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Malaysia-Airlines-Absturz: Keiner will's gewesen sein

Der Konflikt in der Ostukraine hat offenbar die schwerste Flugzeugkatastrophe in Europa seit Jahrzehnten verursacht. Wer ist am Absturz der Boeing schuld? Die Ereignisse des Tages zum Nachlesen.

Katastrophe in der Ukraine: Ein Passagierflugzeug der Malaysia Airlines vom Typ Boeing 777 ist am Donnerstag abgestürzt, als es auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur den von prorussischen Separatisten kontrollierten Osten der Ukraine überflog. Seit Wochen liefern sich die Separatisten hier erbitterte Kämpfe mit der ukrainischen Regierung. Nach Angaben der Fluggesellschaft waren insgesamt 298 Insassen an Bord, darunter vier Deutsche.

Nach jetzigem Stand spricht einiges dafür, dass die Passagiermaschine abgeschossen wurde. Hier das Wichtigste zu der Tragödie im Ticker.

+++ 20.23 Uhr: Russland weist Verantwortung für Absturz zurück +++

Russland hat bei einer Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats die Verantwortung für den Absturz eines malaysischen Passagierflugzeugs in der Ostukraine zurückgewiesen. Stattdessen machte der russische UN-Botschafter Witali Tschurkin in New York die Regierung in Kiew verantwortlich. Der Sicherheitsrat forderte in einer einstimmigen Erklärung eine "umfassende, gründliche und unabhängige internationale Untersuchung" des mutmaßlichen Abschusses der Boeing 777 von Malaysia Airlines. Tschurkin erklärte, Grund für die Eskalation sei die Offensive der ukrainischen Armee gegen die prorussischen Separatisten. Außerdem warf er der ukrainischen Regierung vor, zivile Flugzeuge über dem Kampfgebiet erlaubt zu haben: "Heute hat Kiew den Luftraum vollständig gesperrt. Warum konnten sie das nicht früher machen und nicht darauf warten, dass es hunderte Opfer gibt?"

+++ 19.28 Uhr: BKA entsendet Experten zur Identifizierung der Opfer +++

Das Bundeskriminalamt (BKA) entsendet ein zweiköpfiges Expertenteam in die Ukraine, um bei der Bergung und Identifizierung der Opfer zu helfen. Das Team solle zusammen mit Experten aus den Niederlanden und anderen Staaten schnellstmöglich seine Arbeit aufnehmen, teilt das BKA am Freitag mit.

In enger Kooperation mit den örtlichen Behörden sollen so die 298 Opfer der mutmaßlich abgeschossenen Passagiermaschine sicher identifiziert werden, um den Angehörigen Gewissheit zu verschaffen. Die beiden Experten gehören zur Identifizierungskommission, in der freiwillige Spezialisten des BKA sowie Rechts- und Zahnmediziner zusammengeschlossen sind.

+++ 18.22 Uhr: US-Diplomatin schließt "russische Unterstützung" nicht aus +++

Bei einer Sondersitzung des Weltsicherheitsrats in New York sagt die UN-Botschafterin der Vereinigten Staaten, Samantha Power, dass die Boden-Luft-Rakete vom Typ Buk offenbar aus einem von Separatisten kontrollierten Gebiet abgefeuert worden sei. Angesichts der Komplexität der Buk-Systeme könne zudem eine "technische Unterstützung durch russisches Personal" nicht ausgeschlossen werden, so Power. Es sei "unwahrscheinlich, dass die Separatisten das System ohne Mitwirkung von sachkundigem Personal wirksam bedienen könnten".

Auch ein US-Regierungsvertreter sagt der Nachrichtenagentur AFP, die Buk-Systeme seien "ziemlich hochentwickelt". Der Einsatz der Raketen erfordere eine weitergehende Ausbildung, weil das Ziel über Radar erfasst werde. "Das wirft viele Fragen auf", sagte der Beamte mit Blick auf eine mögliche russische Unterstützung.

+++ 18.06 Uhr: Obama fordert sofortige Waffenruhe +++

Nach dem Abschuss des Passagierflugzeuges über der Ukraine fordert US-Präsident Barack Obama eine sofortige Waffenruhe. Die Rakete, die das Flugzeug abgeschossen habe, sei aus einem von Separatisten kontrollierten Gebiet abgefeuert worden, sagt Obama.

Gleichzeitig fordert er eine "glaubwürdige, internationale Untersuchung" des Unglücks.

 

+++ 17.48 Uhr: Russia-Today-Reporterin kündigt aus Protest gegen Berichterstattung +++

Eine Reporterin von Russia Today (RT) kündigt aus Protest gegen die Ukraine-Berichterstattung des staatlichen russischen Senders. "Ich habe heute bei RT gekündigt. Ich habe großen Respekt für viele im Team, aber ich bin für die Wahrheit", schreibt die in London ansässige Journalistin Sara Firth am Freitag auf ihrem Twitter-Konto. Zuvor hatte sie in einer Serie von Tweets dem Sender "Lügen" vorgeworfen, so dass sich schon mehrere Anhänger fragten, ob ihr Konto gehackt worden sei.

Ausgangspunkt war der Vorwurf eines Bloggers gegenüber einem anderen RT-Reporter, dieser lasse sich vom russischen Präsidenten Wladimir Putin dafür bezahlen, dessen "Lügen" zum Absturz des Malaysia Airlines Flugs im Osten der Ukraine zu verbreiten. Firth schrieb daraufhin: "Wir arbeiten tatsächlich für Wladimir Putin. Wir werden täglich aufgefordert, die Wahrheit völlig zu ignorieren und dann zu verschleiern." Sie würden bezahlt und müssten daher stets gehorchen.

+++ 17.25 Uhr: Fidel Castro beschuldigt ukrainische Regierung +++

Kubas früherer Präsident Fidel Castro macht die ukrainische Regierung für den Abschuss verantwortlich. Die Regierung in Kiew habe eine "außergewöhnlichen Provokation" begangen, das Flugzeug habe sich im von der ukrainischen Armee kontrollierten Luftraum befunden, heißt es am Freitag in einem Leitartikel des kommunistischen Revolutionsführers in der Parteizeitung "Granma". Kuba könne "nicht aufhören, seine Ablehnung für eine solch anti-russische, anti-ukrainische, pro-imperialistische Regierung zum Ausdruck zu bringen."

+++ 17.16 Uhr: Auch UN-Sicherheitsrat fordert unabhängige Untersuchung +++

Auch der UN-Sicherheitsrat fordert eine unabhängige Untersuchung des mutmaßlichen Abschusses. In einer einstimmigen Erklärung verlangt das Gremium am UN-Sitz in New York eine "umfassende, gründliche und unabhängige internationale Untersuchung des Vorfalls im Einklang mit den Richtlinien der internationalen Zivilluftfahrt".

Vor der von Großbritannien beantragten Sondersitzung hielten die UN-Botschafter der Mitgliedsländer eine Schweigeminute für die fast 300 Opfer der Tragödie ab.

+++ 16.52 Uhr: OSZE-Experten an Absturzstelle eingetroffen +++

Ein Team von 30 Experten der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) ist an der Absturzstelle eingetroffen. Ein AFP-Reporter berichtet, prorussische Milizionäre hätten nach kurzen Verhandlungen den Inspekteuren Zugang zu der Unglücksstelle bei Grabowe gewährt.

+++ 16.20 Uhr: Obama will Erklärung abgeben +++

US-Präsident Barack Obama will am Nachmittag eine Erklärung abgegen. Obama werde um 17.30 Uhr (MESZ) vor die Presse treten, teilt das Weiße Haus mit.

+++ 16.15 Uhr: Telefonmitschnitt belastet Separatisten +++

+++ 15.07 Uhr: Black Box kaum zu manipulieren +++

Luftfahrtexperten der EU treten Befürchtungen entgegen, der Flugdatenschreiber der mutmaßlich abgeschossenen Malaysia-Airlines-Boeing könnte in Moskau manipuliert werden. Das sei praktisch unmöglich, heißt es aus Brüssel. Die Tonaufnahmen könnten wichtige Informationen zur Absturzursache geben - vor allem, falls das Flugzeug noch etwas weiter geflogen sein sollte. Nach verschiedenen Angaben und russischen Medienberichten zufolge, befindet sich die sogenannte Black Box derzeit in Moskau, nachdem sie von prorussischen Separatisten dorthin gebracht worden sein soll.

+++ 14:46 Uhr: US-Geheimdienste beschuldigen Separatisten +++

Das über der Ukraine abgestürzte Passagierflugzeug ist nach Erkenntnissen von US-Geheimdiensten sehr wahrscheinlich von prorussischen Separatisten abgeschossen worden. Das geht aus einem vorläufigen Geheimdienstbericht hervor, über den der US-Nachrichtensender CNN berichtet. Der Sender bezieht auf einen namentlich nicht genannten Beamten, der mit dem Bericht befasst sei. Nähere Einzelheiten werden derzeit nicht genannt.

+++ 14.15 Uhr: Absturz könnte massive Auswirkung auf Aids-Forschung haben +++

Zu den Opfern der in der Ostukraine abgestürzten malaysischen Passagiermaschine gehört auch der führende niederländische Aids-Forscher und frühere Vorsitzende der Internationalen Aids-Gesellschaft, Joep Lange. Das bestätigte eine Sprecherin der Stiftung PharmAccess. Der fünffache Familienvater befand sich auf dem Weg zur 20. Welt-Aids-Konferenz im australischen Melbourne. Laut dem "Sydney Morning Herald" waren etwa 100 weitere Passagiere an Bord der Maschine auf dem Weg zu der Konferenz.

Lange engagierte sich schon sehr früh im Kampf gegen Aids. Zwischen 2002 und 2004 saß er der Internationalen Aids-Gesellschaft vor, die auch die Konferenz in Melbourne organisiert. Das "Time Magazin" schätzt, dass der Absturz den Kampf gegen die Immunschwächekrankheit ernsthaft beeinflussen könnte.

+++ 13.50 Uhr: Englischer Fußballclub trauert um Fans +++

Der englische Fußballclub Newcastle United trauert um zwei seiner Fans, die beim Flugzeugabsturz in der Ostukraine ums Leben gekommen sind. Nach Angaben des Clubs waren die beiden Männer auf dem Weg nach Neuseeland, um das Team bei Vorbereitungsspielen in Dunedin und Wellington zu unterstützen. "Ich und alle Spieler sind tief geschockt und betrübt von dieser furchtbaren Nachricht", sagte Trainer Alan Pardew. "Ihr Einsatz, um die ganze Welt zu reisen, um uns in Neuseeland zu unterstützen, sagt alles was man über ihre Leidenschaft für Newcastle United wissen muss." Der Club kündigte an, mit Trauerbinden zu spielen.

+++ 13.48 Uhr: Ukrainisches Flugabwehrsystem war aktiv +++

Am Tag des Absturzes der malaysischen Passagiermaschine in der Ostukraine war nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums eine Radarstation der ukrainischen Flugabwehr in der Region aktiv. Wie das Ministerium am Freitag mitteilte, registrierten russische Überwachungsanlagen am Donnerstag eine Aktivität der Radarstation Kupol, die zur Zielerfassung für das mit Raketen ausgestattete Flugabwehrsystem Buk-M1 diene. Die Radarstation befindet sich demnach etwa 30 Kilometer südlich der Millionenstadt Donezk. In der Nähe stürzte die Boeing am Donnerstag ab, alle 298 Insassen kamen ums Leben.

In der Erklärung des Ministeriums hieß es, "technische Besonderheiten" von Buk-M1 erlaubten es dem System, Informationen über Ziele in der Luft mit anderen Elementen desselben Systems auszutauschen. Das heißt, Raketen könnten von Stellen aus gestartet werden, die nicht in unmittelbarer Nähe der Radarstation liegen. Das Ministerium äußert sich aber nicht dazu, ob tatsächlich Raketen abgefeuert wurden.

+++ 12.58 Uhr: Bundeswehr meidet ukrainischen Luftraum +++

Die Bundeswehr fliegt ab sofort nicht mehr über die Ukraine, was Verzögerungen bei der Ablösung von deutschen Soldaten in Afghanistan mit sich bringt. "Bis auf Weiteres wird kein Luftfahrzeug der Bundeswehr die Ukraine überfliegen", hieß es in einer Mitteilung der Bundeswehr vom Freitag in Berlin. Damit werde auf den Absturz des Passagierflugzeugs reagiert. Ein für Freitag geplanter Flug einer Bundeswehr-Maschine von Köln nach Termes in Usbekistan sei verschoben worden. Dadurch komme es zu Verzögerungen beim Personalwechsel des deutschen Einsatzkontingents der Afghanistan-Truppe Isaf. "Zur Zeit werden alternative Flugrouten geprüft und geplant."

+++ 12.25 Uhr: Malaysischer Minister: "Frevel gegen menschlichen Anstand" +++

Sollte der Absturz einer Passagiermaschine von Malaysia Airlines in der Ostukraine auf einen Abschuss zurückgehen, wäre dies nach Ansicht des malaysischen Verkehrsministers ein "Frevel gegen menschlichen Anstand". Minister Liow Tiong Lai fügte am Freitag in Kuala Lumpur hinzu, ein Abschuss wäre auch ein Verstoß gegen das Völkerrecht.

+++ 12.13 Uhr: EU geht von Abschuss aus +++

Die Europäische Union geht davon aus, dass das in der Ostukraine abgestürzte Flugzeug MH17 abgeschossen wurde. "Die ersten Einschätzungen auf Grundlage der Verbreitung der Trümmer über mehrere dutzend Kilometer scheinen die Annahme zu bestätigen, dass dieses Flugzeug abgeschossen wurde", sagte ein ranghoher EU-Vertreter am Freitag in Brüssel. Wer jedoch dahinter stecke, müsse durch eine Untersuchung geklärt werden.

+++ 12.07 Uhr: Radprofi buchte kurz vor Abflug um +++

Der 29-jährige Radprofi Maarten de Jonge entging der Katastrophe knapp. "Im letzten Moment habe ich beschlossen, einen Flug am Sonntag zu nehmen, weil er 300 Euro billiger war. Es gab nur noch einen freien Platz, den ich sofort reserviert habe", berichtete er in verschiedenen niederländischen Medien. De Jonge fährt für ein malaysisches Team und ist deshalb oft im ostasiatischen Raum.

Auch andere Fluggäste wollten eigentlich die verunglückte Maschine nehmen. Eine Familie kam zu spät am Flughafen an, eine andere musste umbuchen, weil es für Flug MH17 keinen Platz mehr für den Vater gab. Sie wollten unbedingt zusammen reisen.

+++ 11.57 Uhr: Neue Informationen zu Nationalitäten +++

Nach Angaben des malaysischen Transportministers Liow Tiong Lai vom Freitag kamen 173 Niederländer ums Leben. Zudem starben demnach 44 Malaysier, 27 Australier, 12 Indonesier, 9 Menschen aus Großbritannien, 4 Deutsche, 4 Belgier, 3 Philippiner, ein Kanadier und ein Neuseeländer. Insgesamt wurden nach Angaben der Fluggesellschaft Malaysia Airlines vom Freitag 298 Menschen getötet. Australien hatte zuvor von 28 australischen Opfern gesprochen. Noch immer sei nicht bei allen Getöteten die Nationalität festgestellt worden, sagte der malaysische Minister.

+++ 11.54 Uhr: Merkel appelliert an Russland +++

Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht "sehr, sehr viele Indizien" für einen Abschuss der malaysischen Passagiermaschine in der Ostukraine. "Es geht jetzt darum, dass schnellstmöglich eine unabhängige Untersuchung eingeleitet wird", sagte die CDU-Politikerin am Freitag auf einer Pressekonferenz in Berlin. Die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden.

+++ 11.50 Uhr: Ukraine wirft Separatisten Behinderungen vor +++

Der ukrainische Regierungschef Arseni Jazenjuk hat den Separatisten eine massive Behinderung der Helfer an der Absturzstelle des malaysischen Passagierflugzeugs vorgeworfen. "Diese Banditen lassen eine Untersuchung der Tragödie durch unsere Leute nicht zu", sagte Jazenjuk am Freitag in Kiew. Die Behörden sowie Vertreter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) würden nun Druck ausüben auf die Aufständischen, um zur Absturzstelle zu gelangen. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko warf den Separatisten vor, Beweise zu vertuschen. Darauf deute die Ankündigung hin, den Flugschreiber (Black Box) zunächst nach Moskau zu schicken.

+++ 11.32 Uhr: Maschine war in tadellosem Zustand +++

Laut einem offiziellen Statement von Malaysia Airlines hatte die abgestürzte Boeing 777 eine makellose Instandhaltungsakte. Das 17 Jahre alte Flugzeug sei am 11. Juli zuletzt überprüft worden, teilte die Fluglinie auf ihrer Website mit.

+++ 11.28 Uhr: Jazenjuk will Den Haag einschalten +++

Der ukrainische Ministerpräsident Arseni Jazenjuk will die Verantwortlichen für den Absturz des Passagierflugzeugs über dem umkämpften Osten des Landes vor den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag stellen lassen. "Die schreckliche Tragödie hat unser Leben verändert, die Russen sind zu weit gegangen", sagte Jazenjuk am Freitag nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine.

+++ 11.15 Uhr: Malaysia schickt Katastrophenhelfer in die Ukraine +++

Die malaysische Regierung kündigt an, ein Team von 62 Katastrophen-Experten in die Ukraine zu entsenden. Sollte das Flugzeug abgeschossen worden sein, wäre das ein Angriff auf die Menschenwürde, sagte der Transportminister. Die Regierung unterstütze Überlegungen zu einer unabhängigen Untersuchung.

+++ 11.08 Uhr: Trotz Tod vieler Aids-Experten: Konferenz findet statt +++

Obwohl an Bord der Maschine zahlreiche Aktivisten und Forscher auf dem Weg zur internationalen Aids-Konferenz in Australien verunglückten, findet die Konferenz statt. Die Veranstalter reagierten am Freitag mit Schock und Trauer auf die Nachricht. Im Gedenken an die Hingabe der Kollegen im Kampf gegen Aids habe man beschlossen, die Konferenz abzuhalten, teilte die Internationale Aids-Gesellschaft in Melbourne mit.

+++ 11.06 Uhr: Flugroute war von Experten abgesegnet +++

Die Flugroute von MH17 war nach Angaben der Behörden in Kuala Lumpur mit dem internationalen Luftfahrtverband IATA abgesprochen. "IATA sagt, dass es keine Einschränkungen für den Flugverkehr in dem Gebiet gab", erklärte der malaysische Transportminister Liow Tiong Lai am Freitag auf einer Pressekonferenz. Er wies darauf hin, dass bislang 15 oder 16 andere Fluggesellschaften das Gebiet überflogen hätten.

+++ 10.56 Uhr: Poroschenko fordert Schutz vor "Aggressor" Russland +++

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hat die internationale Gemeinschaft zum Schutz vor dem "Aggressor" Russland aufgerufen. "Die ganze Welt hat das wahre Gesicht des Aggressors gesehen", sagte Poroschenko in einer Ansprache an die ukrainische Bevölkerung. "Der Abschuss eines zivilen Flugzeuges ist ein Akt des internationalen Terrorismus, der sich gegen die ganze Welt richtet", sagte er einem am Freitag von der Präsidialverwaltung in Kiew veröffentlichen Manuskript zufolge. "Die Aggression von außen gegen die Ukraine ist nicht nur unser Problem. Das ist eine Bedrohung für die europäische und weltweite Sicherheit", sagte der prowestliche Staatschef weiter.

+++ 10.36 Uhr: Malaysischer Ministerpräsident fordert lückelnose Aufklärung +++

Malaysias Ministerpräsident Najib Razak hat eine lückenlose Aufklärung zum Absturz von MH17 gefordert. "Wir müssen und werden genau herausfinden, was mit diesem Flug geschehen ist. Wenn sich herausstellt, dass das Flugzeug tatsächlich abgeschossen wurde, bestehen wir darauf, dass die Täter schnell vor Gericht gestellt werden", sagte Najib in Kuala Lumpur. Die Ermittlung dürfe in keiner Weise behindert werden. "Ein internationales Team muss vollständigen Zugang zu der Absturzstelle bekommen." Es dürfe auch niemand Wrackteile oder die Black Box von dem Gelände entfernen.

"Dies ist ein tragischer Tag in einem für Malaysia bereits tragischen Jahr", sagte Najib mit Blick auf das Verschwinden von Flug MH370 auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking im März dieses Jahres.

+++ 10.29 Uhr: Putin kondoliert Rutte +++

Russlands Präsident Wladimir Putin hat nach dem Absturz des Passagierflugzeugs in der Ostukraine eine "umfassende und objektive Untersuchung" gefordert. Wie der Kreml am Freitag in Moskau mitteilte, telefonierte Putin mit dem niederländischen Regierungschef Mark Rutte und kondolierte ihm angesichts der 154 niederländischen Absturzopfer. Die Tragödie werfe ein neues Schlaglicht darauf, dass die Ukraine-Krise "dringend friedlich überwunden werden muss", hieß es in der Kreml-Erklärung.

+++ 10.12 Uhr: Auswärtiges Amt bestätigt vier deutsche Todesopfer offiziell +++

Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin bestätigte am Freitag, dass bei dem Flugzeugabsturz in der Ostukraine auch vier Deutsche ums Leben gekommen sind.

+++ 9.48 Uhr: Mindestens zwei Tage Waffenruhe +++

Nach dem Absturz von Flug MH17 haben die prorussischen Separatisten in der Ostukraine eine zwei- bis viertägige Waffenruhe zur Untersuchung der Ursache angekündigt. Die Feuerpause solle bei Konsultationen der internationalen Kontaktgruppe um elf Uhr mitteleuropäischer Zeit vereinbart werden, teilte Separatistenführer Andrej Purgin am Freitag der Agentur Interfax zufolge mit. Durch die Waffenruhe sollten internationale Experten in das Gebiet Donbass gelassen werden, um die Absturzursache aufzuklären. Purgin sagte, dass die Leichen in einem Radius von zwölf Kilometern verstreut seien.

+++ 9.34 Uhr: Fraglich, ob Separatisten Buk.System bedienen können +++

Die über der Ukraine abgestürzte Boeing der Malaysia Airlines kann nach Ansicht von Experten nur von einer hoch komplexen Waffe abgeschossen worden sein. Das berichtete die Zeitung "Wall Street Journal" am Freitag. Tragbare Raketen, die von der Schulter abgefeuert werden, reichten nicht aus, ein Verkehrsflugzeug in 10.000 Metern Höhe abzuschießen. Dafür sei eine Boden-Luft-Rakete nötig.

Die prorussischen Rebellen hätten zwar angegeben, in den vergangenen Wochen ein mobiles russisches Flugabwehrsystem vom Typ Buk erbeutet zu haben, das im Einsatz der ukrainischen Armee war. Dass die Aufständischen das hoch entwickelte System inklusive Radar auch nach so kurzer Zeit auch bedienen könnten, sei jedoch fraglich. "Das ist kein System, was man so ohne weiteres gleich benutzen kann", sagte Douglas Barrie vom Internationalen Institut für Strategische Studien (IISS) in London. Laut dem "Wall Street Journal" seien sich US-Militärexperten uneinig, ob die Rakete von prorussischen Separatisten oder dem russischen Militär abgeschossen wurde.

+++ 9 Uhr: Niederländische Flaggen wehen auf Halbmast +++

Die rot-weiß-blauen Flaggen vor offiziellen Gebäuden in den Niederlanden wehen heute auf Halbmast. Vor allen Botschaften des Landes auf der ganzen Welt wird auf diese Weise ebenfalls den Opfer des Flugzeugabsturzes gedacht.

+++ 8.33 Uhr: Rebellen garantieren Zugang zu Absturzstelle +++

Die prorussischen Separatisten in der Ostukraine wollen Ermittler offenbar zu der Absturzstelle von Flug MH17 lassen. Sie hätten eine entsprechende Garantie abgegeben, teilte die Ukraine-Kontaktgruppe mit Vertretern aus Kiew, Moskau und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) am Freitag mit.

+++ 7.31 Uhr: Zahlreiche Opfer geborgen +++

Nach dem Absturz eines malaysischen Verkehrsflugzeugs mit 298 Menschen an Bord finden Rettungskräfte im Osten der Ukraine Dutzende Leichen. Bislang seien 121 Tote geborgen worden, teilt der ukrainische Zivilschutz mit.

+++ 6.55 Uhr: Ukrainischer Geheimdienst geht von Schuld der Rebellen aus +++

Der ukrainische Geheimdienst hat nach eigenen Angaben Telefongespräche abgehört, in denen prorussische Aufständische den Abschuss des malaysischen Verkehrsflugzeugs eingestehen sollen. Wenige Minuten nach dem Absturz der Boeing 777-200 mit 298 Menschen an Bord hätten die Separatisten dem russischen Militär übermittelt, dass Kosaken-Milizen das Flugzeug getroffen hätten. Möglicherweise seien die Aufständischen davon ausgegangen, auf ein ukrainisches Militärflugzeug vom Typ Antonow An-26 zu schießen. Der ukrainische Geheimdienst SBU veröffentlicht am Freitagmorgen Informationen über die Telefonate. Der Wahrheitsgehalt dieser Mitteilung lässt sich nicht überprüfen. Es bleibt unklar, mit welchen Waffen eine einzelne Gruppe von Aufständischen eine Verkehrsmaschine in 10.000 Metern Flughöhe getroffen haben könnte.

+++ 6.26 Uhr Westen dringt auf Untersuchung +++

Nach dem mutmaßlichen Abschuss einer Passagiermaschine über der Ukraine fordern zahlreiche Staats- und Regierungschefs sowie internationale Organisationen eine unabhängige Untersuchung. US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigen sich bestürzt über das Ausmaß des Absturzes mit nahezu 300 Toten. Der UN-Sicherheitsrat soll noch am Freitag in einer Sondersitzung über die Ukraine-Krise und den mutmaßlichen Flugzeugabschuss beraten.

+++ 6.39 Uhr: Einige Fluggesellschaften meiden die Ostukraine schon seit Monaten +++

Schon Monate vor dem Absturz der malaysischen Passagiermaschine mit der Flugnummer MH 017 in der Ostukraine haben andere Fluggesellschaften das Gebiet aus Sicherheitsgründen weiträumig umflogen. Die koreanischen Airlines Korean Air und Asiana sowie die australische Fluglinie Qantas leiteten ihre Flüge nach eigenen Angaben bereits nach der Annexion der Schwarzmeer-Halbinsel Krim durch Russland im März um. Asiana-Maschinen seien aus "Sicherheitsgründen" nicht mehr über die Ukraine geflogen, sagt eine Sprecherin.

Korean Air verlegte seine Flugroute über der Ukraine "wegen der politischen Unruhen in der Region" um 250 Kilometer nach Süden, wie ein Vertreter der Fluglinie der Nachrichtenagentur AFP sagt. Eine Qantas-Sprecherin fügt hinzu, ursprünglich seien Qantas-Flugzeuge auf der Verbindung von London nach Dubai über die Ukraine geflogen. Die Route sei aber schon "vor einigen Monaten" geändert worden. Andere Fluglinien wie Japan Airlines und All Nippon Airways oder Garuda aus Indonesien geben an, sie seien ohnehin nie über die Ukraine geflogen.

Die Lufthansa hat sich laut einer Mitteilung von Donnerstagabend dazu entschieden, "von sofort an den ukrainischen Luftraum weiträumig zu umfliegen". Auch Frankreich, Großbritannien und die US-Luftfahrtbehörde FAA fordern Fluggesellschaften nach dem Absturz dazu auf, den Luftraum über der Ukraine zu meiden.

+++ 5.09 Uhr: Luftraum über der Ostukraine gesperrt +++

Nach dem mutmaßlichen Abschuss einer Boeing der Fluggesellschaft Malaysia Airlines ist der Luftraum über der Ostukraine gesperrt. Das hätten die ukrainischen Behörden kurz nach dem Absturz nahe Donezk beschlossen, teilt die europäische Organisation für die Luftverkehrskontrolle, Eurocontrol, in Brüssel mit. Die Sperrung gelte vorerst unbefristet. Die Boeing 777-200 war nach Informationen von Eurocontrol am Donnerstag in einer Flughöhe von 10 000 Metern (33.000 Fuß) über der Ostukraine unterwegs gewesen.

+++ 4.50 Uhr: Steinmeier - Flugzeug über Ukraine wurde vermutlich abgeschossen +++

Das über der Ukraine abgestürzte Passagierflugzeug ist laut Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier vermutlich von einer Rakete getroffen worden. "Auf den ersten Blick scheint viel dafür zu sprechen, dass das Flugzeug nicht einfach abgestürzt ist, sondern dass es möglicherweise einen Beschuss gegeben hat", so Steinmeier in Mexiko-Stadt. Bevor man über Konsequenzen des Unglücks sprechen könne, müsse aber zunächst geklärt werden, wer die Verantwortung trage.

Steinmeier kann nach eigenen Angaben noch keine gesicherten Angaben über deutsche Todesopfer bei dem Absturz machen. Nach den jüngsten Angaben der Fluggesellschaft Malaysia Airlines waren 298 Menschen an Bord, darunter mindestens vier Deutsche.

+++ 4.47 Uhr: Aufständische sichern Experten freien Zugang zum Boeing-Wrack zu +++

In der Ostukraine sichern prorussische Separatisten Einsatzkräften und Ermittlern freien Zugang zum Wrack der mutmaßlich abgeschossenen Boeing zu. Das teilt die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in Wien mit. Ukrainischen und internationalen Einsatzkräften sei garantiert worden, dass sie sich gefahrlos am Absturzort bewegen könnten, um unter anderem die Leichen der insgesamt 298 Menschen an Bord zu bergen. Zudem hätten die Aufständischen versprochen, in allen praktischen Fragen zur Untersuchung des Vorfalls mit den ukrainischen Behörden zusammenzuarbeiten.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko beschuldigt die Rebellen, die Maschine der Malaysia Airlines auf dem Flug von Amsterdam nach Kuala Lumpur abgeschossen zu haben. Die Aufständischen bestreuten dies. Sie hatten am Donnerstagabend kurz nach dem Absturz der Boeing eine befristete Feuerpause während der Bergungsarbeiten angeboten.

+++ 4.26 Uhr: Viele Aids-Aktivisten an Bord +++

Unter den Opfern des Absturzes sind zahlreiche Aids-Aktivisten. Sie waren auf dem Weg zum Welt-Aids-Kongress im australischen Melbourne, teilt die International Aids Society mit. Es sei davon auszugehen, dass von den 283 Passagieren an Bord von MH 017 insgesamt 108 Aids-Delegierte und deren Familienangehörige gewesen seien. In der australischen Metropole wollen ab Sonntag 12.000 Forscher, Experten und Aktivisten über Strategien im Kampf gegen den Aids-Erreger beraten.

++ 4.09 Uhr: US-Vizepräsident Joe Biden geht nicht von Unfall aus +++

Das über der Ukraine abgestürzte Passagierflugzeug ist nach US-Angaben wahrscheinlich von prorussischen Rebellen mit einer Boden-Luft-Rakete abgeschossen worden. Die Regierung in Washington gehe stark davon aus, dass die Maschine mit knapp 300 Menschen an Bord von den Separatisten im Osten der Ukraine angegriffen worden sei, sagt ein US-Regierungsvertreter. Es gebe keinerlei Hinweise, dass die ukrainischen Streitskräfte eine Rakete auf die Boeing vom Typ 777 abgefeuert hätten. Ein anderer US-Regierungsvertreter sagt dagegen, es sei noch unklar, wer das Flugzeug abgeschossen habe.

US-Vizepräsident Joe Biden sagt, es handle sich offenbar nicht um einen Unfall. Vielmehr sei die Maschine wohl "vom Himmel abgeschossen" worden.

+++ 3.30 Uhr: Australien gibt Rebellen die Schuld +++

Der australische Ministerpräsident Tony Abbott macht prorussische Separatisten für den Absturz verantwortlich. Es sehe so aus, dass "von Russland unterstützte Rebellen" hinter dem Abschuss des Flugzeugs stünden. An Bord der Maschine waren nach Angaben der Fluggesellschaft Malaysia Airlines auch mindestens 27 Australier.

+++ 1.55 Uhr: Poroschenko sieht Aggression gegen Ukraine als Gefahr für ganze Welt +++

Der mutmaßliche Abschuss einer Passagiermaschine über der Ukraine belegt nach Ansicht von Präsident Petro Poroschenko, dass die Krise in seinem Land die internationale Sicherheit gefährdet. "Die heutige Tragödie zeigt erneut, dass Terrorismus nicht örtlich begrenzt ist, sondern ein Problem der ganzen Welt ist", heißt es in einer am frühen Freitagmorgen veröffentlichten Erklärung des prowestlichen Politikers. Mit dem Begriff Terroristen bezeichnet die ukrainische Regierung in der Regel die prorussischen Separatisten im Osten des Landes. "Die externe Aggression gegen die Ukraine ist nicht nur unser Problem, sondern eine Bedrohung der europäischen und globalen Sicherheit", fügt Poroschenko hinzu. Die ukrainische Regierung wirft Russland vor, die Rebellen zu unterstützen.

+++ 0.09 Uhr: Putin gibt Ukraine die Schuld an Flugzeugabsturz +++

Russlands Präsident Wladimir Putin macht die Ukraine für den Absturz der Malaysia-Airlines-Maschine im Osten des Landes verantwortlich. Putin sagt laut der Nachrichtenagentur RIA Nowosti, die "schreckliche Tragödie" mit vermutlich knapp 300 Toten wäre ausgeblieben, wenn es in der Ostukraine keinen Konflikt mit den Separatisten gäbe.

"Es besteht kein Zweifel, dass das Land, auf dessen Staatsgebiet diese schreckliche Tragödie geschehen ist, die Verantwortung trägt", wird Putin zitiert. "Diese Tragödie hätte es nie gegeben, wenn es Frieden in diesem Land gäbe und die Militäreinsätze im Südosten der Ukraine nicht wieder aufgenommen worden wären", fügt er hinzu. Er trage der russischen Militärführung nach eigenem Bekunden auf, "alle notwendigen Mittel bereitzustellen, um diesen kriminellen Akt aufzuklären".

+++ 23.49 Uhr: Hilfskorridor im Absturzgebiet geplant +++

Wenige Stunden nach dem Flugzeugabsturz stellt Kiew die Einrichtung eines humanitären Korridors in das umkämpfte Konfliktgebiet in Aussicht. Präsident Petro Poroschenko habe Verhandlungen darüber mit den prorussischen Separatisten zugesagt, sagt der malaysische Regierungschef Najib Razak bei einer Pressekonferenz in Kuala Lumpur. Seinen Angaben zufolge wurde ein malaysisches Ermittlungsteam zur Absturzstelle entsandt, das auch Mediziner umfasst. Auch Poroschenko selbst habe ihm eine "vollständige, gründliche und unabhängige Untersuchung" versprochen.

+++ 23.13 Uhr: Abschuss laut USA mit Boden-Luft-Rakete +++

Das in der Ostukraine abgestürzte malaysische Passagierflugzeug ist nach Angaben der USA abgeschossen worden. US-Geheimdienstexperten gehen "stark" davon aus, dass die Maschine von einer Boden-Luft-Rakete getroffen wurde, erfährt die Nachrichtenagentur AFP am späten Donnerstagabend aus Regierungskreisen in Washington. Derzeit würden die Experten untersuchen, ob die prorussischen Separatisten, die ukrainischen Streitkräfte oder gar die russische Armee für den Abschuss verantwortlich seien.

mod/anb/ono/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters