, in der es überhaupt nicht mehr darauf ankommt, ob ein Osama bin Laden noch am Leben oder gar am teuflischen Werk ist. Vor allem aber: Sie verfügen über keinerlei Skrupel sie greifen da an, wo sie möglichst viele Menschen töten oder verletzen können; dabei ist es ihnen vollkommen egal, ob es Männer oder Frauen sind, Kinder oder Alte.

"Rhein-Neckar-Zeitung" (Heidelberg)

Die Anschläge von London waren gegen den G-8-Gipfel gerichtet. Ein Forum, das sich endlich und ernsthaft mit einer der Hauptwurzeln des internationalen Terrorismus auseinander setzt. So gesehen macht das Wüten unter wehrlosen Menschen im Denken der Täter sogar Sinn - Wahnsinn. Die westliche Welt steht einmal mehr unter Schock. Ihre Führer geloben aufs Neue, sich der durch nichts legitimierten Gewalt nie zu beugen. Das versteht sich von selbst. Aber die Präsidenten und Premiers müssten eingestehen, dass sie ihre Nationen nie gegen terroristische Angriffe auf "weiche Ziele" U-Bahnen, öffentliche Busse, Flughäfen, Chemiefirmen schützen können. Heute dort, morgen hier. Geheimdienste mögen "Schläfer" enttarnen und in kospirativ in Terrornetze eindringen, die Sicherheitsorgane können einen Fahndungserfolg an den anderen reihen: Den finalen Ausschluss von Terror-Attacken jedoch wird und kann es nicht geben.

"Lübecker Nachrichten"

Nach New York, Bali und Madrid demonstrierten die Attentäter einmal mehr ihre zynische Mordlust. Mit Bedacht wählte man einen Zeitpunkt, an dem U-Bahn und Bus voller Menschen sind. Während auf dem G8-Gipfel nach einer besseren Weltordnung gesucht wird, wütete der Terror - eine Verhöhnung der weltweiten Anstrengungen im Kampf gegen Armut und Hunger. Nur durch ein Wunder scheint die Zahl der Opfer nicht die Dimensionen der Anschläge von Madrid oder Bali erreicht zu haben. Man wird weitere Lehren ziehen müssen aus dieser neuen Attacke. Vorerst bleibt nur die bedrückende Erkenntnis, dass der Krieg gegen den Terror noch längst nicht gewonnen ist.

"Westdeutsche Allgemeine Zeitung" (Essen)

Der Terror ist in dieser Form nicht beherrschbar. Wie sollen die Sicherheitskräfte einen möglichen, fürchterlichen Anschlag verhindern, wenn Millionen Menschen auf den Beinen sind und das Leben in einer Weltmetropole pulsiert? Wer von Fahndungs- und Aufklärungsarbeit im Vorfeld spricht, macht es sich leicht. Sie ist unabdingbar, garantiert aber nicht den erhofften Erfolg. Die Zahl der bin-Laden-Sympathisanten ist nach Auskunft von Experten für unser Empfinden unerträglich hoch. Dennoch darf es dem Rechtsstaat auf gar keinen Fall passieren, Menschen eines Glaubens unter Generalverdacht zu stellen, weil ihre Religion von Fanatikern missbraucht wird.

"Neue Presse" (Hannover)

Dass Großbritannien Ziel dieses Anschlags wurde, ist ganz sicher auch ein Racheakt an einem der engsten Verbündeten der verhassten USA: Tony Blair, der im hermetisch abgeriegelten Schottland mit den Vertretern der G-8-Staaten über das Weltklima sprechen wollte. Das ist seit gestern wieder kälter geworden. Und die G-8-Mächtigen taten das, was sie in so schweren Stunden immer tun: Sie demonstrierten Entschlossenheit, während Otto Schily in Deutschland die Parole ausgab, im Kampf gegen den Terrorismus müssten jetzt alle zusammenhalten. Das klingt im Lichte des Londoner Anschlags eher ohnmächtig. Denn keine Metropole dieser Erde kann ausreichend gegen terroristische Verbrecher geschützt werden. Vernunft gegen Wahn - ein schwerer Kampf so alt wie die Welt, aber man muss ihn führen.

