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+++ Newsticker zum Anschlag auf "Charlie Hebdo" +++: Einsatz im Wald abgebrochen - Täter weiter flüchtig

Die französische Polizei jagd mit einem Großaufgebot die schwerbewaffneten Attentäter. Es wird befürchtet, dass sie in die Wälder flüchten konnten. Die Lage im stern-Newsticker.

Zwölf Menschen wurden am Mittwoch beim Anschlag auf die Redaktion des Satiremagazins "Charlie Hebdo" getötet, elf weitere verletzt. Die Polizei nannte in der Nacht zu Donnerstag die Namen von drei Verdächtigen. Der jüngste - Hamid M. - hat sich in der Nähe der belgischen Grenze der Polizei gestellt.

Der 18-Jährige beteuert seine Unschuld und will zum Tatzeitpunkt in der Schule gewesen sein. Offenbar halten die Ermittler sein Alibi für glaubwürdig. Die Polizei fahndet nach zwei Brüdern: Chérif und Said Kouachi. Insgesamt sollen sieben Personen bereits in Polizeigewahrsam sein.

Die Lage im stern-Newsticker.

+++ 6 Uhr: Einsatz im Wald nicht erfolgreich +++

In der Nacht kommt die französische Polizei nicht voran - die Suche nach den Brüdern in einem Waldstück brechen die Einheiten am späten Donnerstagabend ab. Mehrere französische Medien berichteten, dass Polizeieinheiten in der Region bleiben sollen. Sie sollen weiter Straßen und Häuse kontrollieren.

+++ 3.49 Uhr: Guardian-Gruppe spendet "Charlie Hebdo" 128.000 Euro +++

Die britische Guardian-Mediengruppe sagt "Charlie Hebdo" ihre Hilfe zu. Wie der Chefredakteur der zu der Gruppe gehörenden Zeitung "The Guardian" auf Twitter mitteilt, sagt das Unternehmen der Zeitschrift eine Spende von 100.000 Pfund (rund 128.000 Euro) zu. Das Geld solle dazu dienen, "Charlie Hebdo" zu erhalten, so Alan Rusbridger. Zuvor hatten mehrere französische Medien ihre Hilfe versprochen.

+++ 2.21 Uhr: Britischer Geheimdienst warnt vor umfangreichen Anschlägen +++

Der Chef des britischen Inlandsgeheimdienstes MI5 warnt vor Terroranschlägen mit einer großen Opferzahl in westlichen Ländern. Eine Kerngruppe militanter Islamisten in Syrien, die dem Terrornetzwerk Al-Kaida nahestehe, plane derzeit umfangreiche "Angriffe gegen den Westen", sagt Andrew Parker vor Journalisten in London.

Besonders von Kämpfern, die aus Syrien in ihre Länder zurückkehrten und eine "verdrehte Ideologie mitbringen", gehe eine Gefahr aus, so Parker. Zwar sei der IS die derzeit offensichtlichste Bedrohung, allerdings seien auch Kämpfer, die Al-Kaida nahestünden, weiterhin eine Gefahr, sagt er.

+++ 1.47 Uhr: Gabriel ruft laut Bericht zu Großdemonstration auf +++

SPD-Chef Sigmar Gabriel ruft einem Pressebericht zufolge Parteien und Verbände zur einer gemeinsamen Großkundgebung in Berlin auf. Gabriel fordere ein "breites Bündnis", das für ein "friedliches und demokratisches Zusammenleben in Deutschland und Europa" demonstrieren solle, berichtet die "Bild"-Zeitung (Freitagausgabe) vorab. Sie beruft sich auf einen Brief des SPD-Vorsitzenden an demokratische Parteien, Arbeitgeber, Gewerkschaften, Sozialverbände, Religionsgemeinschaften und andere gesellschaftliche Gruppen. Die Schüsse der Attentäter in Paris hätten "nicht nur den direkten Opfern gegolten, sondern auch der Idee einer freien und offenen Gesellschaft", wird Gabriel zitiert.

+++ 1.13 Uhr: Mutmaßliche Attentäter von Paris standen auf US-Terrorliste +++

Die beiden mutmaßlichen Attentäter standen nach Angaben aus Washington als Verdächtige auf einer Terrorliste der USA. Ein Vertreter der Ordnungskräfte sagt der AFP, Chérif und Said Kouachi hätten "seit Jahren" auf den Überwachungslisten des Landes gestanden. Sie seien dort als Terrorverdächtige geführt worden und ihre Namen hätten auch auf der Flugverbotsliste gestanden, so der Vertreter, der anonym bleiben wollte. Damit war es den Brüdern verboten, in die USA zu fliegen.

Die "New York Times" berichtet unter Berufung auf einen US-Regierungsvertreter, dass einer der Männer, Said Kouachi, im Jahr 2011 "ein paar Monate" im Jemen verbrachte. Er habe in dem Land von Mitgliedern des dortigen Ablegers des Terrornetzwerks Al-Kaida unter anderem Schießtraining erhalten, berichtet die Zeitung.

+++ 0.31 Uhr: Schweigeminute im UN-Sicherheitsrat +++

Der UN-Sicherheitsrat würdigt die Opfer des Anschlags mit einer Schweigeminute. Der UN-Botschafter von Chile, Cristián Barros Melet, sagt, der Sicherheitsrat sei angesichts des "unerträglichen Angriffs" in "tiefer Trauer". Die Vertreter der 15 Mitglieder des UN-Gremiums erhoben sich und es wurde still im Sitzungssaal.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon ruft zur Toleranz auf und erinnert unter anderem an das Schicksal eines Polizisten, der von den Attentätern am Mittwoch regelrecht hingerichtet worden war, als er vor dem Büro von "Charlie Hebdo" verletzt auf dem Boden lag. "Er war selbst Muslim", sagt Ban vor Journalisten am UN-Sitz. Er warnt vor einem "Religionskrieg".

