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Krise in der Ukraine: Russland: Folgen Hilferuf von Janukowitsch

Diplomaten arbeiten fieberhaft an einer Lösung der Krim-Krise. Derweil sorgt Russland für Fakten und legitimiert sich selbst mit einem angeblichen Hilferuf Janukowitschs. Das Protokoll des Tages.

+++ 22.31 Uhr: Kriegsängste schicken Börsen ins Minus +++

Kriegsängste belasten auch die Wall Street. Aus Sorge vor einer Eskalation der Krise streichen US-Anleger Gewinne ein und investieren lieber in sichere Anlagen wie Gold oder US-Staatsanleihen. Viele Anleger ziehen ihre Gelder aus Russland ab. Der Rubel ist auf einem Rekordtief. Zuvor waren auch schon die Kurse in Frankfurt und London auf Talfahrt gegangen.

+++ 22.14 Uhr: Russland: Folgen Hilferuf Janukowitschs +++

Russland hat seinen umstrittenen Militäreinsatz auf der Krim mit einem angeblichen Hilferuf des abgesetzten ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch begründet. Laut UN-Botschafter Witali Tschurkin hat Janukowitsch Kremlchef Putin und die russischen Streitkräfte nach dem Umsturz in Kiew gebeten, "Recht und Ordnung wiederherzustellen".

+++ 21.27 Uhr: Russische Soldaten besetzen Grenzposten +++

Drei Lastwagen mit russischen Soldaten sind nach Angaben von ukrainischen Grenztruppen per Fähre auf die ukrainische Seite übergesetzt. Zuvor hätten russische Soldaten den Grenzposten am Terminal der Fähre zwischen Russland und der Krim besetzt.

+++ 21.02 Uhr: Obama: Russland "auf falscher Seite der Geschichte" +++

US-Präsident Obama kritisiert Russland scharf. Moskau habe sich "auf die falsche Seite der Geschichte" gestellt, so Obama während eines Treffens mit Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu in Washington. Russland habe durch die Entsendung von Truppen auf die Krim internationales Recht gebrochen. In dieser Ansicht sei die Weltgemeinschaft "weitgehend vereint".

+++ 20.56 Uhr: Steinmeier trifft Russlands Außenminister +++

Die diplomatischen Bemühungen zur Beilegung der Krim-Krise dauern unvermindert an. Außenminister Steinmeier verhandelt mit seinem russischen Amtskollegen Lawrow in Genf.

+++ 19.50 Uhr: US-Senator: "Deutschland zu passiv" +++

Der republikanische Senator John McCain kritisiert Deutschland wegen einer zu passiven Reaktion auf die russische Intervention auf der Krim. "Das ist ein schwere Enttäuschung", sagt McCain im US-Nachrichtensender CNN. Putin nutze diese Schwäche aus. Schon 2011 beim Militäreinsatz in Libyen sei Deutschland zu passiv gewesen, so McCain.

+++ 19.52 Uhr: USA bereiten Sanktionen vor +++

USA bereiten Sanktionen gegen Russland vor. Es sei wahrscheinlich, dass sie erlassen würden, wenn sich die Lage in der Ukraine weiter entwickle wie bisher, sagte die Sprecherin des Außenministerium in Washington, Jennifer Psaki. Ein mögliches russisches Ultimatum an die ukrainischen Streitkräfte auf der Krim bezeichnete sie als "gefährliche Eskalation". Die Vereinigten Staaten hätten aber bislang keine unabhängigen Informationen darüber, ob entsprechende Medienberichte über eine Fristsetzung durch die Russen richtig seien.

+++ 19.07 Uhr: EU-Gipfel am Donnerstag +++

Die EU-Staats- und Regierungschefs kommen am Donnerstag zu einem Sondergipfel zur Ukraine-Krise zusammen. Das teilte EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy am Montag in Brüssel mit. "Die EU-Staats- und Regierungschefs werden über die jüngsten Entwicklungen in der Ukraine diskutieren und wie die notwendige Deeskalation der Lage unterstützt werden kann", hieß es in der Mitteilung des Gipfel-Organisators.

+++ 18.12 Uhr: Russland: Kein Ultimatum! +++

Russland hat Berichte über ein Ultimatum an die ukrainischen Streitkräfte bestritten. "Das ist völliger Blödsinn", zitiert Interfax einen Stabsvertreter der russischen Schwarzmeerflotte. Zuvor hatten Medien unter Berufung auf Wladislaw Selesnew, einen Sprecher des ukrainischen Verteidigungsministeriums, von einem Ultimatum mit konkreten Forderungen berichtet. Ob es sich um ein Missverständnis oder ein gezieltes Verwirrspiel handelt, ist unklar.

+++ 18.09 Uhr: EU will Beziehungen zu Russland einschränken +++

Die EU droht Russland mit Konsequenzen für die gegenseitigen Beziehungen, wenn die Regierung in Moskau keine Schritte zur Entspannung unternimmt. Außenminister Steinmeier fordert "schnelle und glaubwürdige Beiträge zur Deeskalation", andernfalls würden neben Verhandlungen über Visa-Erleichterungen auch die Gespräche über ein neues Koopertationsabkommen ausgesetzt.

+++ 18.01 Uhr: Ukraine bestätigt Ultimatum Russlands +++

Nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP hat Russland die ukrainischen Streitkräfte aufgefordert, sich von der Krim zurückzuziehen. AFP bezieht sich auf einen Sprecher des ukrainischen Verteidigungsministeriums. Die Forderung bestehe darin, die neue Regierung auf der Krim anzuerkennen, die Waffen niederzulegen und abzuziehen. Anderenfalls müsse man sich auf einen Angriff einstellen.

+++ 17.15 Uhr: Für Militärintervention "derzeit keine Notwendigkeit" +++

Duma-Präsident Sergej Naryschkin sagt, dass eine Militäraktion Russlands nicht unmittelbar bevorsteht. Derzeit bestehe dazu "keine Notwendigkeit". Es sei "derzeit nicht notwendig" für Russland, von seinem "Recht zu einer Militärintervention" Gebrauch zu machen.

+++ 16.27 Uhr: Medwedew bekräftigt russischen Standpunkt +++

Medwedew bekräftigt in einem Telefongespräch mit US-Vizepräsident Joe Biden den russischen Standpunkt, dass es nötig sei, die Krim-Bewohner und die russischen Bürger in der Ukraine zu schützen.

+++ 16:25 Uhr: Schwarzmeerflotte stellt Ultimatum +++

Die russische Schwarzmeerflotte stellt offenbar dem ukrainischen Militär auf der Krim ein Ultimatum bis 4 Uhr Ortszeit. Bis dahin sollen die ukrainischen Kräfte ihre Waffen niederlegen, ansonsten werde angegriffen, zitiert Interfax Kreise des ukrainischen Verteidigungsministeriums. Das Ultimatum sei vom Kommandeur der Schwarzmeerflotte, Alexander Witko, gestellt worden. Eine unabhängige Bestätigung des Ultimatums steht bisher aus.

+++ 16.07 Uhr: Visa-Gespräche mit Russland ausgesetzt +++

Die EU-Außenminister setzen die Visa-Gespräche mit Russland aus. Dies geht aus dem Entwurf für eine Erklärung in Brüssel hervor.

+++ 15:17 Uhr: Steinmeier: "Militärische Aktivitäten völlig inakzeptabel" +++

Außenminister Walter Steinmeier sendet klare Worte nach Moskau und Kiew:

+++ 15.01 Uhr: Russland kritisiert US-Außenminister Kerry +++

Das russische Außenministerium kritisiert Äußerungen von US-Außenminister John Kerry zur Lage in der Ukraine als Drohungen gegen Russland. Dies sei nicht hinnehmbar.

+++ 14.52 Uhr: "Mulmiges Gefühl" vor Paralympics-Beginn +++

Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), zeigt sich wenige Tage vor dem Beginn der Paralympics in Sotschi besorgt. "Dass einen so etwas nicht kalt lässt, ist vollkommen klar. Das ist eine ungute Situation. Wir fahren alle mit einem mulmigen Gefühl dahin", so Hörmann. Die Sicherheit der Athleten stehe an oberster Stelle. "Man muss die Situation aufmerksam beobachten." Das deutsche Team will morgen zu den Weltspielen der Behindertensportler aufbrechen.

+++ 14.35 Uhr: Steinmeier und Fabius beraten sich vor EU-Außenminister-Treffen +++

+++ 14.23 Uhr: Ölpreis auf Jahreshoch +++

Der Ölpreis steigt im Zuge der aktuellen Geschehnisse auf ein neues Jahreshoch. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im April kostet gegen Mittag 111,37 Dollar. Das sind 2,30 Dollar mehr als am Freitag und der höchste Stand im laufenden Jahr. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Ölsorte WTI steigt um 1,74 Dollar auf 104,33 Dollar.

Der Großteil der Ölexporte von 5 Millionen Barrel pro Tag geht Rohstoffexperten der Commerzbank zufolge nach Europa.

+++ 14.17 Uhr: EU plant zeitnahen Sondergipfel +++

Die Staats- und Regierungschefs der EU wollen voraussichtlich am Donnerstag bei einem Sondertreffen in Brüssel über die Lage in der Ukraine sprechen. EU-Diplomaten sagen übereinstimmend, EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy habe wissen lassen, dass er für Donnerstag ein Gipfeltreffen einberufen könne. Eine endgültige Entscheidung sei zwar noch nicht gefallen, werde jedoch "aktiv erwogen".

+++ 14.11 Uhr: Lawrow verurteilt Sanktionsdrohungen +++

Russlands Außenminister Sergej Lawrow weist die angedrohten Strafmaßnahmen des Westens zurück. "Diejenigen, die die Situation als eine Aggression interpretieren und Sanktionen und Boykotts androhen, sind die gleichen, die systematisch einen Dialog verhindert und schließlich die Polarisierung der ukrainischen Gesellschaft vorangetrieben haben", sagt Lawrow während der Sitzung des UN-Menschenrechtsrats in Genf.

Er beschuldigt die neue Führung in Kiew erneut, die Menschenrechte der russischsprachigen Einwohner der Ukraine zu verletzen. "Die radikalen Kräfte kontrollieren weiterhin die Städte", so Lawrow. "Die Gewalt der Ultra-Nationalisten bedroht das Leben und die Interessen der Russen und der russischsprachigen Bevölkerung."

+++ 13.42 Uhr: Moskau schickt weiter Truppen +++

Nach Angaben des ukrainischen Grenzschutzes setzt Russland die Verstärkung seiner Truppen auf der Krim ungebremst fort: In den vergangenen 24 Stunden seien trotz der internationalen Proteste zehn Kampfhubschrauber und acht Truppentransportflugzeuge auf der Halbinsel gelandet, ohne dass Kiew vorab darüber informiert worden wäre, heißt es aus Grenzschutzkreisen. Überdies seien seit dem 1. März vier Kriegsschiffe der Schwarzmeerflotte in den Hafen von Sewastopol eingelaufen.

+++ 13.08 Uhr: Regierungsgebäude in Donezk besetzt +++

In Donezk im Osten der Ukraine besetzen pro-russische Demonstranten Teile eines Gebäudes der Regionalregierung.

Laut Journalisten schwenken die Demonstranten russische Fahnen und rufen "Putin komm".

+++ 12.48 Uhr: Kiew betont Anspruch auf Krim +++

Die Regierung in Kiew bekräftigt mit Nachdruck ihren Gebietsanspruch auf die Krim: "Niemand wird die Krim an irgendjemanden abgeben", sagt Regierungschef Jazenjuk. Russland müsse sofort aufhören, auf der Halbinsel durch eine "selbst ernannte illegale Regierung" Druck auszuüben. "Es gibt klare Bestimmungen, dass die Ukraine ein unteilbarer Staat ist und dass das, was derzeit auf der Krim stattfindet, ein Verstoß gegen das Völkerrecht ist", so Jazenjuk. Er warnt Russland vor Gewalt gegen friedliche Bürger auf der Halbinsel. Moskau werde sich dafür international verantworten müssen.

+++ 12.45 Uhr: Timoschenko wirft Putin Kriegserklärung vor +++

Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko wirft Russland eine Kriegserklärung gegen die Ukraine und ihre Verbündeten vor. Mit der "Besetzung" der Halbinsel Krim habe Putin nicht nur der Ukraine, sondern auch "den Garanten unserer Sicherheit, nämlich den USA und Großbritannien, den Krieg erklärt", sagt die kürzlich aus der Haft entlassene Politikerin in einer Videobotschaft auf ihrer Internetseite. Sie glaube nicht, "dass Russland die rote Linie überschreitet". Sollte die Regierung dies doch tun, "wird sie verlieren", so Timoschenko.

+++ 12.39 Uhr: Gabriel plant Russland-Besuch +++

Vizekanzler und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel von der SPD will Ende dieser Woche nach Russland reisen. Der Besuch in Moskau sei für Donnerstag und Freitag geplant, so eine Ministeriumssprecherin in Berlin. Wen der SPD-Chef vor dem Hintergrund der Krim-Krise in der russischen Hauptstadt treffen will, ist noch offen.

+++ 12.36 Uhr: Steinmeier spricht von schärfster Krise seit Mauerfall +++

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sieht Europa derzeit "ganz ohne Zweifel in der schärfsten Krise seit dem Mauerfall". "25 Jahre nach dem Ende der Blockkonfrontation ist die Gefahr einer erneuten Spaltung Europas real", warnt Steinmeier vor dem Krisentreffen der EU-Außenminister in Brüssel. Er fordert, auf diplomatischen Wegen eine Entschärfung der Lage zu erreichen. "Es ist immer noch Umkehr möglich und deswegen ist es ein Tag, an dem die Botschaften sehr klar sein müssen." Die Botschaft an Russland sei, dass "militärische Aktivitäten aus unserer Sicht völlig inakzeptabel sind". Die Ukraine müsse aufgefordert werden, "die Rechte der Minderheiten, vor allem in der Ostukraine zu beachten".

Angesichts der massiven Spannungen fordert Steinmeier erneut internationale Verhandlungen unter Beteiligung beider Seiten. "Krisendiplomatie, ist keine Schwäche, sondern wird jetzt notwendiger denn je sein, um nicht in den Abgrund einer militärischen Eskalation zu geraten."

+++ 12.07 Uhr: Hague kündigt Finanzhilfe an +++

Der britische Außenminister William Hague kündigt via Twitter an, sein Land werde der Ukraine 10 Millionen Pfund für benötigte technische Hilfe sowie wirtschaftliche und politische Reformen bereitstellen:

+++ 11.44 Uhr: Deutsches Paralympics-Team reist nach Sotschi +++

Trotz der angespannten Lage auf der Krim will das 13-köpfige deutsche Paralympics-Team nach wie vor zu den Spielen in Sotschi reisen. "Wir haben derzeit keinen Grund, nicht zu fahren", so der Präsident des Deutschen Behindertensport-Verbandes (DBS), Friedhelm Julius Beucher gegenüber DPA. Der Verband halte engen Kontakt mit dem Auswärtigen Amt und mit Personen vor Ort. "Für uns gibt es aufgrund der jetzigen Sicherheitslage keinen Grund zur Sorge", sagt Beucher.

+++ 11.30 Uhr: Lawrow verteidigt Russlands Vorgehen +++

Der russische Außenminister Sergej Lawrow verteidigt das Vorgehen seines Landes im Ukraine-Konflikt. Für Moskau gehe es dabei um die "Frage der Verteidigung unserer Bürger und Landsleute und der Sicherung ihrer Menschenrechte, insbesondere des Rechts auf Leben", so Lawrow in Genf. Jene Kräfte, die jetzt von einer Aggression sprächen und Russland mit Sanktionen und Boykott drohten, hätten zuvor einen echten politischen Dialog über die Lösung der Probleme in Kiew verweigert, sagt Lawrow vor dem UN-Menschenrechtsrat. Sie hätten damit "die ukrainische Gesellschaft polarisiert".

Lawrow wirft der Übergangsregierung in Kiew vor, grundlegende Menschenrechte der Russen in der Ukraine zu missachten. Zudem habe sie Provokationen gegen die russische Schwarzmeerflotte auf der Krim vorbereitet. All dies habe bei Millionen von Russen, die auf der Krim und in den östlichen Landesteilen lebten, Empörung und Befürchtungen ausgelöst. Deshalb hätten sie Moskau um Hilfe und Schutz gebeten.

+++ 11.24 Uhr: Merkel: Putin lebt "in einer anderen Welt" +++

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat laut einem Bericht in der "New York Times" nach ihrem Gespräch mit Wladimir Putin zu US-Präsident Barack Obama gesagt, der russische Präsident lebe "in einer anderen Welt". Zudem sei sich nicht sicher, ob er noch Bezug zur Realität habe.

Unterdessen befindet sich Außenminister Walter Steinmeier auf dem Weg zum Krisentreffen der EU-Außenminister in Brüssel, wie das Auswärtige Amt via Twitter mitteilt:

+++ 10.36 Uhr: OSZE will Beobachtermission schicken +++

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) will eine Beobachtermission in die Ukraine schicken. Diese soll die "Umstände der Vorfälle in der Ukraine" prüfen, teilt der Schweizer Bundespräsident und amtierende OSZE-Vorsitzende Didier Burkhalter in Genf mit. Er ruft die ukrainische Übergangsregierung in Kiew auf, das OSZE-Büro für demokratische Institutionen und Menschenrechte mit der Mission zu beauftragen.

Unterdessen fordert die USA bei einer OSZE-Dringlichkeitssitzung in Wien eine "sofortige" Entsendung eines OSZE-Teams, um "den Schutz der Minderheitenrechte zu gewährleisten und über den Respekt der territorialen Integrität zu wachen".

+++ 10.25 Uhr: Russlands Zentralbank erhöht Leitzins +++

Die russische Notenbank hebt überraschend den Leitzins um 1,5 Prozentpunkte auf 7,0 Prozent an, teilt Russlands Zentralbank mit. Es ist der erste Zinsschritt seit 17 Monaten. Experten sehen hierin eine Reaktion der Währungshüter zur Stärkung des russischen Rubel. Die Landeswährung ist mit der Sorge vor einer Eskalation der Lage in der Ukraine zum US-Dollar auf ein neues Rekordtief abgerutscht. Auch zum Euro fällt der Rubel weiter ab.

Seit Jahresbeginn ist die russische Währung auf Talfahrt. "Der Zinsschritt ist eindeutig eine Maßnahme zur Stabilisierung der russischen Währung", sagt ein Experte der Bank of America. Die Notenbank werde durch geopolitische Faktoren unter starken Handlungsdruck gesetzt.

+++ 10.23 Uhr: Webcam zeigt statt Grenze nur Hausdach +++

Will da jemand etwa keine Zuschauer haben? Wie stern.de-User Matthias Rothkegel aufgefallen ist, zeigt eine in der ukrainischen Hafenstadt Kertsch postierte Webcam seit gestern nur noch ein Hausdach. Zuvor hatte die Kamera den nahegelegenen Grenzübergang zu Russland gefilmt, wie dieser Zeitraffer zeigt.

Krisenherd Krim: Die russische Marine blockiert der ukrainischen Küstenwache zufolge die Straße von Kertsch zwischen der Halbinsel und Russland.

Krisenherd Krim: Die russische Marine blockiert der ukrainischen Küstenwache zufolge die Straße von Kertsch zwischen der Halbinsel und Russland.

+++ 10.13 Uhr: Barroso will "stark" reagieren +++

Die EU will nach Worten von Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso auf die Ukraine-Krise gemeinsam und "stark" reagieren. Sie habe bereits ihre Sorge zum Ausdruck gebracht und arbeite mit dem Internationalen Währungsfonds an Hilfen für das Land, sagt der Portugiese in Berlin.

+++ 10.06 Uhr: Prinz Edward sagt Paralympics-Besuch ab +++

Prinz Edward, jüngster Sohn von Queen Elizabeth II., sagt seinen Besuch bei den am kommenden Freitag beginnenden Paralympics im russischen Sotschi wegen der Ukraine-Krise ab. Er werde "auf Geheiß der Regierung" nicht nach Sotschi reisen, teilt der 49-Jährige mit. Zuvor hatte Premierminister David Cameron erklärt, auch Vertreter seiner Regierung würden nicht zu den Weltspielen der Behindertensportler reisen. In der gegenwärtigen Lage wäre das "nicht richtig". Edward ist Schirmherr der britischen paralympischen Vereinigung.

+++ 9.55 Uhr: G7 bieten Ukraine "starken finanziellen Rückhalt" an +++

Die sieben führenden westlichen Industrieländer bieten der Ukraine "starken finanziellen Rückhalt" an. Zusammen mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) sollen die unmittelbaren wirtschaftlichen Herausforderungen bewältigt werden, erklären die G7-Finanzminister. "Wir verfolgen aufmerksam die Situation in der Ukraine", heißt es in der vom Bundesfinanzministerium in Berlin veröffentlichen Erklärung. Die G7-Länder seien sich einig, dass der IWF die am besten geeignete Einrichtung sei zur Hilfe durch politische Beratung und Finanzierung, die an notwendige Reformen gebunden sei.

+++ 9.31 Uhr: Erdgas wird wie üblich nach Europa weitergeleitet +++

Russisches Erdgas wird nach Angaben der Ukraine durch ihre Pipelines wie üblich nach Europa weitergeleitet. Das berichtet die zuständige Firma Ukrtransgas.

+++ 9.23 Uhr: Börsen belastet, Dax sackt ab +++

Die Sorge um eine Eskalation in der Ukraine belastet den deutschen Aktienmarkt und weitere Börsen in ganz Europa kräftig. In den ersten Handelsminuten sackt der Dax um 2,38 Prozent auf 9461,18 Punkte ab. Der MDax büßt 2,23 Prozent auf 16 514,89 Punkte ein, der TecDax verliert 3,48 Prozent und steht zunächst bei 1241,38 Punkten. Für den EuroStoxx 50 als Leitindex der Eurozone geht es um 1,99 Prozent auf 3086,71 Punkte abwärts.

+++ 9.11 Uhr: Hague spricht von "größter Krise in Europa"

Der britische Außenminister William Hague bezeichnet die Ereignisse in der Ukraine als bislang größte Krise in Europa im 21. Jahrhundert. Er ruft Russland zugleich auf, seine Streitkräfte zurück in die Stützpunkte zu beordern. Nach Einschätzung Hagues hat Russland die faktische Kontrolle über die Krim übernommen. Er zeigt sich zugleich sehr besorgt über die Möglichkeit eines weiteren russischen Eingreifens im Osten der Ukraine. Russlands Intervention habe eine sehr gefährliche und angespannte Lage geschaffen, so der britische Außenminister.

+++ 9.09 Uhr: Russland und China "einig"

Der russische Außenminister Sergej Lawrow erörtert die Lage in der Ukraine mit seinem chinesischen Kollegen Wang Yi. Die beiden UN-Vetomächte seien sich in ihrer Sicht auf die Krise in der Ex-Sowjetrepublik "in weiten Teilen einig", teilt das Außenministerium in Moskau nach dem Telefonat mit. Die Ressortchefs hätten vereinbart, in der Sache eng in Kontakt zu bleiben, heißt es. Zuletzt hatten Russland und China in der Syrien-Krise gemeinsam mehrere Beschlüsse des Weltsicherheitsrats gegen das Regime in Damaskus verhindert. Lawrow wird heute bei einer Sitzung des UN-Menschenrechtsrates in Genf erwartet.

+++ 9.02 Uhr: Russischer Aktienmarkt stürzt ab +++

Die sich zuspitzende Situation in der Ukraine reißt den russischen Aktienmarkt tief ins Minus. Der Micex-Index bricht im frühen Handel um fast zehn Prozent auf 1306,62 Punkte ein. Der Index beinhaltet die 50 meist gehandelten Aktien der größten russischen Unternehmen. Viele Marktteilnehmer rechnen zwar nicht mit einer Eskalation zwischen Russland und dem Westen, zögen sich aber dennoch zurück, um Risiken zu verringern, sagt ein Händler. Zudem sollten die möglichen wirtschaftlichen Folgen für Russland nicht vergessen werden.

+++ 8.42 Uhr: Euro fällt weiter +++

Der Euro fällt weiter unter die Marke von 1,38 US-Dollar. Die Sorge vor einer Eskalation der Lage in der Ukraine habe die Risikofreude der Anleger gedämpft, sagten Händler mit Blick auf den schwachen Wochenauftakt der Gemeinschaftswährung. Am Morgen steht der Euro bei 1,3779 Dollar.

Am Freitag hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs auf 1,3813 Dollar festgelegt. "Am Morgen stand der Euro aufgrund der Krim-Intervention durch Russland unter Druck", schreibt Experte Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank. Im weiteren Handelsverlauf dürften aber auch Konjunkturdaten aus der Eurozone stärker in den Fokus rücken.

+++ 8.28 Uhr: Aksjonow verteidigt Machtübernahme +++

Der neue prorussische Krim-Regierungschef Sergej Aksjonow verteidigt die Machtübernahme auf der Schwarzmeer-Halbinsel. In der ukrainischen Hauptstadt Kiew hätten Politiker auf dem Maidan zuletzt das Volk aufgerufen, die Macht in die eigenen Hände zu nehmen. "Nun, das Volk hat sie genommen", sagt Aksjonow in einem in der russischen Regierungszeitung "Rossijskaja Gaseta" veröffentlichten Interview. Was für die Hauptstadt Kiew gelte, müsse auch für die Autonome Republik Krim gelten, betont er.

Aksjonow sagt weiter, dass ein für den 30. März geplantes Referendum über den Status der Halbinsel entscheiden werde. Dabei könnte es zur Abspaltung von der Ukraine kommen. Er sichert der muslimischen Minderheit der Tataren umfangreiche Rechte zu.

Zudem zeigt sich Aksjonow optimistisch, dass die Ferieninsel im Mai wie gehabt die Touristensaison eröffne. Die Krim hofft zudem auf Milliardenhilfen aus Moskau. "Die Krim wird zum Budget beitragen. Wir werden schnell alle Schulden bezahlen", so Aksjonow. "Hier werden Menschen aller Nationalitäten leben und sich freuen."

+++ 8.04: Ukraine berichtet über Aufmarsch russischer Truppen +++

Ukrainische Grenztruppen berichten über einen Aufmarsch gepanzerter Fahrzeuge an der russischen Küste gegenüber der Krim. Diese bezögen Stellung bei einem Fährhafen eines nur wenige Kilometer breiten Kanals, der die Krim von Russland trennt, sagt ein Grenztruppen-Sprecher. Russische Schiffe hätten zudem mit Manövern im Schwarzen Meer vor Sewastopol begonnen. Zudem blockiere Russland das Mobilfunknetz in Teilen der Krim, heißt es weiter.

+++ 7.57 Uhr: Krim-Krise drückt Rubel auf Rekordtief +++

Die Furcht der Anleger vor einem militärischen Konflikt mit der Ukraine um die Krim schickt die russischen Börsen auf Talfahrt. Dollar und Euro verteuern sich in der Spitze um jeweils mehr als drei Prozent und sind mit 37 und 51,20 Rubel so teuer wie noch nie. Die russische Zentralbank hebt daraufhin den Leitzins auf sieben von 5,5 Prozent an.

Russische Aktien werfen Investoren ebenfalls in hohem Bogen aus ihren Depots. Der Moskauer Micex, dessen Werte in Rubel notiert werden, fällt um bis zu 8,6 Prozent auf ein Acht-Monats-Tief von 1319,37 Punkten. Der RTS, in dem in Dollar notierte Aktienwerte zusammengefasst sind, bricht sogar um bis zu zehn Prozent ein. Das ist der größte Tagesverlust seit den Turbulenzen nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008. Mit 1139,12 Zählern liegt der RTS auf dem niedrigsten Stand seit September 2009.

+++ 7.50 Uhr: Russland stärkt entmachtetem Janukowitsch den Rücken +++

Die russische Regierung stärkt dem entmachteten ukrainischen Staatschef Viktor Janukowitsch den Rücken und erkennt die Übergangsregierung nicht an. Auch wenn Janukowitsch seine Autorität nahezu eingebüßt habe, sei er "laut der Verfassung noch immer der legitime Staatschef", so der russische Ministerpräsident Dmitri Medwedew im sozialen Netzwerk Facebook. Russland hatte dem gestürzten Präsidenten nach dem Machtwechsel in Kiew Zuflucht gewährt. Die Absetzung Janukowitschs nennt Medwedew "willkürlich".

Medwedew betont zwar, Moskau sei bereit, eine "respektvolle Beziehung" zum Nachbarland zu unterhalten, eine Zusammenarbeit mit der Übergangsregierung in Kiew schließt er aber aus. Diese sei für das Blutvergießen in der Ukraine verantwortlich und "hat die Macht ergriffen, indem sie die Verfassung und andere Gesetze brach", sagt Medwedew. Die neue Ordnung in der Ukraine sei daher sehr instabil. "Es wird mit einer neuen Machtergreifung enden, mit neuem Blutvergießen", so der 48-Jährige. "Russland braucht eine starke und stabile Ukraine. Einen verlässlichen und wirtschaftlich starken Partner."

+++ 3.52 Uhr: Ukraine-Krise belastet Tokios Börse +++

Die Krim-Krise macht sich auch an der Börse in Tokio bemerkbar. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte notiert am Montag zur Handelsmitte ein Minus von 259,24 Punkten oder 1,75 Prozent beim Zwischenstand von 14 841,07 Punkten. Der breit gefasste Topix büßte bis dahin 22,56 Punkte oder 1,86 Prozent auf 1189,10 Zähler ein.

+++ 01.45 Uhr: Staaten stoppen Vorbereitungen auf G8-Gipfel +++

Alle sieben führenden Industrienationen (G7), also auch Deutschland, setzen als Konsequenz aus der russischen Intervention auf der Krim ihre Vorbereitungen auf das geplante G8-Treffen in Sotschi in Russland aus. Das geht aus einer gemeinsamen Erklärung hervor, die das Weiße Haus veröffentlichte. Die G8 ist der Zusammenschluss der sieben führenden Industrienationen und Russlands.

In der Erklärung der G7 wird das russische Vorgehen auf der Halbinsel als "klare Verletzung der Souveränität und territorialen Integrität der Ukraine" und Verstoß gegen internationale Verpflichtung verurteilt. Die G7-Staaten und die EU rufen Moskau außerdem auf, etwaige Sicherheits- oder Menschenrechtsbedenken direkt in Kiew anzusprechen oder eine Vermittlung oder auch Beobachtung der Vereinten Nationen oder Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) zu akzeptieren. "Wir stehen bereit, bei diesen Bemühungen zu helfen."

Da aber die russischen Handlungen auch die Prinzipien und Werte der G7 und G8 verletzten, würden die Vorbereitungen auf den im Juni geplanten Sotschi-Gipfel ausgesetzt, "bis es wieder ein Umfeld gibt, in dem die G8 zu bedeutsamen Diskussionen in der Lage sind".

+++ 00.45 Uhr: Merkel und Obama wollen Kontakt-Gruppe +++

Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama wollen über eine Kontaktgruppe nach einer politischen Lösung für die Krise auf der ukrainischen Halbinsel Krim suchen. Bei ihrem Telefongespräch sei man übereingekommen, dass diese unter der Leitung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) stehen könnte, so ein Sprecher der Bundesregierung. Merkel hatte zuvor mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin telefoniert. Dieser habe der Einrichtung einer derartigen Kontaktgruppe zugestimmt, sagt ihr Sprecher.

+++ 00.30 Uhr: Kerry reist Dienstag nach Kiew +++

US-Außenminister John Kerry reist am Dienstag zur Unterstützung der neuen Regierung der Ukraine nach Kiew. Dort werde Kerry Vertreter der neuen Regierung, führende Parlamentarier sowie Mitglieder gesellschaftlicher Gruppen treffen, so seine Sprecherin Jennifer Psaki in Washington.

Kerry werde die "starke Unterstützung der USA für die Souveränität, Unabhängigkeit und territoriale Integrität der Ukraine" bekräftigen. Zudem werde er das Recht des ukrainischen Volkes unterstreichen, "seine Zukunft ohne Einmischung oder Provokation von außen zu bestimmen".

Am Mittwoch und Donnerstag wird der US-Außenminister dann in Paris und Rom erwartet.

+++ 00.29 Uhr: Demonstration in New York +++

Mehrere hundert Menschen protestieren in New York gegen das russische Vorgehen auf der Krim. Mit ukrainischen Fahnen und Plakaten sind sie stundenlang über mehrere Straßen in Manhattan und schließlich vor das russische Generalkonsulat gezogen. Dort singen sie die Nationalhymne der Ukraine und skandieren "Kein Krieg in der Ukraine" und "Russland, lass deine Hände von der Ukraine". Auf den Plakaten ist unter anderem "Wir danken den USA für ihre Unterstützung", "Putin ist teuflisch" und "Wir werden kämpfen" zu lesen. In der Millionenmetropole New York leben zehntausende ukrainische Einwanderer und deren Nachfahren.

+++ 00.18 Uhr: UN-Chef Ban schickt Stellvertreter in die Ukraine +++

Angesichts der wachsenden Spannungen um die Schwarzmeer-Halbinsel Krim schickt UN-Generalsekretär Ban Ki Moon seinen Stellvertreter Jan Eliasson in die Ukraine geschickt. Der stellvertretende Generalsekretär werde noch am Sonntagabend (Ortszeit) aus New York abreisen. In der Ukraine soll sich Eliasson ein Bild der Situation machen, um dann UN-Chef Ban darüber zu informieren, welche Schritte die Vereinten Nationen zur Deeskalierung der Lage unternehmen können.

+++ 00.16 Uhr: Merkel telefoniert mit Obama +++

Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama werfen dem russischen Präsidenten Wladimir Putin vor, mit der Intervention auf der Krim gegen das Völkerrecht zu verstoßen. Laut Regierungssprecher Georg Streiter, haben Merkel und Obama am späten Sonntagabend telefoniert. Beide stimmen darin überein, dass es jetzt beonders auf die Einigkeit der internationalen Gemeinschaft "im Angesicht des Unrechts ankommt".

+++ Sonntag, 21.40 Uhr: Medwedew hält ukrainische Führung für illegal +++

Russlands Ministerpräsident Dmitri Medwedew erklärt auf Facebook, die ukrainische Führung habe die Macht illegal an sich gerissen. Ihre Herrschaft werde mit einer "neuen Revolution" und weiterem Blutvergießen enden.

+++ Sonntag, 21.28 Uhr: Merkel wirft Putin Völkerrechtsverstoß vor +++

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wirft Präsident Wladimir Putin vorgeworfen, mit der "unakzeptablen russischen Intervention auf der Krim gegen das Völkerrecht verstoßen zu haben". Dies teilt der stellvertretende Regierungssprecher Georg Streiter in Berlin nach einem Telefonat Merkels mit Putin mit.

Der russische Präsident akzeptiere den Vorschlag der Kanzlerin, umgehend eine sogenannte "Fact finding mission" sowie eine Kontaktgruppe, möglicherweise unter der Leitung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), einzurichten, um einen politischen Dialog zu beginnen.

dho/mad/kng/DPA/AFP/Reuters/DPA/Reuters

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