"Die Welt" (Berlin)

Die Terroranschläge bringen mit tragischer Deutlichkeit den Kern des islamistischen Projekts zur Anschauung. Unter dem vorgeschützten Motiv politischer Vergeltung säen die Bomben-Mohammedaner Angst und Schrecken unter unbeteiligten Zivilisten. Sie wagen es nicht, gegen die gutbewachten militärischen Einrichtungen des Westens vorzugehen. Stattdessen greifen sie Busse und U-Bahnen, Bürohäuser und Diskotheken an, wo sie die offene Gesellschaft am empfindlichsten und am leichtesten treffen können. Das Fatale liegt darin, dass wir es mit einem Gegner zu tun haben, der die Regeln soldatischer Kriegsführung verhöhnt und sich außerhalb aller Normen des gesellschaftlichen Verkehrs bewegt.

"Sächsische Zeitung" (Dresden)

Wer sich in Deutschland auf der sicheren Seite wähnt, weil die Bundesregierung den Krieg der Briten und Amerikaner im Irak ablehnt, der macht sich etwas vor. Es hätte genauso gut eine deutsche Stadt treffen können. Es hat auch schon Bundesbürger getroffen: Allein 14 Deutsche starben beim Anschlag auf der Ferieninsel Djerba im April 2002. Al-Qaida kämpft gegen die Demokratie, die Trennung von Staat und Religion, gegen die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Es ist eine Kampfansage an alles, was den westlichen Lebensstil ausmacht.

"Badisches Tagblatt" (Baden-Baden)

Neben den aktiven Sicherheitsvorkehrungen in der westlichen Welt müssen aber auch die Anstrengungen intensiviert werden, um den Terrornetzwerken den Nachwuchs zu entziehen. Mit einem Schuldenerlass für Afrika ist das nicht getan. Vielmehr bedarf es der nachhaltigen Unterstützung im Kampf gegen Korruption und fanatische Indoktrination und das weltweit.

"Westfälischer Anzeiger" (Hamm)

New York, Madrid, London es ist die zynische Handschrift der Unmenschlichkeit, die diese Stationen eines Feldzuges grenzenloser Gewalt auf bittere Weise miteinander verbindet. Dabei haben jene, die diesen Feldzug planen und blutig umsetzen, jedem betroffenen Land und jedem Opfer einen perfiden Gedanken voraus: Für sie zählt nicht, was anderswo zählt ein Leben, am wenigsten das eigene. So werden Menschen zu Munition; eine Waffe, gegen die keine Demokratie gewappnet ist. Es läuft ein Kampf, dessen Ende unabsehbar ist, zumal gegen einen Gegner ohne Gesicht. Darum aber die Offenheit der Demokratie einem Dasein in allgegenwärtiger Angst opfern? Niemals!

"Nürnberger Nachrichten"

Ob das Bekennerschreiben echt ist, das auf islamische Terroristen verweist, lässt sich zur Stunde noch nicht sagen. Vieles spricht dafür, zeigt doch der Angriff auf London, dass dahinter dieselbe nihilistische Strategie steckt, die bereits in Madrid oder New York sichtbar geworden ist, möglichst viele Menschen in den Tod zu bomben und die Bevölkerung in Angst und Schrecken zu versetzen. Der Zeitpunkt der Anschläge war bewusst gewählt. Die Bomben gingen hoch, als sich die Staats- und Regierungschefs der wichtigsten Industriestaaten in Schottland versammelten, um darüber zu beraten, wie die Armut in Afrika effektiv bekämpft werden kann. Das verrät den Zynismus der Attentäter. Denn sicher hatten sie angenommen, mit ihrem Verbrechen das Treffen in Gleneagles zu sprengen.

"Aachener Zeitung"

London sei Ziel des Terrorismus, weil sich Großbritannien wie keine andere Macht nach den USA am Irak-Krieg beteiligt hat. Das war gestern oft zu hören und leuchtet ein. Vertiefen braucht man diese Zusammenhänge nicht. Es gibt keinen Grund, Terroristen zuzugestehen, irgendein politischer Anlass sei auch nur entfernt als Motiv für ihre Taten diskutabel. Der Krieg im Irak war ein fragwürdiges Unternehmen, die Situation dort ist nach wie vor chaotisch auch deshalb, weil die Hauptverantwortlichen des Krieges sich viel zu wenig Gedanken über die Konsequenzen ihres Tuns gemacht haben. Über all dies wird seit langem kontrovers diskutiert. Man darf aber nicht den Attentätern von gestern so weit auf den Leim gehen, dass man ihre Anschläge heranzieht, um diese Auseinandersetzung mit neuen Argumenten anzufachen. Blair ist Bushs treuer Gefolgsmann gewesen. Aber der Terror in London ist überhaupt kein Argument für oder gegen die britische Beteiligung im Irak. Solche Zusammenhänge möchten die Täter gerne herstellen. Dabei sollte sie niemand unterstützen. Für diese Verbrechen kann es keinerlei Grund geben.

"Thüringer Allgemeine" (Erfurt)

Der Jubel hallte in London noch nach, 2012 die Sportler der Welt zu den Olympischen Spielen begrüßen zu können. In Minuten erstickten ihn die Schatten von El Kaida. Ganze Serien von Anschlägen. Das ist die wohlbekannte Handschrift der islamistischen Netzwerke. Etwa 4000 Todesopfer gehen auf ihr Konto. Die Zwillingstürme in New York, überfüllte Vorortzüge in Madrid, nunmehr die Londoner U-Bahn mit täglich drei Millionen Fahrgästen sind völlig wehrlose Objekte. 400 Kilometer Gleise unter der britischen Hauptstadt lassen sich nicht rund um die Uhr schützen. Ein leichtes Spiel für jene El-Kaida- Gruppe, die in ihrem Bekennerschreiben von "heldenhaften Dschihad- Kämpfern" spricht. Feiger kann eine Verbrecherbande im Großstadtgetümmel kaum agieren.

"Augsburger Allgemeine"

Die Terroristen ermordeten und verstümmelten Christen und Moslems, Blonde und Dunkle. Das Ziel der Terroristen sind Menschen, die in geistiger Freiheit leben und die ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. Ja, es ist ein Krieg der Kulturen. Kein Krieg des Islam gegen den Westen, aber ein Krieg verblendeter Männer, die sich auf den Islam berufen, gegen freie Menschen. Darum haben die Gläubigen dieser großen Religion die Pflicht, ihre perversen Vettern aus ihrer Gemeinschaft zu vertreiben und sie zu bekämpfen. Den Kampf gegen den Terror müssen alle führen, die in Freiheit leben. Moslems gehören an die vorderste Front.

"Lausitzer Rundschau" (Cottbus)

Es ist dies die inzwischen allzu bekannte Antwort der islamistischen Fundamentalisten auf eine Welt, die nicht bereit ist, deren selbst geschriebene Gesetze zu akzeptieren. Allzu lange wurden aus ganz unterschiedlichen Gründen viel zu viele Grenzen akzeptiert, die den Menschen in vielen Staaten des Islams gesetzt wurden. All zu oft auch wurde Nachlässigkeit mit Toleranz verwechselt. Aber Gesellschaften, die Frauen eingesperrt halten in ein umfassendes System von Verboten, die keinen freien Austausch von Meinungen zulassen, in denen religiöse Eiferer anderen den Lebenswandel vorschreiben können, sind die wirkliche Quelle jener Gewalt, die in englischen U-Bahn-Tunneln ihre Opfer findet. Dies aber geht nur, wenn der Westen Verbündete sucht und findet in den islamischen Ländern, wenn er dort jene unterstützt, die um ihre Würde kämpfen und die das Leben respektieren. Nicht weniger, sondern größeres Engagement in den Ländern des Nahen Ostens ist die Antwort auf den Terror.

"Westfälische Nachrichten" (Münster)

Diese hemmungslose Aggression gegen unschuldige Menschen muss die verheerenden Bilder des Anschlages von Madrid noch vor Augen als neuerliche Kriegserklärung an, als Anschlag auf die westliche Zivilisation gewertet werden. Als Anschlag auf Freiheit, Demokratie und Wohlstand, als Strafaktion gegen die Nationen, die Krieg geführt haben gegen die diktatorischen Regime und die mörderische Unterdrückung in Afghanistan und im Irak. Das Zynische daran: Der terroristische Kampf zielte gestern auf einen G8-Gipfel, der sich um eine gerechtere Weltordnung bemüht.

"Thüringische Landeszeitung (Weimar)

Freiheit, Rechtsstaatlichkeit, Gewaltlosigkeit, Toleranz und Offenheit: Diese Werte kann jeder Mensch in allen Teilen der Erde unterschreiben. Sie sind schlüssig. Und es bedarf zu ihrer Vermittlung keiner Bevormundung, welcher Art auch immer. Alle Demokratien, alle Demokraten, aber auch alle anderen friedliebenden, zivilisierten Länder sollten ebenso den hinterhältigen wie auch den unverhohlen zynisch und ganz ungeniert in aller Öffentlichkeit agierenden Predigern von Gewalt und Krieg zeigen, dass und wie sie die genannten Werte leben und verkörpern.

"Braunschweiger Zeitung"

Gewiss, Deutschland steht derzeit nicht oben auf der Liste terroristischer Ziele. Es gibt, anders als in London, keine akuten Gefährdungshinweise. Aber dass wir bisher von solchen Anschlägen ganz verschont blieben, ist auch Ergebnis guter Ermittlungsarbeit deutscher Sicherheitsbehörden. Otto Schily warnt zu Recht vor Panik. Doch zu erhöhter Wachsamkeit besteht Anlass. Für die Politik heißt das, Schwächen in der Terrorabwehr abzustellen, etwa bei Zusammenarbeit und Datenaustausch der Behörden. Darüber ist zu reden - mit kühlem Kopf. Es wäre fatal, würde das Londoner Blutbad nun für Wahlkampfstreit instrumentalisiert.

"Weser-Kurier" (Bremen)

Al Kaida mag über 5000 Anhänger in 60 Ländern haben, doch eines ist sie keinesfalls: multikulturell. Ihr ganzer Hass richtet sich gegen jede gegenseitige Befruchtung von Kulturen, ja schon gegen deren Berührung. Darin erschöpft sich auch ihr Programm. Es enthält nichts Konstruktives außer Spinnereien von einem "islamischen Weltreich", gegründet auf Intoleranz und Frustration verelendeter Massen. Insofern ist es logisch, die schlimmsten Blutbäder in den multi-kulturellsten, offensten Städten zu verüben oder einen Gipfel zu attackieren, der Armut und Ungerechtigkeit in der Welt zumindest dämpfen will. Diese Barbarei muss genauso entschlossen bekämpft werden wie einst der nationalsozialistische Wahn.

"Schweriner Volkszeitung"

Der Beginn des Gipfels bescherte den Terroristen den perfekten Zeitpunkt. Der barbarische Anschlag erfährt so eine maximale Weltöffentlichkeit, man konnte den mächtigsten Männern der Welt demonstrieren, dass man jederzeit und überall zuschlagen kann. Trotz aller Vorahnungen waren die Anschläge doch nicht zu verhindern. Ein U-Bahnnetzwerk, das von drei Millionen Fahrgästen pro Tag benutzt wird, lässt sich nicht wirklich schützen. Zudem gehört es zum Wesen einer offenen Gesellschaft, dass sie sich Blößen geben muss. Alles andere würde heißen, dass man genau dahin rennt, wohin einen die Terroristen treiben.

"Main-Echo" (Aschaffenburg)

Die britischen Nachrichtendienste haben in der Vergangenheit eine Reihe von Anschlägen verhindern können. Am Donnerstag jedoch lautete die offizielle Sicherheitsstufe für Regierungsgebäude "Schwarz" und lag damit auf der niedrigsten Stufe seit den Anschlägen vom 9. September 2001. Offensichtlich gab es vor den Attacken keinerlei Informationen kein "Chatter" im Internet, kein auffälliges Verhalten der üblichen Verdächtigen. Das deutet darauf hin, dass die Attentäter noch gar nicht in den Gesichtskreis der Geheimdienste geraten sind. Das lässt erschauern, weil es eine Wiederholung solcher Anschläge nur um so wahrscheinlicher macht.

"Pforzheimer Zeitung"

Kein Land der Erde kann absolute Sicherheit garantieren, ohne die individuelle Freiheit seiner Bürger bis ins Unerträgliche einzuschränken. Natürlich funktionieren die Geheimdienste, wenn sich acht Staatschefs in Gleneagles in gut bewachten Hotels versammeln. Das wissen die Terroristen und schlagen dort zu, wo vor allem Großstädte am verwundbarsten sind. Zum Beispiel in den Massenverkehrsmitteln. Jeder Anschlag trifft große Teile der Weltgemeinschaft ins Mark. Ob er in Nairobi, Madrid, New York oder - wie jetzt - in London passiert. Es ist auch gleichgültig, wer sich nun zu den Anschlägen bekennen mag. Die schreckliche Botschaft der Terroristen ist eindeutig: Freiheit bleibt verwundbar.

"Nordkurier" (Neubrandenburg)

Nicht von vornherein darf unterstellt werden, dass jeder Spediteur versucht, gratis über die Piste zu kommen. Kontrolle lebt von Abschreckung, also der berechtigten Furcht davor, tatsächlich bei einer Missetat erwischt zu werden. Wenn allerdings der Eindruck entsteht, dass dieses Risiko gegen null geht, wird selbst der Ehrlichste irgendwann schwach. Deswegen ist der vom Verkehrsministerium angezettelte Streit überflüssig, ob die Zahlen des Bundesverbandes Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung nun nachvollziehbar sind oder nicht. Berlin sollte sich stattdessen für die "Amtshilfe" der Spediteure bedanken und die Kontrolleure kontrollieren.

"Flensburger Tageblatt"

Das Entsetzen über die erneuten Terroranschläge ist groß. Aber es gibt auch Hoffnung. Nichts wird die "heldenhaften Dschihad-Kämpfer", wie sich die feigen Bombenleger nennen, mehr ärgern, als dass die zivilisierte Welt vor ihnen nicht in die Knie geht. Im Gegenteil. Das Leben in London geht weiter, so wie es nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in New York und im Frühjahr vergangenen Jahres in Madrid nicht der Angst zum Opfer fiel. Der G-8-Gipfel wird fortgesetzt! Und die Olympischen Spiele 2012 finden doch in London statt!

"Badische Neueste Nachrichten" (Karlsruhe)

Zwar wird vom "Kampf gegen den Terror" gesprochen, aber längst ist klar, dass der "Kampf" wohl eher ein langes, unaufdringliches Werben und Überzeugen sein muss, ein unermüdliches Ringen um den Abbau von Ungleichheit. Mit polizeilichen Finessen und mit guter Schulung von Sicherheitskräften lassen sich Erfolge erzielen aber ein Ende des Terrors wird es erst geben, wenn in den islamischen Ländern der Nährboden für die Unzufriedenheit zerstört ist. Das ist eine Jahrhundertaufgabe.

"Darmstädter Echo"

Ungewollt verrät dieser Anschlag, der natürlich ganz konkret den gleichzeitig tagenden G8-Gipfel in Schottland im Visier hatte, was der islamistische Terror heutzutage am meisten zu fürchten hat. Denn der Kampf gegen Armut, Hunger und Krankheit in der Welt und für eine gerechtere Weltordnung, das zentrale Thema des Gipfels, ist die wahrscheinlich einzige, wirklich wirksame Waffe, dem Terror langfristig den Boden zu entziehen, aus dem er sich nährt. Freilich setzt das auch voraus, dass die Staatsmänner endlich Ernst machen mit diesen Plänen und erkennen, dass nicht der Krieg, sondern nur der Frieden die Welt in diesem Sinn verändern kann. Das Ergebnis von Gleneagles wird zeigen, ob die Spitzenpolitiker die Zeichen der Zeit auch richtig verstanden haben.

"Wilhelmshavener Zeitung"

El Kaida und Konsorten verfügen über Ressourcen, um an allen Ecken der westlichen Welt Angst und Schrecken zu verbreiten. Das sollte sich jeder ins Gedächtnis rufen, der das Prinzip der wehrhaften Demokratie belächelt. Sein Gemeinwesen in die Lage zu versetzen, sich mit Polizei und Militär zur Wehr zu setzen, ist teuer. Die Menschenleben, die der Terrorismus kostet, sind jedoch unbezahlbar.

"Neue Ruhr/Neue Rhein-Zeitung" (Essen)

Kampf gegen die "Ungläubigen", gegen die offenen Gesellschaften und deren Freiheiten. Dass es gestern Großbritannien als eine der auch in Afghanistan agierenden verhassten "Kreuzfahrernationen" traf, ist gewiss alles andere als ein Zufall. Denn zur gleichen Stunde tagten die Staats- und Regierungschefs der acht größten Industrieländer und weiterer wichtiger Länder von Brasilien bis China. Dass die Beschlüsse der G 8 gegen Hunger und Elend in der Welt mit einem Schuldenerlass für die Ärmsten der Armen nicht mehr sind als ein Tropfen auf den heißen Stein, dass die Klimaschutzziele ökonomischen Interessen der reichen Staaten immer noch untergeordnet werden - all’ diese eklatanten Versäumnisse der reichen Staaten werden durch den brutalen Anschlag grell erleuchtet. Dennoch: Auch wenn die Fortschritte für mehr Gerechtigkeit auf dieser Erde der Geschwindigkeit einer Schnecke gleichen - der menschenverachtende Terrorismus darf nicht hingenommen oder gar gerechtfertigt werden.

"Nordwest-Zeitung" (Oldenburg)

Das Angriffsziel des globalen Terrors ist die westliche Zivilisation. Wenn die sich nicht entschlossener zeigt, Hasspredigern und anderen rhetorischen Brandstiftern das Handwerk zu legen und sie schnellstens auszuweisen, darf sie sich nicht über die wachsende Zahl fanatisierter und gewaltbereiter Terror-Anhänger wundern. Ob Junge oder Alte, Frauen oder Männer, Weiße oder Farbige, Moslem oder Christ der fanatisierte Islamismus unterscheidet nicht. Das Ziel ist immer gleich: Der Tod zahlloser Unschuldiger.

"Leipziger Volkszeitung"

In Wahrheit geht es um einen Angriff auf die liberale, demokratische Gesellschaft westlicher Prägung. Es geht darum, den Fortschritt in den eigenen Ländern zu verhindern und den entwickelten Rest der Welt in das islamische Mittelalter und die Dunkelheit von Intoleranz zurückzubomben. Die Bilder von London 2005, Madrid 2004 und New York 2001 beweisen die immer wiederkehrende grausame Logik: Wahllos sollen möglichst viele Menschen getötet werden. London ist ein Schmelztiegel vieler Nationalitäten und Religionen. Selbst moslemische Glaubensbrüder unter den Opfern nehmen die von ihren Führern gehirngewaschenen Gotteskrieger billigend in Kauf.

"Oldenburgische Volkszeitung"

Wieder haben El-Kaida-Terroristen bewiesen, dass sie immer und überall die Hölle auf Erden bringen können. Obwohl gerade in London die Sicherheitskräfte schon lange auf einen Terroranschlag gefasst waren, konnten sie keine 100-prozentige Sicherheit gewährleisten. Der Grund: Es gibt sie nicht. Mit Entsetzen, geschockt von den Toten und Verletzten sowie den Verwüstungen, blicken wir auf die britische Hauptstadt, in der einen Tag zuvor noch Jubelstimmung wegen des Olympia-Zuschlags für 2012 herrschte. Der Kontrast könnte krasser kaum sein. Die Bomben in der Londoner City rücken uns deshalb verschärft ins Bewusstsein, wie zutreffend die Rede vom Zeitalter eines neuen Krieges ist, der sich rund um den Globus erstreckt. Zur Realität dieser Tragödie gehört auch, dass der Kampf der zivilisierten Welt gegen den Terror nur auf lange Sicht gewonnen werden kann.

"Südkurier" (Konstanz)

Wie in Madrid sah man auch in London einen koordinierten, zynisch geplanten Angriff auf das Nervensystem einer europäischen Großstadt. In beiden Städten verfolgten die Täter das Ziel, möglichst viele Opfer zu hinterlassen. Der Beschluss der spanischen Regierung, die Truppen aus dem Irak abzuziehen, hat die Bombenleger nicht besänftigt. Hier bestätigt sich die Erfahrung, dass sich Fanatiker nur ermutigt fühlen, wenn man ihnen nachgibt. Mehr Erfolg verspricht der Weg, den Boden auszutrocknen, auf dem der Hass gedeiht. Bomben in der afghanischen Bergwelt reichen dazu nicht aus. Wichtiger ist es, der islamischen Welt das Gefühl zu geben, dass der Westen ihre Kultur respektiert und ihre Nöte ernst nimmt. So gesehen, befasste sich der G-8- Gipfel auf der britischen Insel exakt mit dem richtigen Thema.

"Münchner Merkur"

Sage keiner, derartige Anschläge seien lediglich eine Quittung für das britische Engagement im Irak und könnten daher in Deutschland ausgeschlossen werden. Zu augenfällig ist der Zusammenhang mit dem G- 8-Gipfel in Edinburgh, der ein Treffen aller westlichen Führungsmächte plus Russland ist. Deutschland steht nicht abseits: Es bildet am Golf irakische Sicherheitskräfte aus. Und es kämpft in Afghanistan militärisch an der Seite der USA gegen islamische Glaubenskrieger, die dort einen Krieg ausweiten, der dem im Irak immer ähnlicher wird. Wenn die christlich geprägten Werte- Gemeinschaften des Westens sich dafür entscheiden, offene und tolerante Gesellschaften bleiben zu wollen, müssen sie sich auch weiterhin einen gewissen Grad an Verwundbarkeit zumuten. Das kann allerdings nur mit jener richtigen Mischung aus Wachsamkeit und Professionalität funktionieren, die Politiker wie Günther Beckstein und Otto Schily praktizieren.

"Neue Osnabrücker Zeitung"

Niemand sollte meinen, der Terror richte sich nur gegen mehr oder weniger engagierte Befürworter des Krieges. Dieser ist allenfalls Anlass für einen Kampf, der tatsächlich generell dem äußerst verletzlichen freiheitlichen westlichen Gesellschaftssystem gilt. Bedroht sind wir alle und zu jeder Zeit, entsprechend geschlossen und entschlossen muss daher die Reaktion sein. Das war die Lehre von Madrid, und das muss die Lehre von London sein. Der G-8-Gipfel ist eine neue Gelegenheit, sie zu beherzigen. Es gilt, bestehende Differenzen zu überwinden: Mit einer geschlossenen Front gegen die Terror-Pest, zugleich aber auch mit einem klaren Signal für die Beseitigung der Armut und den Schutz der Umwelt. Konsequent betrieben kann so der politisch verbrämten Gewalt der Boden entzogen werden.

"Hannoversche Allgemeine Zeitung"

Der al-Qaida-Terror stellt die gesamte Idee eines vertrauensvollen Zusammenlebens der Menschen in modernen Metropolen in Frage. Den anstehenden Kampf darf man nicht beschränken aufs Polizeiliche, Geheimdienstliche und Militärische. Gefragt ist auch eine breit angelegte politische Offensive gegenüber jenen, die Terroristen immer noch decken, ihnen intellektuell Schützenhilfe geben oder gar ihr mörderisches Tun mit religiösen Verheißungen begleiten. Wenn es etwas Tröstliches gab am gestrigen Tag, dann lag es im Zusammenrücken der gerade in Gleneagles versammelten Führer der G-8-Nationen. Je mehr die USA, die EU, Russland und Japan ihre Anstrengungen koordinieren, desto schwerer werden es die Terroristen haben. Ein gemeinsamer Feind kann manches beflügeln. Ihn als einen wirklich gemeinsamen Feind zu begreifen, ist der erste Schritt.

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