+++ 0.15 Uhr: "Charlie Hebdo" nennt sich "Zeitschrift der Überlebenden" +++

Das französische Satiremagazin "Charlie Hebdo" begründet, warum die verbliebene Redaktion auch nach den Mordanschlag weitermachen will. Auf der Internetseite der Zeitschrift ist eine große gezeichnete Faust zu sehen, die einen Zeichenstift umgreift. Daneben steht, die Kraft der Karikatur sei stärker als die "Barberei".

+++ 23.40 Uhr: Paris-Attentäter war zu Terror-Training im Jemen +++

Einer der beiden islamistischen Attentäter von Paris ist nach Informationen des TV-Senders CNN zum Terror-Training im Jemen gewesen. Dort habe er vor wenigen Jahren an der Ausbildung örtlicher Al-Kaida-Einheiten teilgenommen. Dies hätten französische Sicherheitskräfte ihren US-Kollegen mitgeteilt, berichtet CNN unter Berufung auf namentlich nicht genannte Quellen.

Einzelheiten wurden nicht genannt. Zugleich heißt es, auch die USA hätten die beiden Attentäter im Visier gehabt. So hätten die beiden Franzosen unter anderen auf einer No-Fly-Liste gestanden, was ihnen Flüge in den USA untersagte. Im Jemen beherrscht die Al Kaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) ganze Landstriche und verübt immer wieder schwere Anschläge, zuletzt vor allem auf die schiitischen Huthis.

+++ 23.25 Uhr: Attentäter soll eine Frau verschont haben +++

Nach Angaben der "Bild"-Zeitung soll einer der Attentäter eine Journalistin verschont haben, weil sie eine Frau ist. Die "Bild" zitiert die Überlebende folgendermaßen: "Er sagte zu mir: 'Hab keine Angst, beruhige dich. Ich werde dich nicht töten. Du bist eine Frau. Aber denke darüber nach, was du tust! Es ist nicht richtig‘". Zu seinem Bruder soll der Täter gesagt haben: "Wir erschießen keine Frauen! Das hat er drei Mal wiederholt".

+++ 23.15 Uhr: Houellebecq will islamkritischen Roman nicht mehr bewerben +++

Der französische Schriftsteller Michel Houellebecq will seinen islamkritischen Roman "Soumission" (Unterwerfung) zunächst nicht mehr bewerben. Der Autor sei tief betroffen vom Tod seines Freundes Bernard Maris, der bei dem Mordanschlag auf die Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" getötet wurde, sagt Houellebecqs Agent.

Nach Informationen des Nachrichtensenders France Info will der Schriftsteller Paris in Richtung eines geheim gehaltenen Orts verlassen.

+++ 22.45 Uhr: Suche geht in der Nacht weiter +++

Spezialeinheiten werden ihre Suche nach den mutmaßlichen Tätern in der Nacht mit Unterstützung von Hubschraubern und Wärmebildkameras fortsetzen, heißt es aus Polizeikreisen.

+++ 21.55 Uhr: Polizei zieht anscheinend aus Longpont ab +++

Wie die Zeitung "Le Figaro" meldet, ziehen die Einsatzkräfte aus Longpont ab. Sie hätten das Dorf ohne Erfolg durchsucht.

Stattdessen würde sich die Polizei nun auf die umliegenden Wälder konzentrieren. Das berichtet die "Daily Mail". Der "Forêt de Retz" misst 32.000 Hektar und ist damit etwa so groß wie Paris. Außerdem gebe es in dem Gebiet Höhlen, die nun durchsucht werden.

+++ 21 Uhr: 3,5 Millionen Tweets mit Hashtag #JeSuisCharlie +++

Der aus Solidarität mit den Opfern des Anschlags kursierende Slogan #JeSuisCharlie (Ich bin Charlie) verbreitet sich rasend schnell im Kurznachrichtendienst Twitter. Der Hashtag sei bereits in mehr als 3,5 Millionen Twitter-Nachrichten verwendet worden, teilt das Online-Portal mit. Ein Höhepunkt wurde am Mittwochabend um 21.30 Uhr erreicht, als 6500 Tweets pro Minute registriert wurden.

+++ 20 Uhr: Der Eiffelturm ist Charlie +++

Im Andenken an die Opfer des Anschlags werden die Lichter am Eiffelturm ausgeschaltet.

+++ 19.08 Uhr: Said Kouachi als einer der Angreifer erkannt +++

Laut dem französischen Innenminister Bernard Cazeneuve werden derzeit 90 Zeugen zum Tathergang befragt. Said Kouachi soll dabei anhand eines Fotos als einer der Angreifer identifiziert worden sein. Neun Personen befänden sich momentan in Untersuchungshaft.

+++ 19 Uhr: Internationale Beratungen zu Terrorgefahren in Paris +++

Am Sonntag findet in Paris ein internationales Treffen zum Kampf gegen den Terrorismus statt. US-Justizminister Eric Holder werde an den vom französischen Innenminister Bernard Cazeneuve anberaumten Gesprächen teilnehmen, verlautet es aus Regierungskreisen in Washington. Bei den Gesprächen werde es unter anderem um die Bedrohung durch ausländische Kämpfer gehen, die sich den Dschihadistengruppen in Syrien und im Irak angeschlossen haben.

+++ 18.20 Uhr: 88.000 Polizisten im Einsatz +++

Wie "Le Figaro" berichtet, sind 88.000 Sicherheitskräfte im Einsatz, um die beiden flüchtigen Tatverdächtigen zu finden. Die Zeitung beruft sich dabei auf Angaben des französischen Innenministers Bernard Cazeneuve.

Die Bewohner der Städte Longpont und Corcy, wo nach den Flüchtigen aktuell gesucht wird, verschanzen sich nach Angaben der "Le Figaro"-Reporter in ihren Häusern. Longpont sei wie ausgestorben, heißt es weiter.

+++ 17.40 Uhr: Polizei durchsucht Häuser in Corcy +++

Wie französische Medien übereinstimmend berichten, durchkämmt die Polizei in der Stadt Corcy jedes Haus. Laut der Zeitung "L'Union" wurde dort einer der mutmaßlichen Täter gesichtet. Auf Twitter zeigen Bilder, wie Polizisten die Gegend durchsuchen.

+++ 16.47 Uhr: Polizei durchkämmt Region um Crépy-en-Valois +++

Mit Hochdruck suchen die Einsatzkräfte in der Region um Crépy-en-Valois nach den beiden mutmaßlichen Attentätern. Meldungen, wonach die Brüder sich in einem Haus verschanzt hätten oder die Einsatzkräfte sie dort umstellt hätten, seien jedoch von einem Mitarbeiter des französischen Innenministeriums dementiert worden, berichtet CBS News. Die Polizei habe auch Häuser nahe dem Ort Longpont, weiter östlich in der Region durchsucht.

+++ 15.40 Uhr: Attacke auf Polizistin war womöglich Terrorakt +++

Der Angriff auf Polizisten im Süden von Paris hatte womöglich einen terroristischen Hintergrund. Die Antiterror-Abteilung der Pariser Staatsanwaltschaft ermittle zu der Tat, bei der am Morgen eine Polizistin erschossen und ein städtischer Angestellter schwer verletzt wurden. Dies sei durch den "derzeitigen Kontext" begründet, durch die schwere Bewaffnung des Täters und die Tatsache, dass Ordnungshüter Ziel der Attacke gewesen seien, teilt die Staatsanwaltschaft mit.

Einen ersichtlichen Zusammenhang zwischen dem Angriff in Montrouge und dem gegen "Charlie Hebdo" gerichteten Anschlag gebe es derzeit aber nicht, so die Staatsanwaltschaft.

+++ 15.30 Uhr: "Jyllands-Posten" publiziert Mohammed-Karikaturen nicht mehr +++

"Jyllands-Posten" will vorerst keine Mohammed-Karikaturen mehr publizieren. "Ich bekräftige mein Recht, als Chefredakteur jede Art von Zeichnungen bei Gelegenheit zu veröffentlichen - aber nicht jetzt", schreibt Chefredakteur Jörn Mikkelsen in der dänischen Tageszeitung. In der gegenwärtigen Situation halte er es für "absolut unverantwortlich", neue oder alte Mohammed-Karikaturen zu veröffentlichen. Die "Jyllands-Posten" trage Verwantwortung für sich selbst und für ihre Angestellten.

Dagegen brachten die dänischen Zeitungen "Politiken" und "Berlingske" am Donnerstag etliche einschlägige Titelseiten von "Charlie Hebdo", darunter eine, auf der zu sehen ist, wie ein Jude den Propheten Mohammed im Rollstuhl vor sich herschiebt. Die Boulevard-Zeitung "Ekstra Bladet" nannte sich ausnahmsweise "Charlie Hebdo".

"Jyllands-Posten" steht unter ständiger Bedrohung, seit sie 2005 Mohammed-Karikaturen veröffentlichte. Die dänische Polizei vereitelte mehrfach Anschläge auf das Blatt.

+++ 15.02 Uhr: Molotowcocktails und Dschihad-Flaggen im Fluchtauto +++

Die Polizei findet in dem am Mittwoch stehengelassenen Fluchtauto der mutmaßlichen Attentäter in Paris Molotowcocktails und Dschihad-Flaggen. Es gehe um etwa zehn Brandsätze und Fahnen, mit denen zum Heiligen Krieg aufgerufen werde, zitiert die französische Nachrichtenagentur AFP eine Quelle, die mit der Untersuchung vertraut ist.

+++ 14:37 Uhr: Eliteeinheiten versammeln sich im Norden +++

Auf der Jagd nach den mutmaßlichen Tätern werden in Nordostfrankreich massiv Elite-Einheiten der Polizei zusammengezogen. Der Einsatz läuft in der Nähe der Gemeinde Villers-Cotterêts, wo die zwei vermummten und bewaffneten Hauptverdächtigen am Morgen an einer Tankstelle gesichtet wurden. Nach Angaben aus Polizeikreisen werden Elite-Einheiten von Polizei (RAID) und Gendarmerie (GIGN) in die Gegend beordert. Sie sollen Überprüfungen in der Gegend vornehmen, "in der das von den beiden Verdächtigen genutzte Auto aufgegeben wurde", heißt es.

+++ 13.50 Uhr: Drei Tage Trauerbeflaggung in Deutschland +++

Bundesinnenminister Thomas de Maiziere kündigt eine bundesweite Trauerbeflaggung der obersten Bundesbehörden und anderer Einrichtungen des Bundes an. Von Donnerstag bis Samstag würden dort die Flaggen auf Halbmast gesetzt. Auch mehrere Bundesländer ordnen Trauerbeflaggung an.

+++ 13.25 Uhr: Bekannte bezweifeln Komplizenschaft von 18-Jährigem +++

Schulfreunde und Nachbarn des 18-jährigen Mourad H., nach dem die französische Polizei gefahndet hat, haben Zweifel an dessen Komplizenschaft. "Mourad ist gestern den ganzen Vormittag über in der Schule gewesen", sagt dessen Mitschüler Anis. "Es gibt jede Menge Zeugen. Ich verstehe nicht, weshalb er in Polizeigewahrsam ist." Mourad sei ein "sehr netter Junge, der mit den Fundamentalisten nichts zu tun hat", hebt sein Schulkamerad hervor. "Er ist Muslim, aber gemäßigt." Eine andere Schulfreundin berichtet, die Familienmitglieder seien zwar praktizierende Muslime, aber würden nie "so etwas" tun - auch nicht den Attentätern bei der Flucht helfen. Nachbarn der Familie äußern sich ähnlich.

H. ist der Schwager eines der beiden Hauptverdächtigen. Er hatte sich noch am Abend der Polizei in der Stadt Charleville-Mézières gestellt, nachdem sein Name in sozialen Netzwerken im Internet zirkulierte.

+++ 13.23 Uhr: "Charlie Hebdo" soll nächste Woche erscheinen +++

Die verbliebene Redaktion von "Charlie Hebdo" will trotz des Anschlags ihre Arbeit fortsetzen. "Wir werden weitermachen", sagt Autor Patrick Pelloux der Nachrichtenagentur AFP. "Wir haben uns entschieden, kommende Woche eine Ausgabe herauszugeben. Wir sind alle einverstanden." Die Mitarbeiter der Zeitung würden von zu Hause aus arbeiten, da die Redaktionsräume wegen der laufenden Ermittlungen nicht genutzt werden könnten. "Wir werden zurechtkommen." Die Zeitung werde sich nicht unterkriegen lassen.

"Das ist sehr hart, wir alle sind voller Leid, Schmerz, Angst", so Pelloux. "Aber wir machen es trotzdem, denn die Dummheit wird nicht gewinnen. Charb hat immer gesagt, dass die Zeitung erscheinen müsse, koste es, was es wolle. Unter den Opfern der Attacke sind acht Mitarbeiter der Zeitung, unter ihnen ihr langjähriger Leiter Stéphane Charbonnier - mit Künstlernamen Charb - und vier weitere Karikaturisten.

+++ 13.22 Uhr: AfD-Chef Lucke mahnt zu Besonnenheit +++

AfD-Chef Bernd Lucke bezeichnet das Attentat auf "Charlie Hebdo" als "ein abscheuliches Verbrechen". In einer Erklärung fordert er "mit allen Mitteln des Rechtsstaates" gegen "gewaltbereiten islamistischen Fundamentalismus" vorzugehen. Zugleich warnt Lucke davor, "die Gewalttat zweier Extremisten einer ganzen Religionsgemeinschaft anzulasten, deren Großteil aus friedliebenden, unbescholtenen Menschen besteht". Deswegen sei "Besonnenheit" gefragt. Ähnlich äußert sich die AfD-Kovorsitzende Frauke Petry vor Journalisten in Dresden: "Man darf die Religion Islam nicht auf eine Stufe mit Islamismus stellen."

AfD-Vize Alexander Gauland hatte zuvor Kritik auf sich gezogen, nachdem er die islamkritischen Pegida-Proteste mit Verweis auf das Attentat in Paris gerechtfertigt hatte. Der dritte AfD-Sprecher, Konrad Adam, wiederum zog eine Parallele zwischen dem Anschlag und der These vom "Kampf der Kulturen". Der Satz aus dem gleichnamigen Buch von Samuel Huntington, der Islam habe "blutige Ränder", scheine sich "als richtig zu erweisen", so Adam im "Focus".

+++ 13.09 Uhr: Le Pen bekräftigt Forderung der Todesstrafe +++

Die rechtsextreme Politikerin Marine Le Pen fordert erneut die Einführung der Todesstrafe. Die Vorsitzende der Partei Front National erinnert im TV-Sender France 2 daran, dass sie im Fall ihrer Wahl zur Staatschefin ein Referendum zu der Frage plane. Sie selbst befürworte eine Einführung der Todesstrafe, um damit "die abscheulichsten Verbrechen" ahnden zu können, sagt Le Pen. Die FN-Chefin hatte bereits gestern nach den Anschlägen auf Twitter für ein Referendum zur Todesstrafe geworben.

+++ 13.00 Uhr: Briten erhöhen Sicherheitsvorkehrungen +++

Großbritannien kündigt verstärkte Sicherheitsvorkehrungen an einigen Grenzen an. Es gebe dabei keinen Hinweis auf eine konkrete Bedrohung. Daher werde die Terrorwarnstufe nicht erhöht.

+++ 12.42 Uhr: CSU fordert Konsequenzen aus Anschlag +++

Die CSU verlangt ein schärferes Vorgehen gegen islamistischen Terror. Dazu gehörten eine intensivere Beobachtung sozialer Netzwerke und Änderungen im Strafrecht, etwa bei der Finanzierung und Werbung von terroristischen Vereinigungen, heißt es in einem auf ihrer Klausurtagung in Wildbad Kreuth verabschiedeten Positionspapier.

Der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Stephan Mayer sagte, die CSU sei außerdem der festen Überzeugung, dass das Personalausweisgesetz novelliert werden müsse, damit Terrorverdächtigen auch der Personalausweis entzogen werden könne. Außerdem solle das Staatsangehörigkeitsrecht geändert werden. Dschihadisten, die über zwei Staatsangehörigkeiten verfügen, müsse die deutsche Staatsangehörigkeit entzogen werden können. "Wichtiger denn je" sei zudem die Einführung der Vorratsdatenspeicherung, um die Kommunikationswege besser kontrollieren zu können.

+++ 12.00 Uhr Frankreich hält inne +++

Mit einer Schweigeminute wird in ganz Frankreich der Opfer des Anschlags gedacht. Landesweit halten die Menschen inne, um ihre Trauer um die zwölf am Mittwoch getöteten Menschen zum Ausdruck zu bringen. Abgehalten wird die Schweigeminute unter anderem in Behörden, Unternehmen und Schulen, Menschen versammeln sich zudem schweigend auf Plätzen und vor der Redaktion von "Charlie Hebdo" in Paris.

Frankreichs Staatschef François Hollande nimmt in der Pariser Polizeipräfektur an einer Schweigeminute teil. Auf vielen Balkons und Plätzen halten Menschen - wie bereits am Mittwoch - als Zeichen der Solidarität Schilder mit der Aufschrift "Je suis Charlie" ("Ich bin Charlie") hoch. Unterbrochen wird die Stille nur von läutenden Kirchenglocken, etwa der Glocken der Pariser Kathedrale Notre-Dame. In Frankreich gilt offizielle Staatstrauer.

+++11.49 Uhr: Verdächtige womöglich doch mit Raketenwerfer bewaffnet +++

Die mutmaßlichen Attentäter sind möglicherweise doch schwerer bewaffnet als befürchtet. Nach dem der Betreiber einer Tankstelle in Nordfrankreich die beiden Verdächtigen nach eigener Aussage "eindeutig erkannt" hat, heißt es, diese führten neben ihren Schnellfeuerwaffen vom Typ Kalaschnikow anscheinend auch Raketen-Werfer oder eine Panzerfaust mit sich. Gestern Nachmittag hatte die Polizei noch erklärt, entgegen vorheriger Angaben verfügten die Attentäter doch nicht über einen Raketenwerfer.

+++ 11.44 Uhr "Titanic"-Chef sieht Witz als Bedrohung für Fanatiker +++

Humor ist nach Ansicht des deutschen Satiremagazins "Titanic" wichtiger denn je. "Je ernster die Lage, desto wichtiger der Humor", erklärt Chefredakteur Tim Wolff auf der Internetseite des Magazins. Fanatiker, allen voran religiöse, verachteten Komik. "Sie vertreten eine todernste, einzige ewige Wahrheit, und der Witz - egal wie klug oder lustig er im Einzelfalle sein mag - bedroht diese Wahrheit", schreibt Wolf.

Der "Titanic"-Chef wendet sich in seinem Beitrag nicht speziell gegen den Islamismus, sondern gegen religiösen und weltanschaulichen Fanatismus im Allgemeinen. Nach seiner Einschätzung werden "Vertreter des heiligen Ernstes der Komik stets mit Zorn begegnen". Das sei ihr gutes Recht - "solange sie dies mit denselben Waffen wie Satiriker tun: mit Wort und Bild. Und nicht mit Maschinenpistolen".

+++ 11.28 Uhr: Maas will Spaltung der Gesellschaft nicht zulassen +++

Bundesjustizminister Heiko Maas ruft zu einer besonnenen Reaktion auf. "Freiheit und Rechtsstaatlichkeit werden wir uns von Terroristen nicht nehmen lassen", sagt er in Berlin. "Terroristischer Bedrohung werden wir entschieden, aber mit Besonnenheit und Augenmaß begegnen." Scharf attackiert der SPD-Politiker die Reaktionen einzelner Gruppen auf das Pariser Attentat. "Die Art und Weise wie Pegida, AfD und NPD versuchen, diesen Anschlag für ihre Zwecke zu instrumentalisieren, ist widerlich", rügt er. Muslime dürften nicht unter Generalverdacht gestellt werden. "Wir dürfen nicht zulassen, dass unsere Gesellschaft gespalten wird - und werden deutlich machen: Terror hat mit dem Islam nichts zu tun."

Der Vizechef der Alternative für Deutschland (AfD), Alexander Gauland, etwa hatte den Anschlag in Paris als Rechtfertigung für die Anti-Islam-Bewegung Pegida bewertet und vor einer großen Gefahr durch den Islamismus gewarnt.

+++ 11.35 Uhr: Tatverdächtige in Nordfrankreich gesichtet +++

Die Ermittler haben offenbar eine Spur der mutmaßlichen Attentäter. Die zwei des Anschlags auf "Charlie Hebdo" Verdächtigen seien in Nordfrankreich gesichtet worden, heißt es von Seiten der Ermittler. Sie seien bewaffnet und mit einem grauen Clio unterwegs gewesen. Demnach hielten sich die beiden im Département Aisne auf. Ein Tankstellenbesitzer bei dem Ort Villers-Cotterêt habe die maskierten und bewaffneten Männer eindeutig erkannt, berichten französische Medien.

+++ 11.29 Uhr: Radikale loben Anschlag +++

Der Anschlag in Paris findet unter radikalen Muslimen im Internet großen Beifall. Auf Twitter feiern Extremisten die Attentäter als Helden. "Möge Allah unsere französischen Brüder belohnen", schreibt ein Nutzer mit dem Namen "Abu Dujana". Zudem kursiert ein Youtube-Film, in dem Bilder von der Bluttat mit religiösen Sprechgesängen unterlegt sind. Dschihadisten benutzen diese Art von Musik üblicherweise für ihre Terrorvideos. Das Video ist mit dem Namen der Terrormiliz Islamischer Staat versehen.

+++ 11.26 Uhr: Frankreichs Fußballer wollen Opfer gedenken +++

Der französische Fußball will mit einer Schweigeminute bei allen Spielen dieses Wochenendes sein Mitgefühl für die Opfer des Terroranschlag zum Ausdruck bringen. Das teilt der nationale Verband auf seiner Homepage mit. Die französische Familie sichere den Familien der Opfern ihre Unterstützung zu, schreibt der Verband.

+++ 11.03 Uhr: Polizistin stirbt nach Angriff in Paris +++

Die heute morgen in der Nähe der Porte de Châtillon in Paris angeschossene Polizistin ist an ihren schweren Verletzungen gestorben. Das verlautet aus Ermittlerkreisen in der französischen Hauptstadt. Ein Unbekannter hatte auf Polizisten das Feuer eröffnet. Auch ein Mitarbeiter der Stadtreinigung wurde bei dem Angriff sehr schwer verletzt. Ein 52-Jähriger wurde festgenommen. Innenminister Bernard Cazeneuve stellte aber klar, dass der Haupttäter noch auf der Flucht sei. Die Hintergründe der Attacke sind weiter unklar.

+++ 11.00 Uhr: Schweigen für Anschlagsopfer +++

Mit Schweigeminuten wird vielerorts der Opfer des Anschläge in Paris gedacht. Im Hamburger Verlagshaus von Gruner & Jahr versammeln sich die Mitarbeiter um 11 Uhr zu einer Schweigeminute. Der Vorstandschef des Axel-Springer-Verlags, Mathias Döpfner, rief die Mitarbeiter seines Hauses ebenfalls zu einer Schweigeminute auf. Die EU-Kommission hat in allen Gebäuden für 12 Uhr eine Schweigeminute angesetzt.

+++ 10.48 Uhr: Attacken auf muslimische Einrichtungen in Frankreich +++

In mehreren Gemeinden Frankreichs hat es Attacken auf muslimische Einrichtungen gegeben. Eine Moschee im nordwestfranzösischen Mans sowie ein muslimischer Gebetsraum im südfranzösischen Port-la-Nouvelle seien in der Nacht beschossen worden, teilen die zuständigen Staatsanwaltschaften mit. Verletzt wurde demnach niemand.

+++ 10.19 Uhr: Tatverdächtige wurden überwacht +++

Die des Anschlags auf "Charlie Hebdo" verdächtigten Brüder Said und Chérif Kouachi sind nach Angaben des Pariser Innenministers Bernard Cazeneuve überwacht worden. Dabei habe es allerdings keinerlei Hinweise auf einen bevorstehenden Terrorakt gegeben, gegen die Männer habe es auch kein juristisches Verfahren gegeben, erklärt Cazeneuve im Sender Europe 1. "Wir treffen hundertprozentig Vorsichtsmaßnahmen, ein Null-Risiko gibt es aber nicht", fügt Cazeneuve an. Die derzeitige Risikolage könne auch zu anderen Gewalttaten führen, warnt der Innenminister.

+++ 10.15 Uhr: Explosion nahe Moschee in Ostfrankreich +++

In einem Restaurant nahe einer Moschee von Villefranche-sur-Saône ist es zu einer Explosion gekommen. Verletzt wurde dabei niemand, heißt es aus Justizkreisen. Ob die Explosion im Zusammenhang mit dem Anschlag vom Mittwoch steht, ist völlig unklar.

+++ 10.11 Uhr: Afghanistan und Pakistan verurteilen Anschlag +++

Die Regierungen Afghanistans und Pakistans verurteilen das Attentat auf "Charlie Hebdo". "Es gibt keine Rechtfertigung für diese brutale Tat", heißt es in einer Mitteilung des afghanischen Präsidenten Aschraf Ghani. Das pakistanische Außenministerium teilt mit: "Pakistan verurteilt Terrorismus in all seinen Formen."

+++ 10.08 Uhr: Neuer Angreifer doch noch auf der Flucht +++

Der Angreifer, der am Morgen auf mehrere Polizisten im Süden von Paris schoss, ist doch noch auf der Flucht. Das stellt Innenminister Bernard Cazeneuve am Ort der Attacke klar. Aus Polizeikreisen hieß es zuvor, ein Verdächtiger im Alter von 52 Jahren sei festgenommen worden. Die Hintergründe der Attacke sind weiter völlig unklar.

+++ 9.46 Uhr: Bosbach kritisiert Kritik an Sicherheitsmaßnahmen +++

Der CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach fordert mehr Zurückhaltung bei der Kritik an Sicherheitsmaßnahmen in Deutschland. "Ein wichtiges Ziel wäre es schon, wenn wir endlich einmal damit aufhören würden, neue Maßnahmen zur Sicherheit, zur Gefahrenabwehr, ständig zu kritisieren, als islamophob, als übertriebene Maßnahme", sagte er am Donnerstag im Inforadio des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB). Man müsse daran denken, dass in Deutschland mehrere Anschläge wegen ungeschickter Täter fehlgeschlagen seien. "Wir hatten in den letzten Jahren auch Glück", sagte Bosbach.

+++ 9.40 Uhr: Angreifer schoss Polizisten in Rücken +++

Immer mehr Einzelheiten zur Schießerei heute Morgen im Süden von Paris in der Nähe der Porte de Châtillon werden bekannt: Bei den Verletzten handele es sich um eine Polizistin und eine Mitarbeiterin der Stadtreinigung, heißt es aus Polizeikreisen. Sie seien lebensgefährlich verletzt worden. Der festgenommene Angreifer sei 52 Jahre alt. Er habe das Feuer auf Polizisten eröffnet, die zu einem Unfall gerufen worden waren, teilte die Polizei mit. Demnach schoss der Mann von hinten auf die Rücken der Polizisten. Aus Ermittlerkreisen heißt es weiterhin, es gebe derzeit keinen "eindeutigen Zusammenhang" mit der gestrigen Attacke auf "Charlie Hebdo".

+++ 9.12 Uhr: Polizei nennt Details der erneuten Schießerei +++

Die Umstände der Schießerei am Morgen im Süden von Paris werden klarer: Ein Mann habe um 08.19 Uhr mit einem Schnellfeuergewehr das Feuer auf Polizisten eröffnet, teilt die Polizei mit. Der Täter habe eine schusssichere Weste getragen. Ein Polizist sei schwer verletzt worden. Der Angreifer konnte festgenommen werden. Einen erwiesenen Zusammenhang mit den Anschlägen auf "Charlie Hebdo" gibt es weiterhin nicht.

+++ 09.09 Uhr: Botschafter dankt für deutsche Solidarität +++

Frankreichs Botschafter in Deutschland, Philippe Etienne, unterstreicht die Bedeutung der Anteilnahme in der Bundesrepublik. "Diese Reaktionen sind sehr, sehr wichtig. Wir sind sehr, sehr dankbar für die Solidarität", sagt Etienne im Deutschlandfunk. Vor allem spüre er dabei den Willen, die Pressefreiheit zu verteidigen.

Gestern Abend hatten unter anderem in Berlin Hunderte der Opfer des Terroranschlags auf "Charlie Hebdo" gedacht. Vor der französischen Botschaft wurden Blumen niedergelegt.

+++ 09.01 Uhr: Polizeikreise bestätigen Schießerei in Paris +++

Die Schießerei im Süden von Paris wird aus Polizeikreisen bestätigt. Auf die Beamten wurde von einem Unbekannten das Feuer eröffnet, heißt es. Zwei Polizisten seien verletzt und ein Verdächtiger festgenommen worden. Frankreichs Innenminister hat eine Krisensitzung verlassen und sich auf den Weg zum Tatort gemacht. Noch immer ist aber völlig unklar, ob es einen Zusammenhang mit dem gestrigen Terroranschlag gibt.

+++ 8.44 Uhr: Offenbar Schießerei im Süden von Paris +++

Französische Medien und Twitterer melden eine Schießerei im Süden von Paris. Im Stadtteil Malakoff sollen dabei zwei Polizisten verletzt worden sein. Einer befände sich in kritischem Zustand, der andere stehe unter Schock, heißt es. Es ist aber noch völlig unklar, ob der Vorfall in Zusammenhang mit dem Anschlag auf "Charlie Hebdo" steht.

+++ 8 Uhr: Sieben Personen sollen in Polizeigewahrsam sein +++

Nach Angaben des französischen Premierministers Manuel Valls hat es in der Nacht mehrere Festnahmen gegeben. Mehrere Menschen befänden sich in Polizeigewahrsam, sagt der Regierungschef am Donnerstagmorgen im Radiosender RTL. Zur Frage, um wie viele Festnahmen es sich handle, will sich Valls nicht äußern. Die französische Zeitung "Le Monde" berichtet allerdings in Berufung auf Justizkreise, sieben Personen seien festgenommen worden Die Verdächtigen seien in Polizeigewahsam und würden vernommen. Premier Valls sagt zudem: "Insgesamt sind 88.000 Polizisten im Einsatz. Sie sollen für Sicherheit sorgen. In Schulen, Geschäften, auf öffentlichen Plätzen."

+++ 6.55: Tag der nationalen Trauer +++

In Frankreich beginnt nach den Anschlägen ein Tag der nationalen Trauer. Präsident François Hollande versammelt am Morgen das Kabinett für eine Sondersitzung. Am Nachmittag soll im ganzen Land eine Gedenkminute abgehalten werden. Zur gleichen Zeit will die Nationalversammlung an die Opfer des Anschlags auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" mit einer Zeremonie erinnern. An der berühmten Kathedrale Notre-Dame im Herzen von Paris sollen zum Gedenken die Glocken läuten.

+++ 6.35 Uhr: "Gegner ist Fanatismus, nicht der Islam" +++

Die linksliberale Zeitung "Libération"schreibt:

"Sie haben "Charlie" angegriffen und damit die Toleranz, die Ablehnung von Fanatismus und Dogmatismus. Sie haben diese offene, religionsfreie und friedfertige Linke angegriffen, die sich sicherlich über den Zustand der Welt empört, sich jedoch lieber darüber lustig macht, als anderen ihren Katechismus aufzuzwingen. Die Fanatiker verteidigen keine Religion, weil Religion tolerant sein kann, und sie verteidigen nicht die Muslime, die in ihrer überwältigenden Mehrheit mit Entsetzen auf diese niederträchtigen Morde reagiert haben. Die Fanatiker greifen die Freiheit an. Alle Republikaner sind vereint gegen den Gegner. Dieser Gegner ist der Terrorismus, nicht der Islam, der Gegner ist der Fanatismus,keine Religion, und der Gegner ist der Extremismus. Der hat nichts zu tun mit unseren muslimischen Mitbürgern."

+++ 6.35 Uhr: "Uns wurde der Krieg erklärt" +++

Die konservative französische Tageszeitung "Le Figaro" kommentiert den Terroranschlag:

"Uns wurde der Krieg erklärt: Der Krieg des islamischen Fanatismus gegen den Westen, gegen Europa und gegen die Werte der Demokratie. Uns muss klar sein: Wenn heute Frankreich im Visier der Verrückten Allahs steht, dann waren es vorher andere Länder, und morgen werden es weitere Staaten sein. Wir müssen uns moralisch gegen die niederträchtigen Verbrechen dieser Barbaren wappnen, die als Frömmler verkleidet sind. Und wir müssen uns politisch und juristisch wappnen. Zu lange sind wir im Namen eines irregeleiteten Humanismus unseren schlimmsten Feinden entgegengekommen. Wir müssen gegen diese Fanatiker hart durchgreifen, die sich offen gegen unser Land und unsere Sicherheit verschwören. Wenn es Krieg gibt, muss man ihn gewinnen."

+++ 6.10 Uhr: Presse solidarisiert sich +++

Die internationale Presse solidarisiert sich mit ihren Kollegen aus Paris: Mehrere Zeitungen titeln am Donnerstag mit "Non" oder "Je suis Charlie". Die Frankfurter Rundschau schreibt: "Charlie Hebdo - die Meinungsfreiheit bleibt". Die britische Zeitung "The Independent" räumt ihre erste Seite für eine Karikatur frei - dort ragt eine Hand aus einer Zeitung - und zeigt den Mittelfinger. Die französische Sportzeitung "L'equipe" titelt: "Freiheit 0, Barbarei 12".

+++ 4.18 Uhr: Kundgebungen in USA und Kanada +++

Hunderte Menschen haben sich trotz Eiseskälte in den USA und Kanada zu Protestkundgebungen auf den Straßen versammelt. Unter den Demonstranten in Washington war auch die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), die Französin Christine Lagarde. "Wir stehen alle noch unter Schock", sagte sie. Die Karikaturisten der Zeitung begleiteten den Alltag der Franzosen seit Jahren. Auch von ihr selbst habe es schon Karikaturen gegeben, sagte Lagarde. "Damals habe ich darüber geschmunzelt."

Mehrere hundert Menschen kamen zu der Demonstration vor dem sogenannten Newseum, einem Museum über die Presse. Auch in der Metropole New York trotzten hunderte Menschen den eisigen Temperaturen und gingen für die Opfer des Anschlags auf "Charlie Hebdo" auf die Straße. Unter ihnen waren viele Franzosen, die am Union Square die Nationalhymne anstimmten und dann "Charlie, Charlie" riefen. Auch in den kanadischen Städten Montréal, Québec und Winnipeg gab es Solidaritätskundgebungen.

+++ 2.52 Uhr: Polizei veröffentlicht Fahndungsfotos +++

Die Polizei veröffentlicht einen Zeugenaufruf mit Fahndungsbildern der beiden Männer. Sie seien möglicherweise "bewaffnet und gefährlich", warnen die Behörden und fordern die Bevölkerung auf, sich mit möglichen Informationen an die Polizei zu wenden.

Wo die flüchtigen Brüder sind, ist noch unklar. Die Sicherheitsbehörden fahnden mit mehreren tausend Beamten nach den Attentätern - unter anderem im ostfranzösischen Reims und in Straßburg. Die Polizei verhört derzeit Menschen aus dem Umfeld der beiden Männer, die 34 und 32 Jahre alt sein sollen.

+++ 2.24 Uhr: Jüngster Verdächtiger stellt sich der Polizei +++

Der jüngste Verdächtige stellt sich der Polizei. Wie aus Ermittlerkreisen verlautet, ging der 18-Jährige auf die Polizeistation in der Stadt Charleville-Mézières - nahe der belgischen Grenze - und wurde dort festgenommen. Laut Polizeiangaben soll den beiden mutmaßlichen Attentätern geholfen haben.

Mourad H. beteuert jedoch seine Unschuld und gibt an, zum Zeitpunkt des Anschlags in der Schule gewesen zu sein.

+++ 2.12 Uhr: "Charlie Hebdo" soll weiter erscheinen +++

Während die Polizei die Täter jagt, sagen große französische Medienhäuser dem Magazin "Charlie Hebdo" ihre Hilfe zu. Der staatliche Hörfunk und das Fernsehen sowie die Tageszeitung "Le Monde" erklären, sie wollten dem Magazin das notwendige Personal und Sachmittel zur Verfügung stellen. Die Mitteilung trägt die Überschrift: "Damit Charlie lebt." Die Direktoren von Radio France, France Télévisions und "Le Monde" rufen alle anderen französischen Medien dazu auf, die Presse- und Meinungsfreiheit hochzuhalten.

+++ 1.30 Uhr: Mehr Details über die mutmaßlichen Täter +++

Wie aus Ermittlungskreisen verlautet, suchen die Behörden offiziell nach zwei Brüdern im Alter von gut 30 Jahren, die im islamistischen Milieu aktiv sein sollen. Gesucht werde außerdem nach einem 18-Jährigen. Einer der beiden Brüder war nach Angaben der Ermittler im Jahr 2008 verurteilt worden, weil er in dschihadistischen Netzwerken bei Versuchen mitgeholfen haben soll, Kämpfer in den Irak zu schicken.

+++ 1.20 Uhr: Polizei macht sich auf alles gefasst +++

Der französische Fernsehsender “itele” berichtet, dass die Polizei versucht, DNA-Spuren sicherzustellen und abzugleichen. Über den Ablauf des Einsatzes ist wenig bekannt. Die Einsatzkräfte wissen womöglich selbst nicht, was sie in dem umstellten Wohnhaus erwartet.

+++ 00.10 Ihr: Polizeioperation an drei verschiedenen Orten +++

Nach Informationen der Zeitung "Liberation" läuft die Polizeioperation zur Festnahme der mutmaßlichen Täter an drei verschiedenen Orten. Zudem soll es auch einen Einsatz in Charleville-Mézières geben.

"Russia Today" veröffentlicht auf Twitter Bilder des Polizei-Einsatzes in Reims.

Hier können Sie die Geschehnisse direkt nach dem Anschlag auf die "Charlie Hebdo"-Redaktion nachlesen.

jen/ivi/mad/swd/feh/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters